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25. 05. 2012
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Die Frau, die alle Ratsprotokolle liest


16.02.2011 14:47 von:

Schlagwörter: Köln,Klüngelpütz,Barth,Überall, Lokalpolitik, Klüngel, Roters, Machtwächter, Se

Nein, gefeiert wird nicht, erklärt Marina Barth bestimmt. Dabei hätte sie allen Grund dazu: Im April feiert ihr "Klüngelpütz-Theater" zehnjähriges Bestehen. Angesichts der zahlreichen Konkurrenz keine leichte Aufgabe. Aber mit einem eindeutigen Schwerpunkt hat sie es geschafft: Keine andere Bühne beschäftigt sich so intensiv und fast ausschließlich mit dem Thema Köln – im Programm und bei der Künstlerauswahl. Und kein anderer Kölner Kabarettist oder eben Kabarettistin hat ein eigenes festes Haus, in dem sie regelmäßig auftritt.

Untergegangen wäre beinahe auch die 50. Aufführung ihres Solo-Programms mit musikalischer Begleitung "Köln (nicht nur) für Anfänger" in diesen Tagen. Ursprünglich als Sommerprogramm für Touristen gedacht, hat es sich seit 2009 zum stillen Dauerbrenner entwickelt. Außerhalb der Urlaubszeit auch für Kölner, die hier auf den jeweiligen Stand der Lokalpolitik gebracht werden. Auch die Informationspolitik des Hauses Neven DuMont, dessen Publikationen das Kellertheater seit Jahren konsequent ignorieren, kommt dabei zur Sprache. Klüngel und Oppenheim-Esch-Fond, KVB und U-Bahn-Bau sowieso.

Auf kölsch wird nur geschimpft _ das aber laut heftig

Das alles mit Rücksicht auf Touristen auf Hochdeutsch. Nur am Ende zieht sie alle Register und gibt ein Feuerwerk an Schängerei, das der Selbstlobhudelei der Domstädter von Freundlichkeit und Toleranz ad absurdum führt. Aber so sind sie eben, der Kölner und die Kölnerin. Und so liebt Barth sie und die Stadt trotz aller Macken.

Womit die 51-Jährige allerdings überhaupt nicht zufrieden ist, ist die aktuelle Ratspolitik. "Da wird nur noch nach Parteiinteresse abgestimmt, damit der Parteivorsitzende keine Kratzer bekommt", schimpft sie. An Köln werde dabei zuletzt gedacht. Das sei früher anders gewesen, da habe es immer wieder eine "große Kölner Koalition" gegeben, sei regelmäßig jenseits des Fraktionszwangs abgestimmt worden.

Sie verweist auf alte Ratsprotokolle, die sie gelesen hat. Auch die neuen liest sie – und macht jetzt daraus sogar ein neues Programm: In "Rats reloaded" wird sie ab März jeden Monat mit dem Journalisten und Klüngel-Experten Frank Überall die jüngsten Ratsprotokolle unter die satirische Lupe nehmen.

Eine Antwort von OB Roters zum Umgang mit Anhängern von pro köln steht noch aus

Dass sie nach Möglichkeit auch jede Ratssitzung persönlich besucht, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Nicht aber immer ein Vergnügen. Nicht nur wegen der politischen Debatten, auch wegen des Umgangs mit den Anhängern der rechtsextremistischen pro Köln. "Wenn ein Zuschauer auf der Empore während der Sitzung ein Handy benutzt, kommen sofort die Saaldiener und komplimentieren ihn mit Hinweis auf die Sitzungsordnung hinaus. Die Rechten aber dürfen ungestört Plakate entrollen und zwischenrufen." Sie habe deswegen auch gerade einen Brief an OB Jürgen Roters geschrieben, die Antwort stehe noch aus.

Die programmatische "Beschränkung" auf Köln in all seinen Facetten fiel der engagierten Demokratin leicht. "Geschichte hat mich schon immer interessiert", und nach dem Umzug aus ihrer Geburtsstadt Bergisch Gladbach nach Köln war es eben die Kölner Geschichte. Auf der Bühne stehen wollte sie dabei eigentlich nie. Stattdessen lieber kritische Texte schreiben (bis heute präsentiert sie auf der Bühne ausschließlich Eigenes). Und das auch eher nebenbei. Schließlich hatte sie Erzieherin studiert und dann an der Schule gearbeitet. Dann aber verlor sie eine Wette – und musste auf die Bretter, die heute für sie die Welt bedeuten. "Die Filzläuse" nannte sich die Gruppe. Ein Name, an dem ein Auftritt im Senftöpfchen scheiterte.

Aus den "Filzläusen" und "Tante Gertrud" wurde das Klüngelpütz-Theater

Dafür wurde man in der legendären "Dosenshow" von Wally Bockmayer engagiert, man tourte durch die Bürgerzentren, meist außerhalb von Köln. Bis Barth in der Zeitung las, dass die "Machtwächter" – also das Duo Wiltrud Fischer und Heinz Herrtrampf – in den Ruhestand treten wollten. 1990 übernahm Barth dann das kleine Kellertheater in der Gertrudenstraße. Der Haken an der Sache: Die komplette Elektrik musste erneuert werden, sonst wäre die Betriebserlaubnis erlöscht. Und ein neuer Name musste her – denn der alte war eben auch der der beiden Kabarettisten. "Tante Gertrud" war in Anspielung auf die Adresse im Gespräch, Heinrich Pachl betätigte sich dann als Geburtshelfer, "Klüngelpütz" war geboren. Die zwei männlichen "Filzläuse" schieden bald friedlich aus – und Marina Barth ist seitdem die alleinige Prinzipalin.

  "RAT reloaded – Die Show aus dem Kölner Rat": Premiere am 11.3., 20.30 Uhr. Mit Marina Barth und Frank Überall

"Marina Barth: Köln (nicht nur) für Anfänger": 17., 19., 24. und 26.3., jeweils 20.30 Uhr

Klüngelpütz-Theater, Gertrudenstr. 24, 50667 Köln, Karten: Tel. 0152 04 44 33 68, Fax an 0221 961 90 18, SMS an 0152 04 44 33 68, E-Mail: info@kluengelpuetz.de. Das Büro ist Sonntag und Montag nicht besetzt.

 





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