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25. 05. 2012
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Wenige Striche reichen fürs Ganze


18.06.2010 11:27 von:

Schlagwörter: Köln,Zoo,Naegeli,Sprayer von Zürich,Zeichnung,Antilope,Eigentum,Schubert

(js) Mit nur wenigen Strichen gelingt es Harald Naegeli, die Seele der Tiere einzufangen. Die grazilen Bewegungen der Antilopen, voller Spannung, jederzeit auf dem Sprung. Die majestätische Eleganz der Stelzvögel, die Kraft der Elefanten, die gelassene Ruhe des Tigers. Oft sind es bloße Andeutungen, die Abstraktion, die sich auf das Charakteristische beschränkt, dazwischen Lücken lässt und dadurch um so eindrucksvoller wirkt. Einige Bilder sind sparsam farbig aquarelliert oder durch Spritztechnik ergänzt. Dutzende dieser bezaubernden kleinen Blätter sind jetzt im Tropenhaus des Kölner Zoos zu sehen.

Naegelis Tuschzeichnungen erinnern nicht von ungefähr an prähistorische Felsmalereien. Wie diese sind auch seine Arbeiten mehr als bloße Abbilder von Tieren, auch sie beschwören die Tiere als Teil der Natur und kosmischer Prozesse. Obwohl Zootiere – in Dutzenden Skizzenbüchern festgehalten, dabei in wenigen Sekunden Bewegungen erfassend – sind sie für den Künstler auch Symbole der Freiheit. Die und Naturschutz sind seine zentralen Themen.

Als "Sprayer von Zürich" machte Naegeli, geboren 1939, vor gut 30 Jahren weltweit Furore. Mit schwarzen Strichmännchen protestierte er gegen die seelenlose Betonarchitektur seiner Heimatstadt. Weil er die Bewohner von Zürich "verunsicherte" und deren "Glaube an die Sicherheit des Eigentum erschüttert" habe, wurde er nach seiner Enttarnung zu neuen Monaten Haft verurteilt. Seit seinen Zürcher Arbeiten gilt der Absolvent der Pariser Kunst-Akademie als "Begründer" des Graffito im westeuropäischen Raum. Doch seine farbbesoffenen Nachfahren, deren Können sich oft genug in einem Schriftzug erschöpft, sind von Naegelis treffenden Aussagen, punktgenau und sparsam auf grauen Beton gesetzt, meilenweit entfernt.

Als 1989 durch einen Unfall beim Schweizer Chemie-Riesen Sandoz der Rhein vergiftet wurde und Tonnen von Fischen starben, kommentierte er den Umweltskandal den ganzen Fluss entlang mit Fischsymbolen. Wie in anderen deutschen Städten hinterließ er in den frühen 80er Jahren auch in Köln seine Spuren, unter anderem mit einem – inzwischen von Naegeli persönlich restaurierten – Totentanz auf St. Cäcilien, dem Haus des Schnütgen-Museums. Seit dem Eröffnung seiner Zoo-Ausstellung dürfen sich auch Kölns Elefanten über drei Naegelis an den Wänden ihrer Behausung freuen, zur Freude des Publikums griff er zur Sprühdose. Das Ergebnis – naja.

Die Ausstellung ist eine Kooperation von Zoo, Medienzentrale des Erzbistums Köln, Bildungswerk der Erzdiözese und dem Katholisch-Sozialen Institut aus Anlass des 150. Zoo-Geburtstags. Einige Zeichnungen Naegelis illustrieren auch das Büchlein zu einer CD mit Werken aus der klassischen Musik, in denen Tiere das zentrale Thema sind. Das reicht von Adriano Banchieris eher unbekannter Renaissance-Komposition "Contrappunto bestiale alla mente", ein fast dadaistisches Spiel mit Tierlauten, bis zu Hits wie Schuberts "Forellenquintett" oder Rimsky-Korsakows "Hummelflug". "Musica – Zoologica. Ein musikalischer Spaziergang durch den Zoo" kostet 18,95 Euro. Ein Teil des Erlöses kommt dem Zoo zugute.

Die Ausstellung dauert bis zum 31. Juli. Sie ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Zoos im Tropenhaus zu besichtigen (täglich 9-18 Uhr), gebunden allerdings an die normalen Eintrittspreise (14/9 Euro)







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