25. 05. 2012
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Finanznot treibt zur unterhaltsamen Selbstironie
(ehu) Dem Theater der Keller geht‘s schlecht. Finanziell. Darüber kann man sich bei der Politik beklagen. Tut man, ist Pflicht. Kür ist, darüber ein Theaterstück zu schreiben. Auch das tat man. "Stör ich?" hatte jetzt Premiere: Eine feingesponnene, unterhaltsame Farce, die das Publikum zu langem Beifall hinriss. Der herumgereichte Klingelbeutel blieb allerdings ungefüllt.
Ein Regisseur (Frank Maier), eine Sängerin (Cornelia Schönwald), ein Pianist (Sebastian Kemper): Sie stehen mit ihrem Stück – "mit Musik!" – vor der Premiere. Jetzt ist die Generalprobe angesagt. Die aber hat ihre Tücken. Denn es hakt an allen Ecken und Enden. Immer wieder kommt es zu Stockungen, zu Diskussionen.
Soll der Pianist den Ali mit Schnäuzer machen, um an staatliche Fördergelder zu kommen?
Etwa über fehlendes Geld. Kriegt Babette doch noch ein richtiges Kostüm zur Premiere? Warum ist das Bühnenbild aus alten Stücken zusammengepuzzelt (wer regelmäßig das Theater besucht, hat so manches Déjà -vu-Erlebnis)? Und warum gibt es keine Zuschüsse: Weil man nicht genug Multimediaspektakel macht, weil keine Migranten vorkommen? Fließt Staatsknete, wenn der Pianist einen auf Ali macht und sich dafür einen Schnäuzer anklebt? Und welchen Sinn macht Theater heute überhaupt? Sollte man nicht, ganz fortschrittlich, das 3D-Theater erfinden. Fragen über Fragen, auf die es gottlob keine fertiggestanzten Antworten gibt.
Immer wieder läuft die Regiearbeit aus dem Ruder. Da protestiert die Sängerin, weil der Regisseur ganze Passagen aus ihrem Text gestrichen hat, ohne ihr Bescheid zu sagen. Mit dem Licht klappt es auch nicht so. Und bisweilen läuft ihm seine Hauptdarstellerin beleidigt von der Bühne. Dann beginnt eine wilde Verfolgungsjagd. Tür auf. Tür zu. Und am Ende fehlt dem Regisseur gar die zündende Idee fürs Finale.
Genug Anlass für Szenenapplaus gibt es – doch Beifall ist dem Publikum streng verboten
Das einzige, was er richtig im Griff hat, ist das echte Publikum. Dem hat er gleich zu Beginn das Beifallklatschen verboten. Das sei so Theatersitte: Werde bei der Probe applaudiert, gehe es bei der Premiere schief. Und das Publikum gehorcht – eine merkwürdige Abart des trendigen Mitmachtheaters. Dabei hätten insbesondere die Sangeskünste der Chansonette Szenenbeifall verdient, wenn sie leicht schräg nicht nur die die Hits aus "Cabaret" interpretiert. Und erst recht die prollige Rockversion des Bläck-Fööss-Hits "In unserm Veedel". Immerhin das Lachen lässt sich das Publikum nicht verbieten. Und dazu gibt es Anlässe genug. Auch wenn es manchmal bitterböse sind.
Dem Theater der Keller geht es schlecht. Finanziell. Am Programm kann es nicht liegen. Wer solche Selbstironie auf die Bühne bringt, wer solche Schauspieler und solche – echten – Regisseure hat (in diesem Fall Regisseurin: Sie heißt Iris Matzen und hatte auch die Idee) verdient jede finanzielle Unterstützung.
"Stör ich?" – weitere Termine: 24. und 25.5., 28. und 29.5., 31.5. bis 2.6., 7. bis 9.6., 17. bis 19.6., jeweils 20 Uhr, Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr)

























