25. 05. 2012
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Spätes Erinnern an eine ermordete Zwangsarbeiterin
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(js) Nina Sawina wurde 1923 in der Ukraine geboren. 1942 wurde sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Im Februar 1945 wurde sie von der Gestapo auf einem Friedhof bei Brauweiler von der Gestapo ermordet. Wo ihr Grab genau ist, weiß bis heute keiner. Die Ausstellung "Das Gedenkbuch" der Kölner Museumsbibliothek setzt ihr jetzt ein verspätetes Denkmal.
Ihr kurzes Leben war Thema für Studenten der Alanus Kunsthochschule in Alfter. Seit über fünf Jahren arbeitet die Museumsbibliothek dort mit dem Dozenten John Gerard zusammen, einem Meister des handgeschöpften Papiers und der Künstlerbücher. Auch diesmal galt es wieder, Bücher oder Buchobjekte zu einem vorgegebenen Themen zu schaffen. In den nun ausgestellten Arbeiten – eine wird von einer Jury zum Ankauf vorgeschlagen – spiegelt sich das Schicksal von Nina Sawina wider, das eng mit Köln verknüpft ist.
Im Bergischen musste sie für eine Maschinenfabrik, Lieferant der Wehrmacht, schweißen. Drei Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland wurde sie von der Gestapo als "Rädelsführerin" verhaftet, weil sie einen Esssaal forderte, statt immer im Freien zu essen. Sie kam – höchstwahrscheinlich – in ein "Arbeitserziehungslager" in der Deutzer Messe, arbeitete dann im "Kölner Hof" am Hauptbahnhof als Zimmermädchen. Im Juli 1944 wurde sie wegen einer verbotenen Liebesbeziehung zu einem Deutschen denunziert. Sie tauchte unter, wurde aber schon im September mit anderen Untergetauchten verhaftet. Sie muss sich in der Gestapo-Zentrale im EL-DE-Haus aufgehalten haben, eine Inschrift zeugt davon. Sie kommt in die Arrestanstalt Brauweiler. Ein Grabstein – höchstwahrscheinlich über ihrem Grab – trägt die Inschrift "Russische Bürgerin, Name unbekannt". Ihr Mörder kam nach 1945 mit elf Monaten Haft davon.
In einer der Studentenarbeiten gibt ein Leporello, das sich auch zu Gefängnis- oder Liebeszellen aufstellen lässt, mit Fotos und Zeichnungen Stationen ihres Lebens wider. Eine andere Studentin zeigt ein "doppeltes" Leporello, das die Hoffnungen junger Ausländer, die diese mit ihrem Aufenthalt in Deutschland verbinden, mit dem Schicksal der jungen Russin kontrastiert. Ein anderes Buch gibt beim Aufklappen in einer komplizierten Falttechnik das Foto von Nina Sawina frei. Eine runde Kiste mit roten Schuhen und einem bunten Kleid hält die Träume vom Glück einer jungen Frau fest.
Der 2. Teil der Ausstellung zeigt Gedenkbücher aus dem Bestand der Museumsbibliothek. Elke Purpus, deren Direktorin, musste bei der Vorbereitung dieser Ausstellung feststellen, dass sich nur "überraschend wenig" Künstler in dieser Kunstform mit den Opfern der NS-Verbrechen beschäftigen. Zu den Ausnahmen gehört Ulrich Wagner: Er thematisiert in einem auf über 1 x 2 Meter ausklappbaren Leporello aus dunklem handgeschöpften Papier die Grundrisse der Konzentrationslager Dachau, Auschwitz-Birkenau, Sachsenhausen und Dora 2 und damit die kühle, planmäßige Durchführung des Massenmords. Eindrucksvoll auch die Schwarzweiß-Fotobände von Dirk Reinartz und Erich Hartmann über die KZs oder des Niederländers Armando, der – ergänzt von Zeichnungen – in "Schuldige Landschaften" die Landschaft von den in ihr begangenen Verbrechen erzählen lässt. Schließlich die Bücher von Bettina Lockmann/Elisabeth Neudörfl und Sabine Würich: Die einen fotografierten in Berlin, was heute aus den Orten geworden ist, von denen aus damals die Täter arbeiteten, die andere tat dies unter dem Titel "Das Gedächtnis der Orte" in Köln".
"Das Gedenkbuch" – bis 17.5., Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Treppenhaus des Museums Ludwig). Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 h

























