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25. 05. 2012
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Die Mafia und ihre Marionette Berlusconi


06.05.2011 14:42 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Mafia,Italien,Berlusconi,Bunga-Bunga,Latella,Revue,Tai Chi,Balle

(ehu) Silvio Berlusconi ist reich. Er ist mächtig. Das macht ihn sexy. Und er kann sich vor der Justiz drücken. So wie Berlusconi möchten viele Italiener sein. Dass er an den Fäden der Mafia hängt? Egal, die gehört zu Italien wie... Besser: Die Mafia ist Italien. Den Beweis dafür will Antonio Latella mit seinem Stück "Mamma Mafia" dem Kölner Schauspiel-Publikum liefern. Und gleich auch zeigen, wie tief Mafia & Co. schon in Deutschland angekommen sind. Ein engagiertes Unternehmen, bei dem sich der Regisseur dann aber verheddert und verstrickt und verliert.

Wäre da nicht sein hervorragendes und spielfreudiges Ensemble – eine Frau und elf Männer, die Mafia ist schließlich eine Männergesellschaft –, das Publikum wäre schon nach einer Stunde eingeschlafen. Da hält Latella über die Mafia Gericht, erzählt werden ihre Schurkereien, ihre Verflechtungen mit der Politik, ihr Einfluss bis in die letzten Zipfel der Gesellschaft. Meistens erst auf Italienisch, dann ins Deutsche übersetzt. Das kostet Zeit.

Schöner als eine Bühnenschlacht ist die Reportage darüber

Manchmal wird die Übersetzung auch eingeblendet. Da heißt es, schnell lesen, sich nicht vom Spiel der Schauspieler ablesen lassen. Die geben dem Affen Zucker, gestikulieren und brüllen, wie es nur Italiener können. In einer höchst dramatischen Teichoskopie erlebt das Publikum die entscheidende Schlacht Garibaldis gegen das Bourbonenheer mit. Manchmal wird auch gar nicht übersetzt, dann muss zumindest der deutsche Zuhörer raten.

Nach der theatralischen Lesung wird es im zweiten Teil besser. Gesprochen wird kaum, stattdessen gesungen und getanzt. Die gestische Sprache der in eine großes synchrones Ballett umgesetzt, die Drohgebärden, das Zeichen für Kehledurchschneiden, das Schweigegelübde. Es wird gestampft und geklatscht, gesungen. Dann zücken alle das Messer und der Kampf geht weiter. langsam wie bei Tai Chi.

Fast wie im echten Leben: Berlusconi wird zum Showstar

Belehrend geht es dann im 3. Akt nach der Pause weiter. Beleuchtung und Kostüme greifen die italienischen Nationalfarben auf: rot, weiß, grün. Und das einzige Thema ist Berlusconi. Den gibt es nicht nur einmal, den auf einmal tragen alle die Maske mit dem gelifteten, botox-gespritzen Gesicht und dem gegelten Haar. Es wird grotesk, Berlusconi zum geilen Bock, der die Hose herunter lässt und sich in Mutter Italien vergräbt. Ruby, das minderjährige Bunga-Bunga-Mädchen hat eine mitreißende Solo-Nummer. Auch wieder ein spielfreudiges, explosives Ensemble, dessen Show- und Revue-Einlagen sich aber im großen Halbrund verlieren.

Und wie geht es mit Italien weiter? Wohl noch lange so. "Mamma Mafia" sammelt die Berlusconi-Masken ein, die nächste Polit-Marionette dürfte schon bereit stehen. Und ein Tenor singt "Lache, Bajazzo". Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Gelacht werden konnte bei diesem Stück genug. Doch restlos befriedigen konnte es nicht, zu unentschlossen schwankte die Inszenierung hin und her, zwischen Agitprop und Folklore-Show, zwischen Kabarett und Revue, Leseabend und Schattenspiel. Jedes für sich durchdacht, doch ein Ganzes entstand daraus nicht. Bei der Premiere gab es viel Beifall für die Schauspieler und ein paar einsame Buhrufe für den Regisseur.

"Mamma Mafia" – weitere Termine: 8.5.,11. und 12.5. (jeweils 19 Uhr), 14. (19.30 Uhr) und 15.5. (16 Uhr), 17.5. (19 Uhr), Schauspielhaus, Offenbachplatz, 50667 Köln, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de

   





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