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25. 05. 2012
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Vom engen Käfig zur artgerechten Freilandhaltung


28.05.2010 13:18 von:

Schlagwörter: Köln,Kölner Zoo,Stadtmuseum,Marla,Petermann,Elefant,Panzernashorn,Macke

(js) Der Kölner Zoo wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Aus diesem Anlass schenkt er sich nicht nur den Hippodom, ein neues Haus für Nilpferde und Krokodile, sondern auch eine Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum. "Von Marla zur Schönen Marie" heißt sie, der Titel erinnert an das erste Indische Panzernashorn, das 1872 nach Köln kam und dort bis 1900 lebte, und an Marla, den ersten Elefant, der 2006 in Köln geboren wurde. Rund 100 Exponate zeichnen die Geschichte des Tiergartens nach: historische und aktuelle Fotos, Postkarten, Bauentwürfe, Modelle, Belegbücher, die Ausrüstung eines Zoo-Tierarztes, die abstrakten Gemälde der Elefantenkuh Pretti, viele aus dem Archiv des Zoos und des Stadtmuseums wird erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Zugleich ist die liebevoll gestaltete Ausstellung auch ein Spiegelbild des Verhältnisses des Menschen zum Tier.

Den neugierigen Blick auf die Tiere ferner Länder sollte der Zoo anfangs befriedigen. Möglichst viele Tierarten zu zeigen war die Devise, sie wurden in engen Käfigen gehalten, meist in Einzelexemplaren. Die größte Sorgfalt – so scheint es im Nachhinein – wurde auf die Gestaltung der Häuser gelegt. Sie erfüllten die Träume von Exotik, das älteste erhaltene Beispiel dafür ist heute das ehemalige Elefantenhaus. Der Zoo kam an: Wurden 1861 genau 130.938 Besucher gezählt, konnte der Jahresdurchschnitt bis 1873 auf 177.712 gesteigert werden, wie ein Rechenschaftsbericht verrät. Der Juni des Jahres 1865 brachte mit 12.918 Mark die höchste Monatseinnahme, der 5. Juni 1870 die höchste Tageseinnahme mit 1.895 Mark. Kostendeckend arbeitet die Aktiengesellschaft Zoo bis heute nicht.

Als die ersten Freigehege eingeführt wurden, geschah dies weniger aus Tierliebe als um den Besuchern mehr Unterhaltung bieten zu können: 1887 durften sich die Seehunde freischwimmen, ab 1913 ergötzten die Paviane auf dem noch heute bestehenden Affenfelsen mit ihrem freizügigen Familienleben die Zuschauer und auch die Eisbären turnten bald in Felsenklippen herum. Heutzutage unvorstellbar, dass in den 30er Jahren die Besucher auf Kamelen und Elefanten reiten durften. Das brachte nicht nur die Tiere den Menschen näher, sondern auch Geld in die Kasse. In diesen Jahren war auch Josef Pallenberg ein häufiger Besucher des Zoos, hier sammelte der Künstler Anregungen für die Tierplastiken, die ihn berühmt machten. Davon sind einige Exemplare zu sehen. Ebenso Arbeiten anderer Künstler. Eine kleine Entdeckung ist die Tuschzeichnung "Frau mit Zebra" von August Macke, der um 1913 ebenfalls häufiger Gast im Kölner Zoo war.

Nur 22 Tierpaare überlebten die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges. Doch schon 1947 konnte der Zoo wieder eröffnet werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Philosophie der Zoo-Tierhaltung verändert: Man viel nicht mehr möglichst viele Tierarten zeigen, sondern mehr Tiere einiger weniger Arten, diese dafür in einer möglichst artgerechten Umgebung. In Köln geschieht dies vorbildlich mit dem Affenhaus, dem Tropenhaus, der großzügigen Elefantenanlage und eben ganz neu dem Hippodom.

Dass der Zoo wiederholt in den Schlagzeilen landete, verwundert bei 150 Jahren Geschichte nicht. Auch hiervon gibt die Ausstellung Zeugnis. So gab es 1874 einen großen, reich bebilderten Bericht in der auflagenstarken "Illustrierten Zeitung". Großes Publikumsinteresse fand auch der "Bärenkampf", bei dem 1872 ein Eisbär sein trächtiges Weibchen ertränkte. Bei einem Hochwasser ertrank 1882 ein Drittel der Tiere, die Elefanten gerieten in Panik, was einen Zeitungszeichner zu einem dramatischen Bild inspirierte.

Eher peinlich scheint dem Zoo allerdings die Erinnerung an den legendären "Petermann" zu sein. 1953 kam das Schimpansenmännchen nach Köln, wurde wie ein Mensch behandelt und sorgte mit zahlreichen Auftritten auch für etwas Geld in der Zookasse. Seinem Charakter allerdings bekam diese artfremde Haltung nicht, aggressiv geworden, er musste in einem Einzelkäfig gehalten werden. 1985 konnte er ausbüxen, er fiel den damaligen Zoodirektor Gunther Nogge an und wurde von einem Polizisten erschossen. Ein "Kinderfoto" und ein "Denkmal" des alternativen Kölner Fußballclubs "Petermann Stadtgarten". Mag die Scheu vor Publicity in diesem Fall nachvollziehbar sein, in einem anderen Fall ist sie unverständlich, nämlich der Arten-Erhaltung. Hier hat der Zoo einiges zu bieten, etwa bei der Zucht von Schneeleoparden oder Przewalski-Pferden mit dem Ziel ihrer Auswilderung oder der Beteiligung an Schutzprogrammen in Vietnam oder Madagaskar. Mehr Informationen über Aufgaben- und Imagewandel des Kölner Zoos hätten nicht schaden können. Dafür könnte im Erdgeschoss durchaus auf einen Teil der Kindergemälde oder der Ergebnisse eines Fotowettbewerbs verzichtet werden.

"Von Marla zur Schönen Marie – 150 Jahre Kölner Zoo" – bis 29.8., Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt: 3/1,50 Euro. Umfangreiches Rahmenprogramm, in den Sommerferien eine Offene Ferien-Werkstatt für Kinder von 6-10 Jahre







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