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25. 05. 2012
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Verschollene Holzschnitte von Käthe Kollwitz entdeckt


29.07.2011 17:27 von:

Schlagwörter: Köln,Kollwitz,Holzschnitt,Proletarier,Käthe-Kollwitz-Museum,Kreissparkasse,Barla

(ehu) Im ersten Werksverzeichnis für Käthe Kollwitz – es erschien 1955 – sind sie immerhin beschrieben: verschiedene Zustandsdrucke und eine Studie für den Holzschnitt "Erwerbslos". Doch schon damals wusste niemand, wo sie sind. Jetzt sind sie aufgetaucht. Ein Privatsammler entdeckte sie gut zusammengerollt auf seinem Speicher. Das Käthe-Kollwitz-Museum der Kreissparkasse Köln zeigt seine Neuerwerbung jetzt in einer Sonderausstellung.

"Erwerbslos" ist das erste Blatt des Triptychons "Proletarier". Kollwitz schuf ihn in der Mitte der 1920er Jahre. Die Weltwirtschaftskrise hatte gerade den Höhepunkt überschritten, ihre Folgen konnte die Künstlerin täglich in der Arztpraxis ihres Mannes Karl jeden Tag sehen: Hunger, Armut, Kindersterblichkeit. Dies ist auch das Thema der drei Holzschnitter, die anderen zeigen eine Frau mit einem Kindersarg und – das Mittelstück – den Tod mit zwei Peitschen, der die Hungernden vor sich her treibt.

Die Geschichte des Bildes

Auf "Erwerbslos" ist ein verhärmtes Ehepaar zu sehen. In der unteren linken Ecke ein Kinderkopf. Ihm widmete Kollwitz ihre ganz besondere Aufmerksamkeit, er wurde mehrfach geändert. Gut lässt sich die künstlerische Auseinandersetzung hin zur Endfassung verfolgen.

Am Anfang ist er im Halbprofil zu sehen. Wie immer bei Kollwitz in dieser Technik "negativ", das heißt mit weißen Linien zu schwarzem Grund. Dies gefiel ihr nicht. Ein eigens für diese kleine Ausstellung aus New York ausgeliehener übermalter Druck dieses Erstzustandes zeigt den nächsten Entwicklungsschritt: Mit Tusche und Deckweiß wird das Kindergesicht voller, entfernt sich vom kantigen und sparsamen expressionistischen Stil. Entsprechend wurde der Druckstock bearbeitet.

Später fügt sie dem Kind eine Hand mit leerem Löffel hinzu

Doch auch mit diesem 2. Zustand war sie nicht zufrieden, sie entschloss sich zu einem radikalen Schnitt. Zunächst zeichnete sie eine Studie des Kinderkopfes, der den Betrachter jetzt direkt anblickt. Er ähnelt allerdings einem Katzengesicht. Außerdem fügte sie eine Hand mit einem leeren Löffel hinzu, der ist zunächst vond er Seite, dann von vorne zu sehen. Allein diesen Kopf schnitt sie dann in einen neuen, separaten hölzernen Druckstock, denn sie dann zumindest viermal bearbeitete – jedenfalls fanden sich in der Papierrolle vier Zustandsdrucke.

Als das Bild ihren Vorstellungen entsprach, sägte sie aus dem ursprünglichen Druckstock die entsprechende Fläche aus und fügte das neue Teil ein. Bei genauem Hinsehen ist die Fuge beim 7. Zustandsdruck noch zu erkennen. Der 10. Zustandsdruck – er ist entsprechend beschriftet – schließlich ist die Endfassung. Wo Nr. 8 und 9. geblieben sind ist ebenso unbekannt wie Nr. 5 und 6. Das Ergebnis ist ein sehr appellativer Kinderblick, der das Mitgefühl des Betrachters herausfordert.

Der Holzschnitt ist in Kollwitz' Schaffen eher ein Randbereich

Stilistisch vermag die Mischung aus Expressionismus und Beinah-Naturalismus allerdings nicht zu überzeugen. Auch Käthe Kollwitz selber scheint damit nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein. Ein faszinierender Einblick in ihre Werkstatt ist diese Reihe aber allemal.

Zum Holzschnitt inspiriert wurde sie wohl von Arbeiten Ernst Barlachs. Allerdings beschäftigte sie sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nur eine relativ kurze Zeit mit dieser Technik. neben "Proletarier" entstand schon 1920/21 lediglich der siebenblättrige Zyklus "Krieg".

"reingeschnitten, ausgeschnitten, überschnitten: Die Entwicklung eines Bildmotivs am Beispiel neu erworbener Holzschnitte" – bis 2.10., Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Neumarkt 18-24, 50667 Köln, Tel. 0221 / 227-28 99 / 26 02, Telefax: (0221) 227-3762, Internet: www.kollwitz.de, Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr, Eintritt: 3/1,50 Euro







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