25. 05. 2012
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Selbstporträts aus der U-Bahn
(ehu) Wenn andere in der U-Bahn Zeitung lasen, zeichnete Ralf Witthaus. Selbstporträts in ein Skizzenblöckchen, etwas größer als ein Streichholzbriefchen, mit einem integrierten Spiegel, damit er sich auch selber sehen konnte. Das war während des Kunststudiums in Hamburg. Bis heute ist der 37-Jährige ein manischer Zeichner geblieben. Und zuweilen vertauscht er Stift und Pinsel mit Rasenmäher oder Motorfräse, macht "Landart" der besonderen Art. Zuletzt im vorigen Sommer, als er mit seiner Aktion "Bundesrasenschau" dem Inneren Grüngürtel Kölns eine sieben Kilometer lange Linie einschrieb. Jetzt zeigt die Kunst- und Museumsbibliothek mit rund 50 Objekten eine kleine Auswahl seiner Künstlerbücher und Bucheinbände
Zu sehen ist dort auch das Minibuch aus Studententagen. Aber auch Großformatiges, umfunktionierte Fotoalben oder auch Selbstgebundenes. Etwa ein Buch voller Porträts, die sein handwerkliches Fundament beweisen. Oder umfangreiche Skizzenbücher, in denen er seine Landart-Projekte entwickelt. Die setzte er unter anderem in Münster Werl, Leipzig oder Mannheim um. Immer wieder aber findet auch während der Organisation seiner Projekte er "Entspannung" beim Zeichnen. Dann entstehen – oft auch parallel – gleichsam meditativ Variationen zu einem Thema. Etwa unter dem Titel "Ikea" eine Reihe von Leitern, die – ein zusätzlicher Strich genügt – einmal auf-, einmal absteigen. Bei "Fernost" sind es Pinsel, bei "Hamburg" lauter kleine Dampferchen. Beeindruckend auch ein acht Meter langes Leporello.
Umblättern nicht möglich
Es sind spartanisch-karge Zeichnungen, doch mit wenigen Strichen entstehen auch hier akzentuierte Räume von großer Tiefe – wie sich Witthaus auch in seinen Landart-Projekten mit dem Raum auseinandersetzt. Leider kann auch diese Ausstellung das typische Manko einer Buchpräsentation nicht aufheben: Es ist immer nur eine Doppelseite zu sehen, Blättern ist nicht möglich.
Von besonderem Reiz und Witz sind seine Bucheinbände, die er vom Buchblock entfernt und deren Innenseiten er bemalt. Nur die sind in der Ausstellung zu sehen. Der Betrachter kann nur erraten, was wohl der Text-Inhalt des Buches war, wenn er nun lediglich zwei leere Sprechblasen sieht. Oder die Faust mit dem nach oben gerichteten Daumen, die Geste für "gut gemacht".
"Ralf Witthaus – Künstlerbücher und Bucheinbände" – bis 28.2.2011, Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Treppenhaus des Museums Ludwig). Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 h

























