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25. 05. 2012
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Realität, Abbild und Erinnerung


17.04.2011 09:14 von:

Schlagwörter: Köln,artclub,Hochscheid,Buchhalter,Straub-Molitor,Tromp-l'oeil,Paris,HDTV,2011

(ehu) Um den Umgang mit Erinnerungen geht es dem Fotografen Bernd Straub-Molitor. Seine Dia-Installation überzeugt durch Schlichtheit und daraus folgender Dichte. Er hat aus alten Schwarzweiß-Fotos, zum Beispiel Klassenfotos, des Jahres 1918 die Köpfe von jungen Frauen heraus vergrößert, die damals etwa um die 18 Jahre alt gewesen sein dürften. Er fasst sie mit einem schwarzem, runden Rahmen ein, konzentriert so den Blick des Betrachters auf die nunmehr gekörnten Gesichter, es entsteht eine fast intime Verbindung. Die Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein lächeln verlegen, hoffnungsvoll oder verträumt scheinen sie in die Zukunft zu blicken. Offen bleibt, ob sich ihre Wünsche und Träume, gar ihre Befürchtungen erfüllten – sicher ist nur die Erinnerung an den Moment, an dem dieses Foto aufgenommen wurde. Außerdem zeigt Straub-Molitor seinen 30-Sekunden-Film "Half a Minute of Eternity", mit dem er im Mai 2010 am weltweiten "Ultra Short Film Festival" teilnahm.

Fabian Hochscheid zeigt schwerpunktmäßig Gemälde in bester Tromp-l'oeil-Tradition. Er malt kleine hell- und dunkelgrüne Kacheln, setzt diese zu Schachbrettern oder Labyrinthen zusammen, täuscht dabei meisterhaft Lichtreflexe, Fugenschatten oder Lücken vor. Diese Arbeiten lassen sich als faszinierender handwerklicher – und damit direkt vom Menschen geschaffener – Gegenpol zu einer Welt der Technik verstehen, die uns eine immer bessere Abbildung der Realität verspricht und uns eine Bilderflut in HDTV, Blue Ray oder 3D beschert. Hochscheids Bilder sind damit ein Beitrag zur Diskussion, ob und wie sich Realität überhaupt darstellen lässt. Altmeisterliches Können zeigt sich auch in der Wiedergabe von Faltenwürfen in einem anderen Gemälde. Dass er auch den leichten Strich beherrscht, beweisen zwei kleine stimmungsvolle Landschaftsbilder.

Im Gemälde verstrickt: Wie der heilige Antonius den Versuchungen widersteht

In eine ähnliche Zwischenwelt von Realität und Phantasie taucht auch Edith Buchhalter ein. In Landschaftsfotos überblendet sie etwa Soldaten oder bärtige Rebellen. Selbst die Reste eines Picknicks zerstören die Idylle – oder zeigen sie nur, was sich hinter einer Idylle verbergen kann? Gleichermaßen verschränkt Buchhalter in ihren "gemalten" Collagen unterschiedliche Darstellungsweisen und Bedeutungsebenen. So sind etwa der heilige Antonius und seine Versuchungen – eine nackte Frau, eine Bestie – als Figuren deutlich zu erkennen, doch verwickeln sich deren Umrisslinien mit "wilder" Malerei, die den Deutungen des Betrachters freien Lauf lässt. Ob Fotos oder Malerei: Es ist keine oberflächliche Kunst für den Augenblick, sondern eine Aufforderung an den Betrachter, sich mit seinen Assoziationen auseinanderzusetzen.

Parallel zeigt der artclub im Rahmen seines nunmehr auch internationalen Künstleraustauschs Arbeiten der Paris Gruppe "artists4paris". Die 15 Künstler und Künstlerinnen bieten einen fröhlich-bunten Parforceritt durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts: Kubismus und Informel sind ebenso dabei wie Expressionismus. Auch große Vorbilder wie Matisse, Dali oder de Chirico lassen grüßen. Das macht Spaß zu gucken, auch wenn nicht alles überzeugt.

Fabian Hochscheid, Edith Buchhalter, Bernd Straub-Molitor: bis 19.4. – artclub, Melchiorstr. 14, 50670 Köln-Agnesviertel, täglich 15-20 Uhr, Eintritt frei

   





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