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25. 05. 2012
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Wo Zellstoff eine Kiefer nährt


24.05.2010 10:10 von:

Schlagwörter: Köln,Stammheim,Skulpturen,Schlosspark,Chempark,Odyssee,rechtsrheinisch

(js) 51 Arbeiten – davon 20 neue – zeigt in diesem Jahr die Skulpturenausstellung "Kunst im Park" im rechtsrheinischen Kölner Norden. Das Grünflächenamt der Stadt hat für eine gepflegte Umgebung gesorgt. Unterholz wurde gerodet, ein neuer Weg angelegt, Gras gesät und Blumen gepflanzt. Seitdem die Initiative "Kultur Raum Rechtsrhein" den alten Schlosspark Stammheim entdeckt und vor neun Jahren mit der ersten Ausstellung wach geküsst hat, hat er sich auch mit seinen prächtigen alten Bäumen, viele davon sind Naturdenkmäler, zu einem Kleinod entwickelt.

60 Künstlerinnen und Künstler haben sich für die Teilnahme beworben, 20 wurden von einer Jury ausgesucht. Zum fünftel Mal wurden die drei besten Arbeiten mit dem Kunstpreis Schlosspark ausgezeichnet, der vom Chempark Leverkusen finanziert wird. Mit dem Sieger Wolfgang Heuwinkel – er erhielt 2500 Euro – erwiesen sich die Juroren diesmal treffsicherer als im Vorjahr. Heuwinkel pflanzte einen Kiefersetzling in einen meterhohen Block aus Zellstofflagen. Der wird im übrigen täglich von der Freiwilligen Feuerwehr Flittard gewässert. Die Hoffnung: Das Bäumchen wird seine Wurzeln nach unten treiben, kräftig wachsen und so künftig den Park bereichern. Gleichzeitig birgt die Arbeit durch den zerfallenden Zellstoff auch die Vergänglichkeit in sich.

Zweiter Preisträger (1000 Euro) ist Rudolf Hürth. Seine Plastik "Odyssee" überzeugte die Jury durch das "Changieren zwischen abstrakt und figürlich" und den Überraschungseffekt, dass die Farbigkeit der Figur auf Stein deutet, das Material aber tatsächlich Kunststoff ist. 500 Euro erhielt Ursula Buchegger für ihre "Wolke". Ein luftig leichtes, rhythmisch verflochtenes Gebilde aus bunten Plastikstrohhalmen, das zwischen dem grünen Laub der Bäume schwebt und wegen seiner Poesie am Wochenende die größte Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ein Schelm, wer dabei auch an eine gefährliche Giftwolke dachte.

Von den weiteren Arbeiten fällt die von Steff Adams auf. Sie lässt eine fröhliche, überlebensgroße blaue, im Sonnenlicht glänzende "Emily" im Gezweig schaukeln. Wie riesige Fruchtschoten baumeln die schwarzen Objekte aus den Gummischläuchen von LKW-Reifen von Petra Oberhäuser von den Ästen. Assoziationen an die Flößereitradition auf dem Rhein weckt das Kugelfloß von Thomas Rappaport und Silke Walther, das in Stuttgart zu Wasser gelassen wurde und – abhängig vom Pegelstand – noch bis Rotterdam treiben soll. Auch wenn die Qualität der neuen wieder breit streut, mit Kunst, altem Baumbestand und Blick auf den Rhein ist der Stammheimer Schlosspark immer einen Ausflug mit Picknick wert.

Unklar ist immer noch, was aus dem unter Denkmalschutz stehenden "Ulrich-Haberland-Haus" wird. Ehemals ein Altenheim der nördlich gelegenen Bayerwerke, dann ein städtisches Studentenwohnheim, steht das Haus seit weit über zehn Jahren leer. Zuletzt wurde es im Rahmen der Regionale 2010 in das Programm "Wohnen am Strom" aufgenommen. Laut öffentlich ausgelegtem Bebauungsplan soll ein "angemessener Anteil der Wohnungen für altengerechtes Wohnen und betreutes Wohnen genutzt" werden und es darf "keine Eingriffe in den Stammheimer Schlosspark und keine Eingriffe in bestehende Naturdenkmäler geben". Doch noch hat sich kein Investor gefunden. Den wird es wohl auch nicht geben, befürchtet Bruno Odenthal, 1. Vorsitzender des Bürgervereins Flittard. "Wer will denn hier wohnen? Hinter dem Komplex liegt Europas größtes Klärwerk und am gegenüberliegenden fängt schon um fünf Uhr morgens der Betrieb im Niehler Hafen an." Es werde wohl so sein, dass der Komplex langsam verfalle und dann abgerissen werden könne. Vielleicht sollten sich Kölns Künstler einmal der Sache annehmen.







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