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25. 05. 2012
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Kein Godot, aber viel Beifall


03.06.2011 08:36 von:

Schlagwörter: Köln,Godot,Schauspiel,Dannemann,KZ,Beckett,Lucky,Estragon,Lumpen,2011,Juni

(ehu) Warten kann ganz schön nerven. Und weil Godot ganz gegen die Vereinbarung doch nicht kommt, beginnen Wladimir und Estragon Lumpenberge zu versetzen. Von vorne nach hinten, und im zweiten Akt von hinten nach vorne. Es hilft nichts. Godot kommt nicht und auch keine Erklärung, woher das Böse kommt.

Regisseur Thomas Dannemann gibt in seiner Inszenierung von "Warten auf Godot" im Kölner Schauspiel deutliche Hinweise auf die Entstehung des Stückes. Samuel Beckett schrieb es, nachdem er den Erlebnisbericht eines KZ-Überlebenden gelesen hatte. 1953 hatte es Premiere, die Erinnerung an die Massenmorde der Nazis waren frisch, und wie gerade das Volk der Dichter und Denker zum Volk der Richter und Henker werden konnte – dafür gab damals bestenfalls der Existenzialismus ein Erklärung. Der meinte, dass es für den Menschen keinerlei moralische Vorschriften gebe.

Der Chef schwingt die Peitsche und zerrt seinen Sklaven hinter sich her

An diese historischen Hintergründe erinnern die Lumpenberge, daran erinnern die KZ-Häftlingskleider, die das Clownspaar Pozzo und Lucky trägt, peitscheschwingender Chef der eine, an eine lange Leine gefesselter Sklave der andere. Auch Godots "Bote" passt dazu, ein kleiner Junge, der fast nur ein zackiges "Ja", "Nein" und "Ich weiß nicht" sagen kann. Ebenso das dumpfe Rollen von Zügen, das regelmäßig die Ohren des Publikum dröhnen lässt.

Unsicherheit und Ungewissheit bestimmen das Stück. Weder sind Zeit noch Ort deutlich gekennzeichnet – sieht man von den Tageszeiten ab, die das Warten regeln. Wladimir (Michael Wittenborn) und Estragon (Jan Peter Kampwirth) bewegen sich in einem stetigen Auf und Ab der Gefühle. Der eine kann nicht ohne den anderen, aber trotzdem wäre sie auch gerne allein, sie umarmen sich, um sich im nächsten Moment zu zanken. Vielleicht auch könnten sie sich an einem Baum aufhängen. Vielleicht.

Aus dem Koffer taucht unversehens ein volles Glas Bier auf

Beklommenheit beherrscht das Publikum. Doch gönnt ihm die Regie kleine Momente des befreienden Lachens. Wenn etwa Wladimir pantomimisch einen Baum darstellt und mit ein paar bunten Lumpen dessen Blüten. Wenn Pozzo (Felix Vörtler) aus seinem Koffer ein volles Glas Bier oder wenn er das Lied "Ein Hund kam in die Küche" variiert und dabei auch mal kurz in Hitlersches Tremolo verfällt. Schließlich Lucky (Renato Schuch) als Gummimensch, der sich in der Erklärung Gottes verliert.

In dem nicht ganz ausverkauften Schauspiel gibt es am Ende viel Premieren-Beifall für Schauspieler und Regie für ein eher "klassisch" inszeniertes Stück. Das hat angesichts jüngster politisch begründeter Massenmorde etwa in Uganda oder Jugoslawien nichts an Aktualität verloren.

"Warten auf Godot" – weitere Termine: 5., 7., 8., 18. , 19., 24.6., jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus Köln, Offenbachplatz, 50667 Köln, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00,

tickets@buehnenkoeln.de

Im Internet unter: www.schauspielkoeln.de.







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