25. 05. 2012
Seite drucken
Moderne Kunst: Alles andere als an den Haaren herbeigezogen
(eb) Fragil, transparent und doch sehr bodenständig: Das Kunstwerk des Kölner Künstlers Jan Glismans "Collection of consciousness" verblüfft und macht neugierig. Beim Betrachten von Retortengläsern gefüllt mit menschlichem Haar, die im Schaufester des Friseursalons in der Luft zu schweben scheinen, will man einfach mehr wissen.
Penibel beschriftet, verraten die kleinen Glasbehälter den jeweiligen Namen des Kunden und das Datum, an dem diese Haare abgeschnitten wurden. Den Rest überlässt dieses Kunstwerk der Fantasie des Betrachters: Kurze, lange, glatte und krause Haare, ergraute und gefärbte… Hinter jeder Haarsträhne verbirgt sich bestimmt auch so manche Geschichte, die beim Haarschneiden dem Friseur schon mal gebeichtet wird. Doch diese Geständnisse behält der Betreiber des Salons Burkhard Dumont wie immer für sich: er hat ohnehin einiges zum Entstehen dieser Installation beigetragen.
Haare sammeln für die Kunst
Drei Monate lang hat Kölner Coiffeur die abgeschnittenen Haare seiner Kunden im Auftrag des Künstlers gesammelt und archiviert. Aus diesem Fundus entstand nun im Schaufenster des Salons eine transparente Installation, die die Arbeit des Friseurs und des Künstlers miteinander verknüpfe, so Jan Glisman: "Zusammenhänge zwischen meiner künstlerischen Arbeit und dem Beruf des Friseurs liegen bei dieser Ausstellung im Zentrum meiner Untersuchung, wobei es mir hier um Schnittstellen zwischen einem künstlerischen Konzept und einem Handwerklichen Beruf geht".
Tatsächlich scheinen sich in dieser schwebenden Installation zwei Welten aufeinander zu prallen, um letztendlich eine sehr harmonische Verbindung einzugehen: Der künstlerische Konzept erhält in dieser Verschmelzung etwas Menschliches und Bodenständiges und das Friseurhandwerk wird zum Gegenstand der modernen Kunst erhoben.
Über den Künstler
Kölner Künstler Jan Glisman gehörte zu den zehn Finalisten des BLOOOM Award by WARSTEINER, die mit einer Sonderausstellung im vergangenen Jahr (28. Oktober bis 1. November) im Kölner Staatenhaus geehrt wurden. Die Installation "Collection of consciousness" wurde eigens für den Salon Dumont (Mauritiussteinweg 74, 50676 Köln) konzipiert und ist im Schaufester noch bis Pfingsten zu sehen. Medien: Menschliche Haarproben, Nylonschnur, Kupferdraht, Angelhaken, Glas, Latex.
Mehr zum Kunstwerk und Künstler unter: www.jan-glisman.com.

























