25. 05. 2012
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Kölner Theaterpreise 2011 verliehen
(ehu) Da strahlten Schauspielerin Imka Pankauke, Regisseurin Angelika Pohlert und Uwe Schäfer-Remmele, Chef des Theaterpädagogischen Zentrums: Ihre Produktion „Hullabaloo“ hatte gerade den Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis 2011 erhalten. Dabei hätte es beinah gar keinen Preis in dieser Sparte gegeben: Der langjährige Sponsor Citroen Deutschland hat zumindest für dieses und das nächste Jahr eine Pause eingelegt. Doch es ging noch einmal gut: Die SK Stiftung Kultur, von Anfang an Gastgeber und Organisator der Verleihungszeremonie, sprang mit 5.000 Euro ein. Auch der Tanzpreis stand auf der Kippe, hier fand sich die „tanzsociety“, ein Arbeitskreis im Kölner Kunstsalon, als „Ergänzungsspieler“ und spendierte 5.000 Euro.
So weit, so gut war alles im Vorfeld geregelt. Und dann wehte am Montag Abend der übliche Hauch Hollywood durch den Komed-Saal im Mediapark. Sechsmal wurden erst die Nominierten genannt, sechsmal dann ein verschlossener Umschlag geöffnet und mit „The winner is“ der Sieger verkündet. Nur einmal gab es keine Spannung, standen die Gewinner schon vorher fest: beim Ehrentheaterpreis an Christiane Bruhn und Ralf Harster.
Am Ende litt die Veranstaltung unter Zuschauerschwund und Feiergeräuschen von außen
Nach der Verkündung für alle das alte Ritual: Die Sieger durften auf einem Sofa sitzend den Lobrednern lauschen und anschließend allen danken. Nicht alle Besucher hielten das über zwei Stunden dauernde Zeremoniell bis zum Ende durch. Sie verließen den Saal und feierten im Foyer weiter, was deutlich durch die geschlossenen Türen zu hören war. Dagegen hatte selbst die Band "singbarsing" Schwierigkeiten sich zu behaupten, die mit kräftig-eingenwilligen Interpratationen alter Schlager für Zwischenstimmung sorgte.
Die Preisgelder, im Einzelfall nicht viel, dürften den Gewinnern sehr gelegen kommen, ist Kölns freie Theaterszene – nur deren Produktionen werden ausgezeichnet – doch finanziell alles andere als gut ausgestattet, aller Qualität zum Trotz. So klagte schon im Vorfeld das Theater der Keller, dass seine Existenz trotz sechs Nominierungen immer noch nicht gesichert ist. Bei der Preisvergabe ging es dann allerdings leer aus.
Mariusz Dopieralski, bester Nachwuchsdarsteller, weiß jedenfalls schon, was er mit seinen 2.500 Euro machen wird: Er braucht neue Casting-Fotos und auch sein Musikstudio will der Rockmusiker tunen. Für Naserümpfen beim Publikum sorgte eine Bemerkung von SK-Kultur-Geschäftsführer Hans-georg Bögner, dass nicht alle Nominierten mit einem Foto vorgestellt werden konnten, weil einige Fotografen „übertriebene Preisvorstellungen“ gehabt hätten.
Kölner Theaterpreis
Zum besten Stück „für Erwachsene“ wurde „Faust – Der Tragödie Erster Teil“ proklamiert. Jörg Faust inszenierte den Goethe-Klassiker als Schnelldurchgang für das Theater im Bauturm. „Ein erstaunlicher großer Wurf“ und „schlicht, bestechend, eindringlich“, lobte die Jury. „Jörg faust ist das Kunststück gelungen, ein im klassischen Theaterkanon so häufig gespieltes Stück mit frischem Blick zu sehen und um moderne Radikalität zu ergänzen und dabei den grandiosen Text zutiefst zu respektieren.“
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, gestiftet von Stadtsparkasse KölnBonn, dem Kölner Kulturamt und dem Arzt Manuel Cornely. Von 54 besuchten Aufführungen wurden 10 nominiert
Kinder- und Jugendtheaterpreis
Bestes Kindertheaterstück dieses Jahres ist „Hullabaloo“ aus dem Theaterpädagogischen Zentrum, ein Stück für ein Kind, zwei Sprachen und drei Monster von Angelika Pohlert (auch Regie) und Imke Pankauke (auch Hauptrolle). Dazu die Jury: „Alles in diesem Stück besitzt einen doppelten Boden, nicht allein der Text. der deutsch und englisch geschrieben wurde. Der Text ist so raffiniert angelegt, dass Kinder und Erwachsene zwar gleichzeitig von einem Lachsturm in den nächsten fallen, aber jeder über anderes lacht. Eine Inszenierung, die mit Überraschungen nur so gespickt ist. Wer das gesehen hat, versteht wieder, warum uns das Theater auch im zeitalter der digitalen Medien ein Quell der Lust und Freude sein kann.“
Das Preisgeld von 5.000 Euro stiftete die SK Stiftung Kultur. Von 19 Inszenierungen wurden 8 für diesen Preis nominiert.
Tanztheaterpreis
Sieger in dieser Sparte ist „Loss of Control/Café Jolles“ von 687performance, Idee, Konzept, Regie und Akteure: André Jolles, Yoshiko Waki und Tuong Phuong. Die Wahl für dieses Stück über die Fragilität persönlicher Beziehungen und das Verhältnis Mensch-Natur wird u.a. wie folgt begründet: „den präzise agierenden Darstellern gelingt es in ausdrucksstarken Bildern, berührende Situationen und heftige Aktionen eine Choreografie zu erarbeiten, die den Zuschauer nicht nur auf ästhetischer bzw. intellektueller Ebene herausfordert, sondern auf emotionaler Ebene tief bewegt.“
Für das Preisgeld von 5.000 Euro sprang kurzfristig der Kölner Kunstsalon ein. Hier gab es 54 Stücke zur Auswahl, 10 wurden nominiert.
Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater
2009 erstmals verliehen, ist dies der „jüngste“ Preis. In diesem Jahr erhält ihn „Der Schmerz“, eine Produktion der Theatergruppe „theaterblackbox“ in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum. Es geht darin um die Geschichte eines Mannes, der Folter und Terror im KZ Dachau überlebt und zu seiner Familie zurückkehrt, die daran zerbricht. Die Jury findet für die Dramatisierung einer autobiografisch gefärbten Erzählung von Marguerite Duras folgende Worte: „Der Aufführung gelingt es auf herausragende Weise nachfühlbar zu machen, wie der durch Terror verursachte Schmerz das Leben über Generationen prägt. sie macht die Aktualität der Thematik – und damit die politische Brisanz – schon mit dem ersten gesprochenen Satz klar. Die intensive Präsenz der DarstellerInnen, das konzentriert-strenge Spiel und die pointierte Bezugnahme auf den Raum des EL-DE-Hauses sowie das packende Cellospiel machen die Aufführung zu einem herausragenden Ereignis“, dessen Eindringlichkeit man sich nicht entziehen könne.
Der Kurt-Hackenberg-Preis, dotiert mit 5.000 Euro, wird von der Freien Volksbühne Köln ausgelobt und gestiftet.
Ehrentheaterpreis
Mit diesem Preis werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um di Kölner Theaterszene verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurde er erstmals zweigeteilt und ging an Christiane Bruhn und Ralf Harster. Die 76-jährige Bruhn ist Schauspielerin, Regisseurin, Lehrerin und war lange Leiterin des Theaters der Keller. In ihrer Laudatio heißt es: „Wie sie spielt, sich bewegt, spricht, schweigt. Das ist große Theaterkunst und selten heutzutage. resignieren, gar aufhören – das ist nicht ihr Ding. Weiterarbeiten und Erforschtes weitergeben an die Schüler und an die, die sich interessieren. Und dann sollen sie loslaufen!“ Ralf Harster (69) steht seit 50 Jahren auf der Bühne, war an vielen Theatern engagiert, zuerst nur als Tänzer, später auch als Schauspieler. „Wahrlich ein Wanderer zwischen den Welten“, hieß es dazu. Und: „Die Bandbreite deiner Rollengestaltung ist beachtlich.“
Das Preisgeld beträgt 2.600 Euro und wird von Netcologne gestiftet.
Kölner Darstellerpreis
Dieser Preis ging – recht ungewöhnlich – in diesem Jahr an einen Tänzer, an den Italiener Emanuele Soavi. Die Jury fasst ihre Entscheidung so zusammen: „Emanuele Soavi ist ein bemerkenswerter Darsteller als Tänzer. DAss so jemand seine Technik oder sein Handwerk ganz und gar beherrscht, braucht kaum erwähnt zu werden, doch in der Freien Szene ist das leider nicht immer selbstverständlich, in manchen Inszenierungen ist es allerdings auch nicht wichtig. Er verfügt über dieses Können, so dass es glänzt; er hat sein Tanzen sozusagen in der Hand und kann es portionieren, einfärben, entfalten, je nach inhaltlicher Notwendigkeit.“
Die 5.000 Euro Preisgeld stiftete die Japan Tobacco International (JTI).
Der „Puck“ für den besten Nachwuchsdarsteller
Mateusz Dopieralski erhält die etwas merkwürdig, jedes Jahr anders aussehende Skulptur namens „Puck“ als bester Nachwuchsdarsteller. Die Jury bescheinigt ihm allgemein, dass er wandelbar und wendig ist, über eine eigene und ansprechende Bühnenpräsenz verfügt, ganz in die Welt seiner Figur eintauchen kann, dass seine Stimme Volumen, Ausdrucksstärke und Facettenreichtum besitzt und er ein Gefühl für Timing hat. Ganz besonders aber lobt sie ihn in seiner aktuellen Rolle in Molieres „Der Geizige“ (Theater der Keller“): „Er schenkt seiner figur eine eigene Körperlichkeit, hinter der er selber zurücktritt. Und bei dem schwierigen Unterfangen, Jugendsprache für die Bühne zu dramatisieren, gelingt ihm eine Mischung, die es in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht geben kann – eine Mischung aus Authentizität und Poesie.“
Die 2.500 Euro für diesen Preis stiftet Rheinenergie.

























