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25. 05. 2012
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Polit-Show rät vom Wählen ab


18.10.2011 11:55 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Illegale,Papierlose,Sarkozy,Banlieue,Badiou,Levi-Strauss,Paris,2

(ehu) Wie sieht eigentlich ein Illegaler aus? So wie der farbige Schauspieler mit Lederjacke und dunkelster Sonnenbrille? Oder vielleicht so wie der Zuschauer in der 2. Reihe? Mit einer kleinen Publikumsprovokation beginnt – nach einer fotografisch-musikalischen Einleitung – die ebenso unterhaltsame wie aufklärende Show „Jede Minute mit einem Illegalen ist besser als wählen“ in der Schlosserei. Thema: der von Staatspräsident Sarkozy „ordnungs“-politische Umgang mit „papierlosen“ Einwanderern in Frankreich. Ein Thema, das besonders in den Trabantenstädten, den Banlieues akut ist.

Das Stück kommt aus der Produktions- und Regiewerkstatt von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen. Das Duo verknüpft in seiner Theaterarbeit schon seit Jahren Westafrika und Europa. Zum Ensemble für diese Inszenierung brachten sie aus Frankreich die DJs Jean-Claude Dagbo, Franck Edmond und Fabrice Meguhe Zouzouko mit, es wird verstärkt vom Schauspiel-Mitglied Nikolaus Benda und Gast-Schauspieler Hauke Heumann.

Fünf Männer spielen, bis der Schweiß in Strömen fließt

Die fünf begeistern durch akrobatische, rasante Formationstänze, durch gewagte, atemberaubende Gliederverrenkungen und rhythmische Gesänge. Nicht zuletzt für diesen schweiß-ehrlichen Körpereinsatz gab es langen Premierenbeifall. Es ist ein minutiös aufeinander abgestimmtes Team, das selbst die Übersetzungen vom Französischen ins Deutsche ohne Langatmigkeit über die Bühne bringt.

Denn bei diesem Thema darf auch die „Theorie“ nicht zu kurz kommen. Die wird durchaus appetitlich und alles andere als trocken serviert. Der Titel der Show beruft sich auf den französischen Philosophen Alain Badiou. Für ihn sind die illegalen Migranten die „Bastion des Widerstands gegen den Opportunismus und neoliberalen Geist der demokratischen Wähler“, die dem letztlich rassistischen Populismus der Politiker verfallen sind.

Der neue Marxismus wird gedehnt, bis er passt – auch körperlich

Auf Badiou wird ebenso eingegangen wie auf den vor wenigen Jahren verstorbenen Begründer des ethnologischen Strukturalismus‘ Claude Levi-Strauss, auf den sich die Architekten der französischen Trabantenstädte berufen. Auch Karl Marx kommt zu neuen Ehren. Dabei wird der Marxismus neu interpretiert: als Dehnung der individuellen Identität ins Unendliche bei Beibehaltung des Egoismus. Auch dies wird vom Ensemble wieder in eine schier unmögliche Körpersprache umgesetzt.

Um ihre Existenz nicht durch Entdeckung und nachfolgender Abschiebung zu gefährden, dürfen Illegale nicht auffallen. Dadurch sind sie vielfältigsten Problemen und Schikanen ausgesetzt. Unmenschlichen Wohn- und Arbeitsbedingungen, nationale Konkurrenzen, fehlende Papiere, Polizeikontrollen, latente Aggressionen, Versuche, sich gemeinsam zu organisieren – die Probleme werden in kurzen Szenen dargestellt, die sich in Gesang und Tanz auflösen. Für das Publikum rund 100 höchst mitreißende Minuten.

„Jede Minute mit einem Illegalen ist besser als wählen“ – weitere Termine: 29. bis 31.10., 2. und 3.11., jeweils 20 Uhr, Schlosserei des Schauspiels Köln, Krebsgasse, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, Internet: www.schauspielkoeln.de.







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