25. 05. 2012
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Die Politik lässt ihm keine Ruh‘
(js) Eigentlich hat Richard Rogler keine Lust mehr auf politisches Kabarett. Sagt er, diesmal nicht als sein Bühnen-Alter-Ego Kamphausen. Weil er nämlich seit 40 Jahren vergeblich gegen immer wieder dieselben Fehler von Politikern und deren Wähler anrennt. Eigentlich will er auch gar nicht mehr über Politik reden. Aber er fängt immer wieder damit an, weil er einfach seinen Mund nicht halten kann. Und das ist auch gut so, weil das Publikum so immer wieder in den Genuss eines neuen Programms kommt. Denn eigentlich liebt Richard Rogler ja seinen Beruf – und die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Missständen unserer Zeit. So beschert er uns jetzt mit "Stimmung" seine aktuellen Spöttereien.
Um die alten Fehler in Sachen Rentenpolitik zu vermeiden, empfiehlt er, das Leben einfach einmal andersherum zu organisieren: Sofort nach der Geburt tritt der Mensch ins Rentner-Dasein ein, mit 14 geht er in den Bundestag, schließlich wird dort über seine Zukunft entschieden. Erst mit 40 fängt er an zu arbeiten, bis zum Tod 70 Stunden in der Woche, 80 Prozent Steuersatz. Da dürfte schon einiges an Geld für ein sicheres Rentensystem zusammen kommen. Auch sonst hat Rogler ein Faible fürs Absurde. Das ist bisweilen überraschend real, man muss nur genau hinsehen oder hinhören. Etwa dem Arbeiter, der seinem überraschten Chef vorschlägt, für weniger Geld zu arbeiten – eine Idee mit fatalen Folgen. Grandios seine deutsche Verkehrsgeschichte, in der die Entwicklung des Autobahnnetzes parallel zu alkoholbedingten Vekehrsunfällen von CSU-Politikern erzählt.
Weitere Themen sind der Drang zur politischen Mitte (wobei er auch das Publikum einbezieht), die Sehnsüchte der Generation Manufaktum und deren Leidenschaft zum Selbermachen, Kindererziehung, kriegsähnliche Zustände, Angela Merkel, der Zustand der SPD, Twittern, Sport, gesunde Ernährung und die Erfindung neuer Berufe wie der des Guest Recognizing Managers im Hotelgewerbe. Wohltuend, dass er sich nicht wohlfeiler in Politikerschelte erschöpft, sondern gesamtgesellschaftliche Unzustände auf die Spitze treibt und damit auch das Publikum meint. Und bestimmt auch trifft.
In einem kargen Bühnenbild – Tisch, Stuhl und ein Glas Wasser reichen – rast er mal wie ein Dilldopp von einer Seite zur anderen, verweilt, gestikuliert. Sein Erfolgskapital sind perfekte Texte mit überraschenden Pointen, messerscharfe Analysen, gekonntes Timing, die faszinierende Fähigkeit, mit sich selber zu dialogisieren, und nicht zuletzt seine Mimik: Er kann mit großen Augen staunen wie ein kleines Kind, er ist verängstigt, verzweifelt, zeigt das verschmitzte Lächeln eines listigen Bäuerleins und das Lachen eines Optimisten, der an der Wirklichkeit verzweifelt. Das ist vielleicht sein eigenes Lachen. Denn letztlich ist Richard Rogler doch von der aufklärenden Kraft des Wortes überzeugt.
Nach der heftig beklatschten Premiere am Wochenende im neuen Colonia Theater geht Rogler erst einmal auf eine kleine Deutschland-Tournee. Erst im nächsten Jahr tritt er wieder in Köln auf, vom 21. bis 23. Januar sorgt er im Senftöpfchen für "Stimmung". Bis dahin muss man sich leider gedulden.

























