25. 05. 2012
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Erstmals Doppelsieger beim Kölner Theaterpreis
(js) "The winner is..." – der Eröffnungsspruch zu jeder der sieben Kategorien stieß bei der diesjährigen Verleihung der Kölner Theaterpreise jedes Mal auf einstimmigen Zuspruch. Im Vorjahr hatte es noch Proteste gegen die Auszeichnung einer Produktion der städtischen Bühne gegeben. Diesmal gingen die Preise ausschließlich an die freie Szene. Und die Jury hatte sich von Stücken überzeugen lassen, die auffallend experimentierfreudig waren.
Dabei gab es eine Premiere in der nun 21-jährigen Geschichte des Theaterpreises: Erstmals gewann eine Truppe in zwei Kategorien. Das Kunststück gelang der freien Gruppe Futur3 mit "Petersberg I" – bestes Stück für Erwachsene und bestes politisches Stück. Ein anderthalbfacher Erfolg auch für Klaus Schweizer: der Mitbegründer der Comedia wurde nicht nur als bester Darsteller für die Titelrolle in "Ellis Biest" ausgezeichnet, das Stück selber ging gegen starke Konkurrenz als bestes Kinderstück durchs Ziel.
Bemerkenswert Neues gab es auch beim Ehrentheaterpreis. Erstmals wurde keine Person, sondern ein Projekt ausgezeichnet: Die kostenlose Monatszeitung "akT", ein Sprachrohr der freien Szene, das aber auch über die städtischen Bühnen berichtet. Für Redaktion und Herausgeber – die Kölner Theaterkonferenz und die Plattform Kölner Theater – gab‘s dann gleich noch eine gute Nachricht: Die RheinEnergie-Stiftung verlängerte die Förderung der Zeitung, die an chronischer Unterfinanzierung leidet.
Die Jurys hatten im Vorfeld Schwerarbeit geleistet und rund 120 Aufführungen gesichtet. 25 Produktionen wurden schließlich nominiert. Allein diese Nominierungen haben sich in der Vergangenheit schon als werbewirksames Gütesiegel bewährt. Die Organisation des Theaterpreises liegt bei der SK Stiftung Kultur.
Die Preisträger
Kölner Theaterpreis (10.000 Euro, Sparkasse KölnBonn, Kulturamt der Stadt und Manuel E. Cornelia. Der Mediziner spendete 2.600 Euro als Ersatz für den ausgestiegenen langjährigen Sponsor biofactory): "Petersberg I" von in Zusammenarbeit mit Freihandelszone. Das Stück stellt eine Friedenskonferenz zum Nahost-Konflikt nach. Dabei werden die Zuschauer als Akteure einbezogen. Spielstätte war das Pullman-Hotel (dort wird "Petersberg I" im April noch einmal aufgeführt). Aus der Begründung der Jury: "Das ist das Bestechende an dieser Inszenierung: Man kann sich diesen Momenten von Angesicht zu Angesicht nicht entziehen und wird Teil der Aufführung. Eine Publikumssituation, in der die Nussschale der bequemen Rezeptionshaltung sanft, aber mit Nachdruck geknackt wird"
Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis (5200 Euro, Citroen Deutschland): "Ellis Biest", Comedia Kindertheater. Die Umsetzung eines Bilderbuchs setzte sich gegen acht Nominierungen durch. Die Jury: "Ohne sich auch nur eine Sekunde im Nebel des poetischen Kitschs zu verirren, zeigt sie, wie das Spiel mit der Vorstellung funktioniert."
Kölner Tanztheaterpreis (5200 Euro, Kölner Stadt-Anzeiger): "andropolaroid" von und mit Yui Kawaguchi, aufgeführt in der Alten Feuerwache. Ein Solostück über die vergeblichen Versuche eines "perfekten" Menschen, mit der Welt in eine sinnhafte Komm,unikation zu treten. Die Jury: "Im Zentrum dieser Arbeit steht er Mensch und seine Beziehungen zu sich selbst und den anderen. Das Theater begibt sich auf die Suche nach dem Menschen, seinen Schwächen, Zweifeln, Sehnsüchten, Irrwegen."
Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater (5000 Euro, Freien Volksbühne Köln): "Petersberg I" (siehe Kölner Theaterpreis). Hier sagte die Jury u.a.: "Ein sehr breiter politischer Ansatz, hervorragend ausgeführt durch engagierte Schauspieler und eine gut durchdachte kluge Regie. Das Stück hinterlässt einen tiefen Eindruck. Es lief im Februar – bei unserer Jury-Sitzung vor zwei Wochen war es allen noch sehr gegenwärtig."
Kölner Darstellerpreis (5000 Euro, Japan Tobacco International): Klaus Schweizer für seine Rolle als Biest in "Ellis Biest". Die Laudatio hielt Bettina Muckenhaupt, im Vorjahr als beste Darstellerin ausgezeichnet und häufig Schweizers Bühnenpartnerin: "Er ist einfach da. Klaus Schweizer muss nichts tun, um präsent zu sein. Seine Anwesenheit füllt eine Bühne aus. Wenn aber noch jemand auf der Bühne ist, möglichst eine Frau – zum Beispiel Bettina Muckenhaupt – dann entwickelt sich eine Energie, die man glaubt mit Händen greifen zu können."
Kölner Ehrentheaterpreis (2600 Euro, NetCologne): Theaterzeitschrift "akT". Die Jury: "Einmalig ist, dass Theater- und Tanzschaffende einer Stadt eine Zeitung ins Leben gerufen haben, diese auch mitfinanzieren, die realisation aber einer unabhängigen Redaktion überlassen. Die Zeitung ist eines der wichtigsten Informationsmedien für die darstellende Kunst in Köln, ein Forum für Diskussion, ein Magazin, das ambitioniert informiert, kritisiert und anregt, den Kunstschaffenden, aber auch der Politik genau auf die Finger schaut, Fragen stellt und zu gegebenem Zeitpunkt auch den Finger in die wunden Stellen legt."
"Puck 2010" – Nachwuchspreis für Schauspielerinnen udn Schauspieler (2500 Euro, Theatergemeinde Köln): Robert Oschatz, Absolvent der Schauspielschule Theater der Keller, 28 jahre alt. Die Jury: "Stärken, die wir bei Robert Oschatz gesehen haben und die unseres Erachtens einen Nachwuchsschauspieler auszeichnen, sind seine Wandelbarkeit und seine Fähigkeit, im intensiven Zusammenspiel mit Anderen in seinen Rollen aufzugehen. Er ist kein – vielleicht noch kein – Charaktertyp, sondern geht in seinen Rollen auf."

























