Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Wallraf-Richartz-Museum feiert seinen 150. Geburtstag


01.07.2011 12:18 von:

Schlagwörter: Köln,Wallraf-Richartz-Museum,Geburtstag,Jubiläum,Mäzen,Corboud,Blühm,Murillo,Cou

(ehu) Ohne Moos nichts los. Auch nicht beim Wallraf-Richartz-Museum. Doch das hat nur selten genug, um sich ein neues Bild, eine neue Plastik zu kaufen. Doch es gibt – in Köln hat das Tradition – großzügige Mäzene. Die schenkten dem Haus zum 150-jährigen Bestehen in diesem Jahr gleich drei Meisterwerke zur Komplettierung der Sammlung. Und das Museum schenkt sich und den Kölner Bürgern – "ihnen gehören die Bilder ja", erklärt Hausherr Andreas Blühm – die Ausstellung "Tat Ort Museum", die spannende und ungewohnte Einblicke in die sonst verborgene Arbeit des Hauses bietet.

 

Fünf Prinzipien sei jedes Museum verpflichtet , so Blühm: Sammeln, erforschen, bewahren, dokumentieren, vermitteln. Wie "das Wallraf" – so die marketingtechnische Kurzbezeichnung – diese Ansprüche mit Leben füllt, wird in fünf entsprechenden Passagen gezeigt. Es beginnt, unter den Augen des Sammlungsbegründers Wallraf, mit dem Sammeln. Gezeigt werden Neuerwerbungen aus den letzten Jahren. Fast ausnahmslos Schenkungen, um bestehende Schwerpunkte zu erweitern oder Lücken zu schließen. Dies gilt besonders für die Impressionisten und deren Umfeld. In der Mitte thronen die drei neuesten Bilder, darunter auch die "Hochzeit zu Kana" des Kölner Barockmalers Johann Hulsman.

Moderne Technik entlarvt "alte" Holzwurmlöcher als "neu gemacht"

Dank modernster Techniken kann heute auch die Entstehung von Kunstwerken erforscht werden. Da werden nicht nur verwitterte Bilderrahmen als jung enttarnt, obwohl ihnen künstliche Holzwurmlöcher zugefügt wurden. Beim Courbet-Bild "Dame auf der Terrasse" – es entstand um 1858 – entdeckten die Experten mithilfe von Infrarotlicht, dass dort auch einmal ein Mann porträtiert war. Warum der französische Maler ihn allerdings übermalte, bei der Lösung dieses Rätsels hilft auch modernste Technik nicht.

 

Die und altmeisterliche Handwerkskunst ist in der Abteilung "Restaurieren" unabdingbar. Hier werden die Schätze bewahrt, die einmal den Kölnern geschenkt wurden. Am Beispiel des Bild "Alte Frau und Junge" – der Spanier Bartolomé Esteban Murillos malte es im 17. Jahrhundert – kann der Ausstellungsbesucher verfolgen, wie abgeblätterte Farbe erneuert, wie ihm der alte Glanz verliehen wird. Und wie sich unter dem entfernten Firnis ursprünglich ganz andere Farben verborgen hielten.

Was während der "Arisierung" erworben wurde, wird zurückgegeben

Wichtig ist auch, die Geschichte eines Kunstwerks von seinem ersten Besitzer bis heute zu dokumentieren. Hier gilt es etwa, während der "Arisierung" unter der Nazidiktatur zu Unrecht erworbene Bilder zu erkennen und den Nachkommen des enteigneten Besitzers zurückzugeben. Eine Aufgabe, der sich das Museum selbstverständlich stellt.

 

Schließlich für die Besucher – allein im vorigen Jahr waren es 140.000 – das wohl Wichtigste: das Ausstellen der Kunstwerke. Voller Stolz zeigt man nicht nur Plakate vergangener Publikumsrenner, sondern auch stellt auch die Museumsschule vor. Sie wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Sie bringt Kindern und Jugendlichen die alte Kunst nahe, und was Kindern dabei spontan einfällt, überrascht selbst die Experten immer wieder.

Was früher Muscheln waren, sind heute Handys: wertvoll

Ein Beispiel dafür ist die Aktion "Art Crash": Schüler und Schülerinnen der Köln-Mülheimer Hauptschule Rendsberger Platz und der Bad Godesberger Gesamtschule interpretierten mit Fotos die Arbeiten alter Meister. So zeigt ein Bild zwei Kinder mit einem Schaf, vor ihnen liegen Spielzeug und wertvolle Muscheln. Das Foto zeigt zwei Kinder mit Hund am Rheinufer. Vor ihnen Handys. "Das sind die Wertgegenstände von heute", erklärt die Schülerin Vanessa Washofen.

 

Noch ein Blick aufs Geld: Direktor Blühm gibt auch Einblick in die Finanzen des Museums. Danach tragen Eintrittsgelder nur 13 Prozent, Kataloge gar nur zwei Prozent zu den Einnahmen bei. 80 Prozent deckt der städtische Betriebskostenzuschuss. bei den Ausgaben sind die Kosten für die Museumsangestellten mit 27 Prozent der größe Posten, für Bewachung kommen noch einmal 15 Prozent und für Reinigung drei Prozent hinzu.

Stifterrat schenkt dem Museum den Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau

Bei der prominentenreichen Geburtstagsfeier am Donnerstagabend packte der Stifterrat noch ein Geschenk aus: Er wird den Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau finanzieren. Der soll auf dem gegenüberliegenden Areal des ehemaligen Kutzhauses entstehen. Er muss noch zu Lebzeiten des Unternehmers Gerard Corboud gebaut werden, der dem Museum seine umfangreiche Impressionisten überließ. So steht es jedenfalls im Stiftungsvertrag.

"Tat Ort Museum" – bis 25.9., Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, Di-Fr 10-18 Uhr, Do. 10-22 Uhr (außer an Feiertagen), Sa und So 11 bis 18 Uhr, dienstags (15-16 Uhr) und donnerstags (12-13 Uhr) erklären Mitarbeiter des Museums ihre Arbeit. Eintritt 9,50/7,50 Euro.







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse