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25. 05. 2012
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"Taugenichts" verzaubert das Publikum


17.07.2010 17:02 von:

Schlagwörter: Köln,NN Theater,Taugenichts,Eichendorff,SommerKöln,2010,Gott,Fort X

(js) Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er... Wohin mag er ihn heute schicken? Zu einer Casting-Show, zu irgendwas mit den Medien? Vor fast 200 Jahren schickte er seinen "Taugenichts"-Günstling aus der Provinz nach Wien und Rom, auf dass er nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen sein Glück und vor allem seine Liebe findet. Und weil das alles so schön romantisch ist, fiel die Erzählung des Joseph Freiherr von Eichendorff dem Kölner NN-Theater auf, das es jetzt als Auftakt zum "SommerKöln" am Freitag Abend im Fort X im Agnesviertel auf die Bühne brachte.

Im Vergleich zu anderen Weltliteratur-Adaptationen des NN Theaters eine überraschend "werkgetreue" Interpretation. Natürlich mit den üblichen Zutaten wie schnelle Kostüm- und Rollenwechsel, originelle Verkleidungen (Sarah Damm), ein karges Bühnenbild (Heiko Thurm), das gerade dadurch mit wenigen Verwandlungen Tag und Nacht, Palast und Zollstation sein kann. Dazu gehören auch der sparsame, aber phantasievolle Einsatz von wenigen Requisiten, liebevolle witzige Pointen und Spitzen auf aktuelle (Miss-)Verhältnisse – also all das, was traditionell die Qualität dieser Truppe ausmacht und weswegen man auf jede neue Inszenierung gespannt und neugierig ist. Doch diesmal setzen sie dem noch ein Zuckerhäubchen auf: Die Novelle "Aus dem Tagebuch eines Taugenichts" wurde zum rasanten Musical mit gewagten Gesangseinlagen bis hin zu schrägen Koloraturen. Die Erzählung bietet dazu genug Material, angefangen mit "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", das wie viele andere auch mit den Jahren zum bekannten Volkslied wurde. Angereichert wird dies mit Musik aus unseren Tagen und kleinen Balletteinlagen.

Die Schauspieler dürfen sich an der engen Leine von Regisseur George Isherwood austoben: Michi Thorbecke in der Titelrolle, Oliver Schnelker und Irene Schwarz (meistens) als Gräfin und deren Gesellschaftsdame (beide in den Taugenichts verliebt, wobei Schnelker einmal mehr zeigt, dass Männer zumindest auf der Bühne die verführerischen Frauen sind), Didi Jünemann vorwiegend als Portier. Weiter treten auf: ein preußischer General, Maler, Putzfrauen, Alpträume, Herbergseltern, Müller, Obstbauern. Nicht zu vergessen der musikalische Part vom instrumentalen Multitalent Antje von Wrochem.

Das NN Theater gehört – wie zum Beispiel auch zahlreiche Kammermusik-Ensembles – zu den Kulturbotschaftern Kölns, die außerhalb der Stadt bekannter sind und häufiger auftreten als rund um den Dom. "Aus dem Leben eines Taugenichts" hatte schon vor einem Monat im badischen Rastatt Premiere, in Köln wird das Stück in nächster Zukunft nicht mehr zu sehen sein. Leider. Stattdessen wird am heutigen Sonntag noch einmal der "Schimmelreiter" (20.30 Uhr in Fort X, Eintritt frei) aufgeführt. In den Vorjahren hatte das NN Theater parallel zum "SommerKöln" im Friedenspark ein eigenes kleines Festival organisiert. Die fielen oft genug ins Wasser – das heißt das Publikum saß unter einem Zeltdach, die Schauspieler spielten im Regen. Im Innenhof von Fort X, hatte das Theater ein Dach überm Kopf, die Zuschauer saßen im Freien. Kaum war der letzte Beifall verklungen, fielen die ersten Tropfen.







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