25. 05. 2012
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Amoklauf in der Kantine
(ehu) Am Ende stehen sie von den Toten auf und stellen sich ordentlich hintereinander an, um ihre Essenstabletts in das dafür vorgesehene Gestell zu schieben. Das Publikum erholt sich von seinen Lachanfällen und klatscht begeistert Beifall. Manche Zuschauer rufen sogar "Bravo". So einen vergnüglichen Theaterabend wie mit "Der Mann an Tisch 2" gab es schon lange nicht mehr.
Die Kantine, die der Ungar Viktor Bodó für seine Truppe "Sputnik Shipping Company Budapest" und seine zweite Auftragsarbeit für das Kölner Schauspiel in der Halle Kalk aufgebaut hat, ist mehr als ein schäbig-steriler Ort zur Essenseinnahme. Sie ist Schauplatz für eine Beziehungskrise und einen Amoklauf, Arbeitsplatz für einen Trickdieb, sie ist die Arena für Kung-Fu-Kämpferinnen und ein Shootout. Wo zuerst alle ausrutschten, bleiben sie plötzlich alle kleben Hier planen zwei Ganoven das große Ding und ein Kontrolleur vom Gesundheitsamt meint, das Etablissement schließen zu müssen. Der Genuss von Kartoffelbrei führt zum Orgasmus, eine Gitarre spielt auch im Instrumentenkoffer weiter, der Küchenchef hat ein Herz für Pyrotechnik am Herd. Eine unsichtbare Bananenschale führt zu ständigem Schleudertrauma – und verwandelt sich hinterher in ebenso unsichtbaren, aber wirkungsvollen Klebstoff.
Der Kinofan Bodó bedient sich schamlos in der Filmgeschichte, zitiert Charlie Chaplin und Buster Keaton, Jacques Tati und Aki Kaurismäki. Auch bei der Musik schöpft er aus dem Vollen, ob Jazz, Swing, Pop, Klassik, Oper – er greift zu. Er schickt sein elfköpfiges Ensemble durch Slapsticks und Running Gags, und es folgt ihm mit absoluter Perfektio und Disziplin, mit Rhythmusgefühl und genauem Timing durch Zeitraffer und Zeitlupe. Wenn die Schauspielerin weint, muss das Publikum lachen
Das alles erinnert an die Zeit, als die Bilder laufen lernten. Eine mit lauten Geräuschen und einer unverständlichen Phantasiesprache unterlegte Pantomime, bei der auch Schnee vom Himmel fällt und das Publikum dank Windmaschine mitfriert. Wenn die verlassene junge Mutter in ihrem Elend losheult, löst das bei den Zuschauern einen Lachsturm aus. Das alles spielt sich oft gleichzeitig auf der Bühne ab, und der Zuschauer muss aufpassen, dass er nichts verpasst. Nach zwei Stunden kommt das Ende – und man würde doch so gerne weitergucken.
"Der Mann an Tisch 2" – weitere Termine: bis 5.5., 11. bis 15.5. jeweils 19.30 Uhr, Halle Kalk, Neuerburgstraße, Köln-Kalk. Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, Im Internet unter: www.schauspielkoeln.de

























