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25. 05. 2012
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Theaterbesucher verhandeln über Frieden in Nahost


28.04.2011 07:36 von:

Schlagwörter: Köln,Petersberg,Futur3,Israel,Palästina,Nahost,Theaterpreis,Frieden,Mitmachtheat

(ehu) Im vorigen Jahr gelang der freien Gruppe "Futur3" eine kleine Sensation. Sie erhielt gleich zwei Kölner Theaterpreise: Ihre Produktion "Petersberg I" wurde als bestes Erwachsenen- und als bestes politisches Stück ausgezeichnet. Das hatte es in der 21-jährigen Preisgeschichte zuvor noch nie gegeben. Wie berechtigt diese Auszeichnungen waren, lässt sich noch einmal bei den vier Aufführungen vom 18. bis 21. Juni überprüfen, weitere Termine sind leider nicht mehr geplant.

Die zehn Ensemble-Mitglieder lassen die Zuschauer an den fiktiven Verhandlungen über einen Friedensvertrag zwischen Israel und Palästina mit der EU als Vermittlerin teilnehmen. Dieser Konflikt schwelt seit über 60 Jahren, trotz vielfacher Versuche konnte er bis heute nicht gelöst werden.

Jeder Zuschauer wird individuell vorbereitet

Die Zuschauer – jeden Abend immer nur 30 – werden einzeln einer der drei Verhandlungsparteien zugeordnet. Sie erhalten nicht nur schriftliche Grundinformationen über die historischen und aktuellen Hintergründe des Konflikts, sondern werden im Vorfeld auch mit sehr persönlichen Schicksalen der jeweiligen Seite konfrontiert. Anschließend nehmen sie an den Verhandlungen teil, bevor sie noch etwas über die mediale Aus- und Verwertung solcher Konferenzen erfahren.

Mitmachtheater ist eine ständige Gratwanderung, das Gelingen hängt vom Geschick der Schauspieler und von der Bereitschaft des Publikums ab, sich darauf einzulassen – hier etwa, mit seinen Vorschlägen und Vorstellungen in die festgefahrenen Verhandlungen einzugreifen. (Vielleicht ist es sogar hilfreich, wenn der Zuschauer der "falschen" Seite zugeordnet wurde, deren Argumentation er – anfangs – nicht teilt.)

Das "futur3"-Ensemble zeichnet sich durch Sensibilität und Zurückhaltung aus

Es wird aber keiner zum Mitspielen gezwungen. Das "Futur 3"-Ensemble geht höchst sensibel vor, überrennt keinen, kann auch Distanz wahren – und überzeugt gerade dadurch. Doch auch wer sich zurückhält, kann sich der Verhandlungsatmosphäre nicht entziehen, die permanent zwischen harter Konfrontation und persönlicher, fast intimer Annäherung schwankt.

Die Jury des Theaterpreises hat dies so beschrieben: "Das ist das Bestechende an dieser Inszenierung: Man kann sich diesen Momenten von Angesicht zu Angesicht nicht entziehen und wird Teil der Aufführung. Eine Publikumssituation, in der die Nussschale der bequemen Rezeptionshaltung sanft, aber mit Nachdruck geknackt wird. Die formelle Unmöglichkeit des sicheren Zurücklehnens korrespondiert auf kongeniale Weise mit dem Thema. Der medial dauerpräsente Nahost-Konflikt, bei dem wir uns aus sicherer Distanz erlauben, überdrüssig zu sein und weiterzuzappen, wird hier auf eine Alltagsebene heruntergebrochen, in der jeder Zuschauer wortwörtlich abgeholt wird. Diese ungewöhnliche Theatersituation erzeugt ein irritierendes Gefühl von Fiktion in der Realität – und umgekehrt."

Ein Besuch von "Petersberg I" ist nur mit telefonischer Buchung möglich

Der Besuch der "Petersberg I"-Konferenz ist nur nach telefonischer Anmeldung möglich. Jeder Zuschauer erhält dabei seine ganz persönliche Anfangszeit und seinen Startort, von dem aus er dann zu den einzelnen Stationen geführt wird. Die Anfangszeiten verteilen sich jeweils auf die Zeit zwischen 17.45 und 20.30 Uhr, das Stück dauert dann etwa 70 Minuten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit der Dramaturgin oder anderen Zuschauern zu diskutieren.

Informationen und Kartenbestellungen: Tel. 0157 / 86 54 52 32, info@freihandelszone.org, 14/9 Euro.







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