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25. 05. 2012
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Kölner Durchschnitt – rein statistisch gesehen


13.11.2011 13:23 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Statistik,Rimini,Protokoll,Todesstrafe,Single,100 Prozent Köln,N

(ehu) Vier von 100 Kölnern befürworten die Todesstrafe, 13 fahren regelmäßig schwarz, fast jeder zweite ist täglich auf ein Medikament angewiesen, jeder dritte wurde schon einmal Opfer von Gewalt, jeder vierte spricht mehr als drei Sprachen. Und für etwas mehr als die Hälfte ist Essen wichtiger als ein Theaterbesuch. Trotzdem stehen die 100 Laien alle freiwillig auf der Bühne, um das statistische „100 Prozent Köln“ zu repräsentieren. Jeder steht somit für 10.000 Bürgerinnen und Bürger der Millionenstadt.

„100 Prozent Köln“ – so heißt dann auch das Stück, das von der Gießener Gruppe „Rimini Protokoll“ erdacht und inszeniert wurde. Die Protokollanten Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel haben dieses Konzept schon in Berlin, Wien und Karlsruhe umgesetzt. Weitere Städte werden – als Alterssicherung des Trios – folgen. Auf der Grundlage aktueller amtlicher Statistiken werden die Teilnehmer aus der Bevölkerung ausgesucht.

Die 100 Mitwirkenden bestimmte der Zufall - aber sie mussten in die Statistik passen

Dabei bestimmen die Regisseure nur den Ersten in der Reihe. Der darf dann aus Verwandtschaft, Freundeskreis und Nachbarschaft die weiteren „Durchschnittskölner“ wählen, bis das Grundmuster für die statistische Gesamtheit von 100 Prozent stimmt. In Köln etwa 51 Frauen, 49 Männer, 50 Single-Haushalte, elf Vertreter eines Dreipersonenhaushalts, acht mit türkischen Pass, zehn aus Porz und acht, die älter sind als 75 Jahre. Für die statistische alleinstehende Polin aus Porz, zwischen 45 und 49 Jahre alt, musste allerdings ein Riehlerin einspringen.

Soweit die „harten“ Fakten. Was aber machen die Kölnerinnen und Kölner, was denken sie? Wer war schon einmal in einem Bordell? Wer glaubt an ein Leben nach dem Tod? Wer war schon einmal in einer Therapie? Wer tanzt Walzer? Wer findet die Frauenquote gerecht? Wer hat schon einmal einen Geist gesehen?

Auf der Bühne herrscht Bewegung – doch bewegende Gefühle wollen sich nicht einstellen

Zur Antwort stellen sich die Menschen kommentarlos in den entsprechenden Gruppen zusammen. Etwa zu „Tortenstücken“ für das klassische Tortendiagramm. Über eine Projektion auf der Bühnenrückwand lassen sich die Ergebnisse aber nur für die kleinen Gruppen als „exakte“ Prozentzahlen abzählen, sonst muss der Zuschauer schätzen. Gleiches gilt für die Aufstellung auf einer Tribüne. So herrscht zwar auf der Bühne ständig Bewegung – doch entwickelt sich keine Geschichte, wird keine Spannung erzeugt, von bewegenden Gefühlen ganz zu schweigen.

Auf das Publikum will deshalb kein rechter Funke überspringen. Gewiss, da ist die Sympathie für die Kinder, die ungerührt auf dem Dreirad durch die Menge fahren oder – wenn eine Minute Stille herrschen soll – mit Konfetti spielen. Gerührt reagieren die Zuschauer, wenn ein Kind am Mikrofon keinen Ton herauskriegt oder ein anderes mit strammer Stimme seinen Text aufsagt.

Am Ende stehen lauter Individuen auf der Bühne – und die erfasst keine Statistik

Beifall kriegen die ausgesuchten Männer und Frauen, die aus ihrem Leben erzählen können. Von ihrem ehrenamtlichen Engagement, von Kriegsgefangenschaft, vom Beruf als Taxifahrer, vom Studium. Schon die Vorstellung aller 100 Ensemblemitglieder zu Beginn – Name, Wohnort, Beruf, Alter, wichtigstes Erkennungsmal – gerät notwendigerweise recht lang.

Und das Fazit? Köln ist eine Stadt voller Individuen, eine Vielfalt, die keine Statistik abbilden kann. Schön, hundert Beispiele dafür kennen gelernt zu haben. Den ein oder anderen davon hätte man vielleicht sogar gerne als Nachbarn. Aber für all das hätte es keine zwei Stunden gebraucht. Höflicher Schlussbeifall.

„100 Prozent Köln“ – weitere Termine: 13., 15. und 16.11, jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, im Internet unter: www.schauspielkoeln.de.







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