25. 05. 2012
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Goethe und der ewige Traum von Freiheit und Selbstverwirklichung
(ehu) Wer sich heute selbstverwirklichen will, träumt von „irgendwas mit Medien“. Altmeister Goethe schickte seinen Wilhelm Meister vor über 200 Jahren ans Theatern. Ist ja auch irgendwas mit Medien – und darum hat der mehrbändige Klassiker durchaus aktuelle Bezüge. Zumal der jugendliche Traum von Selbstverwirklichung und Freiheit ja ewig wiederkehrt. Das Freie Werkstatt-Theater bringt den Roman jetzt auf die Bühne. Mit der Dramatisierung von Literatur hat man am Zugweg Erfahrung, wurde dafür auch schon preisgekrönt. Auch diesmal ist das Ergebnis überaus unterhaltsam.
Wilhelm Meister muss sich entscheiden: Wird er Kaufmann wie sein Vater? Nein, ist die Antwort. Und weil‘s der Zufall so will, läuft ihm die schöne Schauspielerin Mariane über den Weg. Man verliebt sich, Wilhelm sieht im Theater seine Zukunft – doch der Traum zerplatzt durch Eifersucht. Also doch reisender Kaufmann. Bis er ein Wandertheater trifft. Erneute Liebe zu einer Schauspielerin und zur Schauspielerei. Er steht vor dem ganz großen Erfolg.
Späte Überraschung: Wilhelm Meister erfährt, dass er seit drei Jahren Vater ist
Doch das Leben schlägt eine Volte. Wieder ist eine Liebe zerbrochen, und dann erfährt er auch noch, dass er Vater eines Kindes ist – und die Mutter ist Mariane, die nach der Trennung Selbstmord beging. Das ist manchmal hart am Gefühlskitsch. Doch diese Inszenierung – Regie führt Stefan Herrmann, der auch mit Gerhard Seidel die originelle Kurzfassung schrieb – umschifft alle gefährlichen Klippen.
Der Text ist im Wesentlichen original Goethe, kleine heutige Kommunikationsphrasen lockern ihn auf, ohne dass es zu einer krampfhaften Modernisierung kommt. Um die Handlung voranzutreiben, werden immer wieder kurze Erzählpassagen eingeschoben. Am Ende stehen 90 Minuten Theatervergnügen. Irrungen und Wirrungen, Probleme und Zweifel, Selbstfindung und Fremdbestimmung, Eifersucht und betrogene Liebe – alles, was die menschliche Suche nach dem Glück so mit sich bringt, wird mit leichter Hand dargeboten, hin und wieder zum Lachen, aber nie den Ernst aus den Augen verlierend.
Drei Schauspieler teilen sich zehn Rollen – und sind in jeder perfekt
Verantwortlich dafür sind auch die zwei Schauspieler und Schauspielerinnen. In der Titelrolle Jonas Baeck: ein offener Typ, ein sympathischer Träumer, voll Selbstzweifel, aber – wie es so schön heißt – das Herz auf dem rechten Fleck. Zehn weitere Rollen stehen auf der Besetzungsliste, die teilen sich Lisa Bihl, Robert Oschatz und Nagmeh Alaei.
Ob als Theaterintendant, als Schauspielerin, als geschäftstüchtiger Freund oder dreijähriger Junge: jeder Rolle geben sie ein eigenes, stimmiges Gesicht. Sogar eine kleine Rockpop-Einlage gibt es. Dazu bedarf es keiner großen Kostümorgien, wie überhaupt die ganze Ausstattung sehr spartanisch ist. Das hilft der Konzentration auf das Stück.
„Wilhelm Meisters Lehrjahre“ – weitere Termine: 29., 30.10., 19. und 20.11., 25.- bis 27.11., jeweils 20 Uhr, Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, Internet: www.fwt-koeln.de - Karten: Tel. 02 21 / 32 78 17, E-Mail: fwt-koeln@t-online.de

























