25. 05. 2012
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So blumig liebten es die alten Ägypter
(ehu) Wenn ein Mensch starb, musste er ins Reich der Dunkelheit. Als Vogel kehrte seine Seele dann ins Diesseits zurück. Wohl ihm, wenn er dann einen Garten vorfand, in dem er am Leben seiner Familie teilhaben konnte. So dachten die alten Ägypter und malten ihre Gräber mit Gärten aus und legte kunstvolle echte Gärten an. Diesen Kult – der auch die europäische Parkkultur beeinflusste – dokumentiert die Ausstellung "Ägyptische Gärten" im Römisch-Germanischen Museum Köln.
Da ist etwa die 1:1-Nachbildung der Grabkammer des Sennedjen, der hier vor etwa 3000 Jahren seine letzte Ruhestätte fand. An einer Stirnwand sind nicht nur der Hausherr und seine Frau bei Feldarbeit und der Kornernte zu sehen, sondern auch ein Garten. Aufwändige, detailreiche Modelle zeigen die unterschiedliche "echten" Gartenanlagen. Da sind die frühesten, die vor über 4000 Jahren vor den Pyramiden, den Grabstätten der Pharaonen angelegt wurden. Durch kleine Guckfensterchen lässt sich sogar in deren Innerstes blicken.
Der Parkteich war so groß, dass sogar Boote darauf fahren konnten
Dann der "weltliche" Palastgarten Maru Aton in Amarna: ein riesiges Gelände, an dem die Archäologen arbeiten. 220 x 235 Meter misst es, mehr als viermal so groß wie die klassischen Vergleichs-Fußballfelder. Zwei große Teiche gab es hier, die sogar mit Booten befahren werden konnten. Eingesäumt waren sie von Palmenreihen. Laubengänge mit bemalten Böden, kleine Gärten und Häuschen vervollständigten die Anlage. Der Garten stellte nicht mehr allein die Verbindung zum Jenseits her, sondern diente auch der irdischen Erholung und Prachtentfaltung.
Und was man lange wegen der vielen Säulenreihen für Krönungshalle hielt, war in Wahrheit ein 20.000 Quadratmeter großer "Weinberg", sind Altertums-Architekten heute überzeugt. Später übernahmen wohlhabende Ägypter die Gartenphilosophie, wenn sie sich auch nur Minigärten von 30 Quadratmetern leisten konnten.
Blau, Rot und Gelb – mit diesen Farben wurde Tutanchamun zu Grabe getragen
Wie wichtig Blumen und Pflanzen überhaupt waren, zeigen zahlreiche mit diesen Motiven bemalte Grabbeigaben, Kacheln, Krüge, Schalen und Flakons. Den Toten legte man Blütenkränze um den Hals. Diese haben die Jahrhunderte überdauert und konnten bei Ausgrabungen geborgen werden. So fanden sich etwa im Grab von Ramses II., unter dessen Herrschaft die Israeliten das Land am Nil verließen.
Beim Begräbnis des Tutanchamun trugen auch dies Priester solche Gebinde. Eines bewahrt das Metropolitan Museum oft Art in New York auf. Die Blumen sind vertrocknet, die Farben verblasst. Doch für die Kölner Ausstellung hat man es rekonstruiert und die alte Farbenpracht wieder aufleben lassen: mit blauen Kornblumen, den gelben Blüten des Bitterkrauts, die Blätter der blauen Teichrose bilden, nebeneinander gelegt, ein breites Band. Allein die roten Saftbeeren mussten durch Perlen ersetzt werden.
Die Römer liebten für ihre Kränze auch die Blüten des Majorans
Religiöse ägyptische Rituale wurden von Griechen und Römern aufgegriffen. Sie flochten Kränze aus Rosen, Nelken, den Blüten des Granatapfels und aus Majoran, der Hymenaios gewidmet war, dem Gott der Hochzeit und der Ehe. Der römische Kaiser Hadrian griff die ägyptische Gartenkunst für seine Villa in Tivoli auf.
Das "moderne" Europa wurde im 17. Jahrhundert vom Ägyptenfieber erfasst. 1780 baute sich etwa der preußische Generalleutnant Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau eine Pyramide in seinen Landschaftspark. Sie wurde nie als Grab genutzt, verfiel und wurde erst vor wenigen Jahren vor dem endgültigen Zerfall gerettet. Ein Modell ist in Köln zu sehen.
Napoleon war nicht nur Feldherr, sondern auch ein Förderer der Ägyptologie
Der Höhepunkt der Ägyptomanie kam nach dem Feldzug Napoleons an den Nil. In seinem Tross hochrangige Altertumsforscher und Künstler, die für die Wissenschaft festhielten, was ihnen vor Zeichenstift und Pinsel kam. Das inspirierte in Deutschland nicht nur Fürst von Pückler-Muskau bei der Gestaltung seiner Parkanlagen. Auch Sphingen bevölkerten fortan zahlreiche Gärten.
"Ägyptische Gärten" – bis 6.11., Römisch-Germanisches Museum, Roncalliplatz 4, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 44 38. Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, jeden Dienstag 15.30 Uhr eine kostenlose Führung, Kombikarte 7/4,50 Euro, Katalog 29,90 Euro

























