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25. 05. 2012
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Fräulein Minna von Barnhelm simst und fährt Auto


21.03.2010 10:08 von:

Schlagwörter: Köln,FWT,Freies Werkstatt Theater,Minna von Barnhelm,Lessing,Viehöfer,Pohl,Premi

(js) Ein modern geschwungener Bartresen beherrscht die Bühne, im Hintergrund blinkt ein Kaffeeautomat. O Schreck, denkt der Zuschauer, mal wieder der Versuch, einen Theaterklassiker durch Versetzung in die Gegenwart attraktiv zu machen. Und dann noch die Alltagsklamotten der Schauspieler, wie sie junge Leute heute tragen. Lessings "Minna von Barnhelm", für viele noch in abschreckender Schulerinnerung, steht im FWT Freien Werkstatt Theater auf dem Programm. Doch der anfängliche Schreck vergeht schnell und "Minna" bereitet ein knapp zweistündiges, pausenloses Vergnügen. Und wird am Freitagabend zu Recht vom Publikum mit langem Premierenbeifall bedacht.

Zur Erinnerung knapp die Handlung: Major von Tellheim wurde unehrenhaft aus der preußischen Armee entlassen, weil er nach dem Siebenjährigen Krieg nicht - wie befohlen – die Kriegskontributionen eingetrieben hat. Im Gegenteil, er hat sie noch vorgestreckt und sich dabei verschuldet. Deshalb sieht er auch keine Grundlage mehr für seine Liebe zu Minna von Barnhelm. Die hat sich in der Zwischenzeit auf die Suche nach ihm gemacht, in einem heruntergekommen Gasthaus treffen sie sich durch Zufall. Es beginnt ein Vewirr- und Ränkespiel um die Liebe, gleichsam eine frühe Boulevardkomödie mit Happy-End.

Um die Ehre geht es da, um die Macht des Geldes gegenüber der Macht der Liebe, um die Verrohung durch den Krieg. Der Interpretationen gab und gibt es viele, doch für Regisseur Kay Link sind das eher Nebenkriegsschauplätze. Er macht daraus eine rasant inszenierte Liebesgeschichte – und die passt eben genau in unsere Zeit. Selbst die etwas altertümliche Sprache schmiegt sich da bruchlos ein, selbst Anreden wie das vornehme "Mein Fräulein" – Tellheim zu Minna – oder "Fräuleinchen", mit dem Tellheims Freund Werner mit Minnas Zofe anbandelt, wirken weder veraltet noch despektierlich. Und wenn statt eines Briefes mal eben gesimst wird oder ein Autoschlüssel für die nahende Kutsche durch die Luft fliegt, sind das intelligente, wunderbare Details.

Es ist eine "Beziehungskiste", in der besonders der Mann mit seiner Rolle kämpfen muss: Tellheim schwankt zwischen Softie (verliebt und nachgiebig) und modernem Macho, der statt in altertümlichem Standesdünkel gefangen ist in Prinzipientreue und männerfreundschaftlichen Idealen. Mit einer Frau wie Minna , die die Initiative ergreift, hat er da seine Schwierigkeiten. Tom Viehöfer und Sandra Pohl in den beiden Hauptrollen liefern feingezeichnete Persönlichkeiten. Unterstützt werden sie von Sina-Maria Gerhardt (Zofe Franziska) und Steffen Casimir Roczek (Paul Werner) und Philipp Schlomm (Tellheims treuer Diener Just). Und als gerissener, schleimiger Wirt gibt Hagen Range dem Affen Zucker. Auch das Bühnenbild von Peter Lehmann gehört zur perfekten Teamleistung, die dem Publikum schließlich noch ein überraschendes Ende bietet.

"Minna von Barnhelm" – Freies Werkstatt Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, Kartentelefon: 0221 / 32 78 17, die nächsten Termine: 21. März, 3., 5., 8., 10., 17. und 18. April, jeweils 20 Uhr.







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