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25. 05. 2012
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Vom Friedhof zum Grillplatz


17.07.2011 08:39 von:

Schlagwörter: Köln,Müll,Melaten,theater-51grad.com,Mitmachtheater,Aachener Weiher,Friedhof,Ein

(ehu) Sieben ruhelose Geister treiben ihr Wesen auf dem Melaten-Friedhof. Sie sammeln Besucher um sich, führen sie über die Gräberstätte und erzählen aus ihrem Leben. Sie suchen Erlösung – und die sollen sie finden, wenn sie Müll beseitigen. Also wandeln sie gemeinsam und mit den Lebenden zum Aachener Weiher, im Sommer Kölns freilebende Müllkippe. Dort organisieren sie einen Spieleabend für Erwachsene rund um den Müll und fahren schließlich erlöst zur endlich ewigen Ruhe zurück nach Melaten.

Mit der neuen Produktion "20 Tonnen Stadt Vol#2 – The Trash Hunting Performance" mutet die freie Gruppe "theater-51grad.com" ihrem Publikum ein reichlich konfuses Theaterstück zu. Theaterstück? Das klassische Bühnenstück ist tot, Mitmachtheater ist der neue Trend in Deutschland. Ob es funktioniert, hängt ab vom Konzept und dessen Umsetzung (hier Rosi Ulrich und Karin Frommhagen) ab. Von den Schauspielern, die auch unwilliges Publikum mitnehmen können müssen. Und schließlich von einem willigen, spielbereiten Publikum. Am freitäglichen Premierenabend aber hakte es immer wieder.

Das Stück endet zwischen "rauchenden Grills und bellenden Hunden"

Die wohlwollend aufgenommene erste Folge von "20 Tonnen Stadt" führte in Kölns Müllverbrennungsanlage. In der Fortsetzung lag es nun nahe, sich mit dem Ärgernis Müll am Beispiel Aachener Weiher zu beschäftigen. Doch bereits die Verbindung zu Melaten wirkt reichlich konstruiert, zumal jeder Zuschauer nur einen der Geister "kennen lernt". Schon hier klappt der Kontakt zum Publikum nur ansatzweise. Das bessert sich nur unwesentlich am Aachener Weiher. Schwierigkeiten bereitet auch der Umgang mit neugierigen, nicht zahlenden Zuschauern.

"Zwischen rauchenden Grills, bellenden Hunden und Plastikgeschirr legen Schauspieler und AWB-Mitarbeiter Fährten für eine installative, theatrale Schnitzeljagd. Dort, wo die Seele baumelt, mischt sich Theater in das Leben ein – auf den Spuren des Abfalls – sinnlich, en passant, cool und ein bisschen dreckig." So das Versprechen des Theaters.

Für den besten Punktesammler gibt es einen Bund Sellerieblätter

Das entpuppt sich dann als ein Quiz über Verbrauchs- und Verrottungsdauer von Mensch und Material, als Suchen von Bibelstellen, die zum Treiben am Aachener Weiher passen (Sodom und Gomorrha!). Für die ruhelose Kölner Hexe Katharina Henoth darf man ihr unbekannten Müll sammeln. Ein FDP-Bundestagsabgeordneter (er starb, weil er radioaktiv verseuchtes Wasser trank) organisiert alles. Das Publikum soll ein Geheimnis finden und einen Teppich aus alten Plastiktüten häkeln. Drei freundliche Mitarbeiter der Kölner Abfallwirtschaft AWB helfen beim Punktesammeln. Der Sieger erhält einen Bund Sellerieblätter.

Dass die sieben Protagonisten handwerklich etwas können, zeigt ihr perfekt vorgetragener Sprechchor über den Müll, auch ihr abschließendes Kehrbesenballett mit Mülltonnengeklapper macht Spaß. Nicht nur den zahlenden Gästen, auch den anderen, die sich dort die Zeit vertreiben und garantiert jede Menge Müll hinterlassen. Und was hat der Zuschauer gelernt – Mitmachtheater hat schließlich auch eine pädagogische Absicht? Ein Einwegfeuerzeug hat Gas für 15 Minuten, 100 Jahre dauert es, bis es verrottet ist. Aber Raucher gehören zu einer Aussterbenden Tierart. Und der menschliche Körper verrottet innerhalb von 25 Jahren.

"20 Tonnen Stadt Vol#2 – The Trash Hunting Performance" – weitere Termine: 17.7., 21 und 22.7. jeweils 19 Uhr, Dauer: ca. 100 Minuten. Treffpunkt: Melatenfriedhof, Eingang Aachener Straße, gegenüber Haltestelle Straßenbahn Linie 1 und 7, Eintrittskarten: Tel. 0221 / 985 45 30







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