Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Theater der Keller: Finanzklemme bedroht die nächste Spielzeit


23.05.2011 16:45 von:

Schlagwörter: Köln,Theater der Keller,Gehle,Othello,Schwarzhaupt,Schiller,Schauspielschule,Wac

(ehu) Seit Anfang dieser Spielzeit ist PiaMaria Gehle die neue Intendantin des Theaters der Keller. Die ist zwar noch nicht zu Ende, doch sie jetzt schon beeindruckende Erfolge vorweisen. So stieg die Zahl der Zuschauer gegenüber dem Vergleichszeitraum der vorigen Spielzeit um 3000, insgesamt wurden 11.000 Eintrittskarten gelöst. Mit 200 Vorstellungen wurde eine Platzausnutzung von knapp 80 Prozent erreicht. Das Ensemblemitglied Robert Oschatz ("Jugend ohne Gott") wurde mit dem Theaterpreis für den besten Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet und "Tel Aviv" wurde gerade von der Kölner Theaterzeitschrift aKT zum "Stück des Monats" erklärt. Doch finanzielle Sorgen überschatten die Erfolgsbilanz.

Und die bestimmten dann auch am Montag die Vorstellung des Programms für die kommende Spielzeit 2011/12. Dass dem Theater der Keller Geld fehlt, ist nichts Neues. Zwar gelang es zuletzt, so die stolze Nachricht, "die Sanierung abzuschließen und das Haus finanziell zu konsolidieren". Nachdem die Familie Schwarzhaupt sich als langjährige Mäzenin zurückgezogen hatte und der Rausschmiss aus dem Haus an der Kleingedankstraße drohte, gelang es endlich, einen Mietvertrag bis 2018 abzuschließen. Sogar mit einer Mietsenkung. Trotzdem müssen immer noch jeden Monat 3600 Euro gezahlt werden. Viele andere freie Kölner Theater "wohnen" mietfrei.

Bank und Sparkasse verzichten auf Rückzahlung von Krediten

Dann verzichteten Deutsche Bank und Sparkasse auf die Rückzahlung von Krediten. Schließlich fand sich eine neue Stifterfamilie und neue Sponsoren. Die stellen insgesamt 500.000 Euro bereit – allerdings unter einer Bedingung: Die Stadt darf sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und muss wieder Zuschüsse zahlen. Und daran hakt es. Zwar stellte sie unerwartet für dieses Jahr bis zum Ende dieser Spielzeit 80.000 Euro zur Verfügung, doch wie es dann weitergeht, ist unklar.

Das große Dilemma begann, als das Theater 2009 aus der Konzeptionsförderung fiel, die jeweils über vier Jahre läuft. Es fehle – so die Begründung – "ein überzeugendes künstlerisches Konzept". "Bis heute hat keiner definiert, was das sein soll", ärgerte sich Ulrich Wackerhagen, Vorstand des Trägervereins. Und noch mehr ärgerte ihn, dass sein Haus auch nichts von der einen Million Euro abbekam, um die der Etat des Schauspielhauses im Haushalt 2010/11 der Stadt Köln gekürzt wurde, um die freie Theaterszene zu fördern.

Es darf auch etwas weniger sein, aber ohne Zuschüsse keine freie Theaterszene

In guten Zeiten erhielt das Theater der Keller von der Stadt für jede Spielzeit über 170.000 Euro, künftig wäre man mit 160.000 zufrieden. "Die neuen Sponsoren zeigen, dass man von unserem Konzept überzeugt ist", so Wackerhagen. Aber ohne Zuschüsse könne es keine freien Theater geben, wolle man nicht die Eintrittspreise erhöhen oder nur "Boulevard" bringen.

Trotz Geldsorgen – das Programm für die nächste Spielzeit steht. Neun Neuinszenierungen sind geplant, vier davon Uraufführungen, darunter auch ein Kinderstück. So greift man mit "Wer aus mir trinkt, wird ein Reh" Wagners "Tristan und Isolde" anhand von Quellentexten auf und macht daraus ein Stück für zwei Schauspieler und zwei Sänger. Auch Schiller steht auf dem Programm, Dramaturgin Felizitas Kleine machte aus seiner Erzählung "Ein Verbrecher aus verlorener Ehre" einen Monolog für die Bühne, die "erste innenpsychologische Sicht eines Verbrechers", beschreibt Gehle das Stück.

Molière und Shakespeare: Die Theaterchefin wird zweimal selber Regie führen

Sie selber wird Shakespeares "Othello" in einer "radikalen Neuübersetzung" von Feridun Zaimoglu inszenieren. Dieses Stück hatte in den Kammerspielen München seine Premiere. In Berlin gefeiert wurde Molières Komödie "Der Geizige", eine Adaption des Kölners peter Licht als genreüberschreitendes Multimediaspiel. Auch bei diesem Stück wird Gehle Regie führen, Schüler der Schauspielschule des Theaters der Keller werden auf der Bühne stehen. Mit "Meier, Müller, Schulz oder nie wieder einsam!", "Nordost", "Tel Aviv" und "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" wird es 2011/2012 ein Wiedersehen geben.

Für die "Schule des Theaters" wird zur Zeit eine neue Leitung gesucht, nachdem Herbert Wandschneider das Amt niedergelegt hat, um sich mehr seiner Lehrtätigkeit widmen zu können. Auch sollen Curricula und Lehrpläne den modernen Anforderungen an die Schauspieler angepasst werden.

 





Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse