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25. 05. 2012
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Wo die Wüste untergeht


13.09.2010 12:54 von:

Schlagwörter: Köln,Fotograf,Abbis,Wüste,Euphrat,Tigris,Schilf,Madan,Mesopotamien

(js) Arabien und Wüste – das gehört in den Vorstellungen des Abendlandes zusammen. Der Fotograf Ikhlas Abbis entführt den Betrachter seiner aktuellen Ausstellung in eine hierzulande unbekannte Landschaft: die Sümpfe im Delta von Euphrat und Tigris. Er zeigt bei KuR in der Südstadt eine Kultur, die vom Aussterben bedroht ist, durch Politik und die daraus resultierenden ökologischen Folgen.

Zu sehen sind etwa architektonische Meisterleistungen: Allein aus dicken Schilfbündeln entstehen monumentale Gasthäuser – zugleich sozialer Treffpunkt, Rathaus und Moschee –, die mit ihren Gewölben an mittelalterliche Kathedralen denken lassen. Abbis präsentiert uns diesen Teil seiner Arbeit in einer eigenwilligen Art: als Mosaik aus 6 x 8 kleineren Fotos, in dem Vertikale und Horizontale aufgehoben sind, in dem sich Gesamt- und Detailaufnahmen abwechseln, ein Mosaik, in dem die Bilder von Bau und "Endprodukt" eine ganz besondere Dynamik entwickeln.

Ebenso ungewöhnlich Auswahl und Präsentation seiner Landschaftaufnahmen: extreme Hochformate mit hohem Horizont. In einer reihe zeigen sie die Vielfalt des Sumpflandes überfluteten Flächen bis hin zu ausgetrocknetem, zerrissenem Boden, bewohnte Inseln inmitten tiefblauen Wassers, Palmen und Wasserbüffel. Auch stolze, von Wetter und Leben gegerbte Männergesichter zeigt diese Ausstellung. Weil die Wände nicht ausreichten, werden die Fotos vom Alltag, von Frauen und Kinderspielen, von Schule, Viehhirten und waffenverliebten Männern auf einem Monitor gezeigt.

In die westlichen Schlagzeilen geriet das Marschland im irakisch-iranischen Krieg und nach dem 1. Golfkrieg. Weil die dort lebenden "Sumpfaraber", die Madan, die Gelegenheit nutzen wollten, um mehr Unabhängigkeit zu erlangen, wurden sie von Saddam verfolgt, mit Giftgas bekämpft, die Sümpfe und damit ihre Lebensgrundlage trockengelegt. Erst seit dem 2. Golfkrieg wird der Sumpf rekultiviert, kann sich das alte, auf zehn Prozent geschrumpfte Ökosystem wieder langsam erholen. Trotzdem nimmt die Sumpffläche, die sich einst bis auf gut 60 Kilometer südlich von Bagdad ausdehnte, weiter gefährdet. Nicht zuletzt ist daran die verstärkte Wasserentnahme aus den beiden Flüssen in der Türkei und Syrien schuld.

"Der Ursprung des Universums" nennt der Fotograf seine Ausstellung, denn hier – so die Altertumsforscher – stand die Wiege der Zivilisation: Im fünften Jahrtausend vor Christus besiedelten die Mesopotamier das fruchtbare Land, später entstand hier die sumerische Hochkultur. Die Keilschrift soll in dieser Gegend erschaffen worden sein, die Literatur, die Mathematik, die Metallkunde, die Keramik. Das Rautenstrauch-Joest-Museum sollte sich um den Erwerb dieser Fotodokumentation kümmern – auch wenn sie nicht überspitzten wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen mag.

Abbis erfüllte sich mit seinem Arbeitsaufenthalt im Delta einen alten Traum. Seit 2003 war er mehrmals dort, unterstützt Stiftung VG-Bild/Kunst und dem DAAD. Der gebürtige Iraker lebt seit vielen Jahren in Köln und ist inzwischen eingebürgert. Mit seinen charakteristischen Fotos hat er u.a. der städtischen Seniorenzeitschrift "Kölner Leben" ein zeitgemäßes Image gegeben. Zur Zeit hat er einen Lehrauftrag für Mediendesign und Fotografie in den Vereinigten Arabischen (VAE).

"Ikhlas Abbis – Der Ursprung des Universums" – bis 15.10., KuR, Kurfürstenstr. 12-14, Köln-Südstadt, Do-Sa 11-16 Uhr, Eintritt frei







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