25. 05. 2012
Seite drucken
Neben viel Beifall auch Buhrufe
(js) Mit einem Missklang endete am Montagabend die 20. Verleihung der Kölner Theaterpreise. Neben viel Beifall gab es auch laute Buh-Rufe, als "Noch nicht – Desinformationsabend für inoffizielle Mitarbeiter" als bestes Theaterstück ausgezeichnet wurde. Die Kritik richtete sich nicht gegen dessen unbestrittene Qualität, sondern dass damit eine städtische Produktion ausgezeichnet wurde. Laut Satzung soll mit diesem Preis Kölns freie Szene gefördert werden. Einstimmig und mit viel Beifall feierte das Publikum im Theatersaal des Komed-Hauses dagegen die Preisträger in den anderen sechs Kategorien, die in einer Oscar-ähnlichen Zeremonie verkündet wurden.
"Noch nicht" ist eine Koproduktion des Schauspielhauses mit dem freien Regieduo Hannah Hofmann & Sven Lindholm. "Die freie Szene füttert das Stadtthater mit so viel Energie, da kann man sich auch mal etwas zurückholen", argumentierte Jury-Mitglied und Laudator Hans-Christoph Zimmermann. Eine Logik, der nicht alle der rund 300 Gäste folgen wollten. Zuvor hatte er das Stück als "kluge, virtuose und unterhaltsame" Irreführung der Zuschauer gelobt. Der "Theaterpreis 2009" ist mit 10.400 Euro dotiert, gesponsert von Stadtsparkasse KölnBonn, Biofactory und Kulturamt der Stadt Köln.
Die diesjährige Feier wartete mit zwei Premieren auf. Die erste war der erstmals verliehene Preis für den besten Darsteller bzw. Darstellerin, dotiert mit 5000 Euro (Japan Tobacco International). Ihn erhielt Bettina Mockenhaupt, die sowohl im Erwachsenen- wie im Kindertheater mitwirkt. "Eine mit Kopf und Körper bewegliche Akteurin", die mit einer "reichen Stimme" keine Selbstdarstellung betreibe, so die Jury. Die zweite Premiere war, dass mit Britta Lieberknecht erstmals jemand in zwei Sparten siegreich war. Sie erhielt zum einen mit Andrea Lucas den Preis für das beste Kinder- und Jugendtheaterstück. "Wo der Pfeffer wächst" (5200 Euro, Citroen Deutschland) zeigt, wie wichtig ein Streit sein kann, wenn er zu einem guten Ergebnis führt. Dann gefiel auch ihr Tanztheater "Site specific", einem Stück über die Tücken der Liebe. Den Tanztheaterpreis (5200 Euro, Kölner Stadt-Anzeiger) musste sie sich allerdings mit Emanuele Soavi und Massimo Gerardi vom movingtheatre.de teilen. In ihrem Stück "Berühren – Zerreißen" greifen sie die deutsche Geschichte zwischen Ost und West auf.
Im Reigen der Theaterpreise ist der Kurt-Hackenberg-Preis für die beste politische Produktion eine Ausnahme: Er kann auch an städtische Bühnen verliehen werden. "Weil ausgesprochen politische Stücke heutzutage selten sind", lautete die Begründung des Stifters Freie Volksbühne seinerzeit. So war das Publikum dann auch damit einverstanden, dass sich die Jury für Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns". "Ein schönes Stück Aufklärung" über den Neoliberalismus, begeisterte sich die Jury. Der Ehrentheaterpreis (2.600, NetCologne) ging in diesem Jahr an die Tänzerin Katharina Sehnert. Die 72-jährige "Grenzgängerin zwischen den Künsten" wurde als "eigenwillige Person, die mit Stringenz und Weitsicht nicht nur ihre eigene Ensemble- und Soloarbeit betrieben hat, sondern auch mit der Reihe ,MultiArt' die Kölner Szene bereichert hat" gewürdigt. Als beste Nachwuchsdarstellerin erhielt Nagmeh Alaei (2.500 Euro, Theatergemeinde Köln) den begehrten "Puck". U.a. überzeugte sie durch "intensive Bühgnenpräsenz und hohe Professionalität". Das Lob muss sie so gefreut haben, dass sie sofort eine Etage tiefer feierte und beim anschließenden Gruppenfoto fehlte.
SK-Geschäftsführer Hans-Georg Bögner lobte schließlich auch den Einsatz der einzelnen Jurys. So wurden in der Sparte Kinder- und Jugendtheater 29 Aufführungen besucht, für Tanztheater waren es 22 und für den "eigentlichen" Theaterpreis sogar 67. Diese Zahlen zeigen, dass Köln eine sehr lebendige Theaterszene hat – die Kulturpolitiker sollten sie in der anstehenden Haushaltsdebatte nicht durch Sparmaßnahmen zerstören.

























