Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Schauspieler auf der Wartebank


12.10.2011 14:13 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Phädra,Schütz,Lais,Racine,Wartebank,Lehrstück,Guckkastenbühne,20

(ehu) Zu Beginn darf sich Orlando Klaus minutenlang im Kreis warmlaufen, gegen Ende zertrümmert Anja Lais mit dem Pickel eine lange Mauer – die einzigen bewegten Momente in Jean Racines „Phädra“. Johannes Schütz inszeniert das klassische „Trauerspiel“ kühl und sachlich als Lehrstück über den verpassten Augenblick, über falsches Schweigen, die Vergeblichkeit, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und die tödlichen Folgen aus all dem. Schütz‘ strikte Nüchternheit verlangt höchste Konzentration vom Publikum. Das ermüdet auf Dauer. Entsprechend zurückhaltend war der Premierenbeifall in der Halle Kalk.

Kahl und leer ist die Bühne, lediglich bis zu den Rändern mit weißem Sand bedeckt. Vorne eine schwarze Mauer, gespannte Drähte deuten eine Guckkastenbühne an. Ganz hinten eine schwarze Bank. Eine Wartebank, auf der die Schauspieler sitzen, um auf Stichwort nach vorne zu treten und ihre Rollen abzuliefern: Anja Lais (Phädra), Orlando Klaus (Hippolyt), Christian Nickel (Theseus), Nadine Geyersbach (Phädras Vertraute Önone), Horst Mendroch (Theseus‘ Erzieher Theramen), Anna Böger (Aricias Vertraute Ismene) und Marina Frenk (Aricia). Die darf ab und zu auf einem Klavier klimpern.

Monströse Schattenspiele sorgen in dem kühl kalkuliertes Lehrstück für Überraschungseffekte

Die Handlung, die da deklamiert wird: Phädra, Ehefrau des attischen Königs Theseus, liebt eigentlich dessen Sohn Hippolyt, gesteht ihm dies aber erst, als sie erfährt, Theseus sei tot. Hippolyt indes liebt – wohl eher aus politischen Gründen – Aricia. Als der totgesagte Theseus zurückkehrt, greift Önone zur Lüge, sagt dem König, Hippolyt habe sich Phädra genähert, und geht ins Wasser. Phädra greift zu Gift, und Hippolyt, der seine Stiefmutter nicht anschwärzen will, fällt Poseidon – von Theseus als Rächer gefordert – zum Opfer. Die Schilderung von dessen Tod durch Theramen ist ein deklamatorischer Höhepunkt dieses Theaterabends.

Wäre da nicht ein ausgeklügeltes Schattenspiel, alles wäre noch statischer, noch leerer. Ein Scheinwerfer wirft gleißendes Licht auf die Bühnenrückwand. Die dazwischen stehenden Schauspieler werfen dabei – je nach Standort – unterschiedlich große Schatten. Die erscheinen als Monster, die das Spiel und ihre Mitspieler bestimmen. Auch hier scheint alles bis auf die genau Körperstellung aufs Feinste ausgetüftelt. Ein bis ins Letzte ausgeklügeltes Trauerspiel, dessen Dramatik und Tragik der abstrakten, rein intellektuellen Belehrung geopfert wird.

„Phädra“ – weitere Termine: 14., 15., 27., 29.10., jeweils 19.30 Uhr, Halle Kalk, Neuerburgstraße, Köln-Kalk. Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse