25. 05. 2012
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Durch Faulheit zum Gott werden
(ehu) Für den Kulturphilosophen Friedrich Schlegel war die Faulheit eine gottähnliche Kunst. Nun ist Gottähnlichkeit heutzutage nicht mehr unbedingt gefragt. Sich regen bringt Segen, sagt der Volksmund, der das kapitalistische Bruttosozialprodukt steigern will. Einerseits. Andererseits ist Entspannung vom Beruf angesagt. Unterliegen immer mehr Menschen dem Zwangs-Müßiggang. Arbeitslose werden angefeindet: aus heimlichem Neid auf die Möglichkeit des entspannten Faulenzen? Was also liegt näher, sich einmal mit diesem Thema zu beschäftigen. Im Freien Werkstatt-Theater tut man dies mit Fleiß und hat am Wochenende das Stück "Vom Nichtstun" auf die Bühne gebracht. Sehr zur Freude des Premierenpublikums.
Schlafanzüge als Berufskleidung, Hängematte und Matratzen am Arbeitsplatz
Neben Schlegel, dem Volksmund und Geier Sturzflug wurde Textesammler und Regisseur Roland Bertschi unter anderem bei den Literatur-Nobelpreisträgern Heinrich Böll und Pablo Neruda fündig. Er stieß auf den Faulenzer Oblomov, dem Iwan Alexandrowitsch Gontscharow im 19. Jahrhundert ein Denkmal setzte. Schwitters und Thomas Bernhard waren auch dabei. Dazu wurde der Abend mit eigenen Texten angereichert. Nonstop umgesetzt wurden sie von Susanne Kubelka, Hagen Range, Bernd Rehse und Regina Wälz. Die steckten idealerweise in bequemen Pyjamas und durften reichlich Matratzen, eine Hängematte und bequeme Lehnsessel nutzen.
Die Vier zeigten ihr schauspielerisches Können bei pointierten Sketchen, sie beherrschten Zungenbrecher, Sangeskunst und die Kunst des Deklamierens. Auch als knarzende Faultiere im Zoo entzückten sie das Publikum. Langeweile kam bei diesem abwechslungs- und facettenreichen Spiel nicht auf. Doch insgesamt fehlte der klare Weg im Textdschungel über Nichtstun, Müßiggang und Faulheit, über Leerlaufmodus, Tagträumen, Schlafen und durch Vorurteile, Utopien und Zwänge. Und ein kleines bisschen mehr Spaß und Spitzigkeit vermisste man dann auch, bevor man mit der Mahnung, sich nicht allzu sehr zu beeilen, nach Hause geschickt wurde. Denn das man dabei Zeit spare, sei bloß ein Betrug.
"Vom Nichtstun" – weitere Termine: 17.3., 19. und 20.3., 6. bis 9.4., jeweils 20 Uhr, Zugweg 10, 50677 Köln, Internet: www.fwt-koeln.de.
Karten gibt es auch telefonisch unter der Rufnummer: 02 21 / 32 78 17, E-Mail: fwt-koeln@t-online.de

























