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25. 05. 2012
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Wallraf-Richartz-Museum öffnet seine Schatztruhe


20.10.2011 14:58 von:

Schlagwörter: Köln,Wallraf-Richartz-Museum,Panoptikum,Depot,Dürer,van Gogh,Fälschung,Petersbur

(ehu) Mit ernstem Blick schaut der Kaufmann mit der feinen Halskrause auf die schöne Nackte. Er wurde um 1657 porträtiert, sie 1915. Und warum hängt die brennende Kathedrale, sie wurde 1838 gemalt, neben drei Grazien im Stile des Pointillismus? Ein Konzept ist bei der Ausstellung „Panoptikum“ nicht zu erkennen – und auch nicht beabsichtigt. Sie ist vielmehr ein Griff ins volle Depot: „Die geheimen Schätze des Wallraf“ heißt sie im Untertitel. 500 Gemälde, zum Teil noch nie ausgestellt, zeigt das Wallraf-Richartz-Museum dem Publikum im Jahr seines 150-jährigen Bestehens.

Und das Depot hat einiges zu bieten. Rund 2000 Bilder besitzt das Museum. Das beste Viertel davon wird in der Dauerausstellung präsentiert. Ein weiteres Viertel jetzt in dieser Sonderausstellung, dazu noch 19 Skulpturen von rund 100. Der Vollständigkeit halber erwähnt: Die grafische Sammlung umfasst 75.000 Arbeiten auf Papier.

Auf ein Konzept wurde bewusst verzichtet – die Bildgröße bestimmt die Hängung

Ausgesucht wurden die jetzt gezeigten 500 Gemälde rein subjektiv. Weder Themen, Namen, Chronologie noch Stile spielten eine Rolle, eher schon die Größe. Denn gehängt wurde, wie es gerade passte, möglichst wenig leere Ausstellungswand oder Hängegitter sollten zu sehen sein: "Petersburger Hängung" at it's best. So kam die Mischung zustande, ein wilder Parcours vom 13. bis zum frühen 20. Jahrhundert, große Bilder neben kleinen, üppige Stillleben neben asketischen Heiligen, Porträts, Landschaften, Tiere, Allegorien, Helden, Salonmalerei – es geht kreuz und quer.

„Wir wollen neue Zusammenhänge aufzeigen“, eine 08/15-Lieblingsphrase mancher Kuratoren, die so erklären wollen, warum sie in einer Ausstellung kaum nachvollziehbare Bilderkombinationen kreieren. In dieser Bilderschau ergeben sich dagegen oft phantastische Zusammenhänge – allein durch die zufällige Hängung. Jeder Besucher kann, so er will, Geschichten und Beziehungen zwischen Bildergruppen suchen und finden. Dabei scheut sich das Museum auch nicht, einen van Gogh auszustellen, den es 1949 im Glauben an seine Echtheit erwarb. Später stellte er sich als Fälschung heraus.

Die Ausstellung ist auch eine Ausstellung über den sich ändernden Zeitgeschmack

Danach landete das Gemälde im Depot, neben Bildern, die heute keiner mehr sehen will, weil sie nicht dem Zeitgeschmack entsprechen und solchen, die beschädigt sind und auf ihre Restaurierung warten oder jenen, denen der passende Rahmen fehlt. So ist diese Ausstellung auch eine über die Sammlungsgeschichte des Wallraf-Richartz-Museums, über Kunstmoden und die Aufgaben eines Museums im Allgemeinen.

Wer hat hier was gemalt? Was Edgar Degas, Albrecht Dürer, Arnold Böcklin, Jean-Baptiste Camille Corot, Frans Hals oder Wilhelm Busch – um nur einige prominente Namen zu nennen? Was die weniger berühmten Hendrik van Steenwyck der Jüngere, was Mihaly von Munkacsy oder August Deusser? Kein Schildchen an den Bildern nennt die Namen. So lässt es sich besser auf die Kunst konzentrieren. Und das Wissen der Kunstgeschichte testen. Die „Lösung“ findet sich in einem kleinen Begleitheft.

Die Hausherren schütten ihr Füllhorn auch deshalb aus, weil sie die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auch an das wiederholte Versprechen einer Erweiterung des Museums erinnern wollen. Die Besucher aber dürfen aus dem großen Bilderangebot bis zum 27. November ihr Lieblingsbild wählen. Der „Sieger“ wird am 1. Dezember bekannt gegeben. Ein Jahr lang erhält das Bild dann einen Ehrenplatz in der Dauerausstellung.

„Panoptikum – Die geheimen Schätze des Wallraf“ – bis 21.1.2012, Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr (an Feiertagen bis 18 Uhr), Sa und So 11 bis 18 Uhr. Eintritt 9,50/7,50 Euro.







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