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25. 05. 2012
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Der Theater-Dramaturg als deutscher Exportschlager


05.01.2011 10:56 von:

Schlagwörter: Köln,Dramaturg,Ortmeier,Theater im Bauturm,Recreatrales,Burkina Faso,Goetheinsti

(js) Es muss diesen viel beschworenen universalen Theatergeist wohl tatsächlich geben. Jedenfalls fühlte sich die Kölner Dramaturgin Kerstin Ortmeier sofort wie zu Hause, als sie im November zum ersten Mal das Theaterfestival "Recreatrales" im afrikanischen Ouagadougou besuchte. "Von einem Kulturschock habe ich nichts gemerkt. Wieder in Deutschland gab es lediglich einen Kälteschock", erzählt sie zurück aus der Hauptstadt von Burkina Faso. Vermittelt vom dortigen Goethe-Institut sollte die Mitarbeiterin des Kölner Theaters im Bauturm dort das Arbeitsfeld eines Dramaturgen in Wort und Tat vorstellen.

Einen Beruf, den es so fast nur in Deutschland gibt. Ortmeier beschreibt die drei zentralen Aufgaben eines Dramaturgen so: Er steht dem Regisseur als Diskussionspartner zur Seite, wenn es um die Konzeption und Umsetzung eines Stückes geht, hilft ihm bei der Produktion. Dann organisiert er die "Vermarktung" des einzelnen Stückes und ist schließlich an der gesamten Programmplanung eines Theaters beteiligt inklusive des Wissens, wo es Fördermittel gibt. Natürlich ginge es auch ohne ihn, doch diese Art der Kooperation habe sich in Deutschland bewährt.

Festival mit Werkstattcharakter

"Recreatrales" ist das wohl bedeutendste Theaterfestival des Kontinents, es findet seit 2002 alle zwei Jahre statt. Es ist weniger ein Festival im klassischen Sinn, sondern eher ein Arbeitstreffen. Denn viele Stücke, die aufgeführt werden, werden erst an Ort und Stelle produziert. Eine Jury sucht sie unter den vielen eingereichten Konzepten aus. Diesmal wurden zwei Konzepte aus Kongo, je eines aus Burkina Faso, Elfenbeinküste und Kamerun eingeladen. Dazu erstmals ein außerkontinentales aus Haiti. Insgesamt traten 250 Schauspieler in 28 Stücke auf, viele davon auf kleinen Open-Air-Bühnen in verschiedenen Stadtteilen.

Der Werkstattcharakter war die ideale Herausforderung für die Kölnerin. Sie hatte sich für ihren Einsatz drei Stücke ausgesucht, die von prominenten, wenn auch hierzulande unbekannten Regisseuren inszeniert wurden. "Es waren alles Profis, die ihr Handwerk verstanden, aber meistens alleine arbeiten", berichtet Ortmeier. "Aber die Möglichkeit, die eigene Arbeit einmal mit einem anderen zu reflektieren, wurde als Bereicherung angenommen." Und sie betont: "Am Ende hat natürlich immer der Regisseur das letzte Wort".

Selbstbewusste Theaterleute

Sechs Wochen lang arbeitete sie in Ouagadougou unter anderem mit Dieudonné Niangouna zusammen, einem der arriviertesten Theatermacher des Kontinents, der auch in Europa kein ganz Unbekannter mehr ist. Er inszenierte "Das Herz der Leopardenkinder", den Monolog eines Afrikaners, der sein Land verlassen hat, nun allein in Paris lebt und des Polizistenmords angeklagt wird. Außerdem betreute sie "Incessants" (Die Unaufhörlichen), die Geschichte eines Straßenjungen, der zum Mörder wird, inszeniert vom haitianischen Regisseur Patrick Joseph. "Mich hat beeindruckt, wie selbstbewusst sich alle Stücke des Festivals mit afrikanischen Problemen auseinandersetzen", so Ortmeier.

Für ihren Kölner Arbeitgeber – im Theater im Bauturm ist sie gerade mit Shakespeares "Maß für Maß" beschäftigt – könnte ihr Afrika-Engagement Folgen haben: Man überlegt, wie man das Stück "Herz des Leoparden" an den Rhein holen kann – vielleicht schon in diesem Juni. Das Buch des kongolesischen Autors Wilfried N‘Sonde ist im Vorjahr auch auf Deutsch erschienen. Und für das nächste Mal ist eine Koproduktion mit dem Festival geplant. Treibende Kraft der Zusammenarbeit ist Theaterchef Gerhardt Haag, der schon seit 13 Jahren regelmäßig nach Ouagadougou reist.







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