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25. 05. 2012
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Vom langen Nichts nach dem großen Knall


05.12.2011 21:54 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Schorsch Kamerun,Gelbe Zitronen,Aufstand,post it,Thinktank,Demon

(ehu) Die Veranstaltungshalle Expo XXI hat schöne Gewölbe und freigelegte Ziegelwände. Hier wird das Schauspielhaus während der Umbauarbeiten am Opernplatz sein Interimsdomizil beziehen. Doch jetzt ähnelt das Innere des Gebäudes einer dramatisch ausgeleuchteten Baustelle. Metallstege wurden aufgebaut, Steinhaufen liegen herum, Kulissenwände verwehren die Sicht, Löcher laden zum Durchgucken ein. Hinter Absperrseilen agieren sich Menschen, bewegen lautlos ihre Münder. Zu hören ist – nur über Kopfhörer – ein singender Schorsch Kamerun. Live.

Dieses „Live-Konzert als begehbare Rauminstallation“ hat das prominente Mitglied der Band „Die gelben Zitronen“ für das Schauspiel inszeniert. „Der entkommene Aufstand“ ist sein Titel. Die gespielten Szenarien sollen an das erinnern, was sich derzeit in der Welt abspielt und abgespielt hat: die Demonstrationen der Occupy-Bewegung und die Revolutionen in der arabischen Welt, von der keiner weiß, wie sie enden werden.

Die Ratlosigkeit scheint groß: Wo sind die neuen, postrevolutionären Strukturen

Doch hier scheint die Revolution vorbei (oder doch nicht?). In einem von oben einsehbaren Thinktank stehen – lässig, lässig – Menschen um Pläne herum, diskutieren und lauschen einem Wortführer. Eine Gruppe ordnet akribisch Akten hin und her, eine andere versucht sich – dirigirt von einem Pinocchio – in der neuen Kunst des Post-it-Klebens. Da sind welche, die vorgegebene Fotos nachstellen, als seien sie auf der Suche nach einem Vorbild. Tänzerinnen winden sich durch ein Fadengewirr.

Ein weißes Zelt atmet Esoterik, von hier aus werden die 50 Mitwirkenden einmal mit Rohkost versorgt. In einem anderen „Raum“ werden waffenähnliche Gebilde zusammengebastelt, ihre Produzenten arbeiten im Schatten von zahlreichen Design-Diplomen. Hinter einer Wand mit Gucklöchern verbirgt sich ein zerwühltes Doppelbett.

Was tun, wenn das Gefühl auftaucht, man habe doch eigentlich schon alle gesehen?

Eine Hundertschaft Besucher flaniert lässig von einem Spielort zum anderen. Sitzgelegenheiten sind begehrt, sei es auf breiten Möbeln oder auf Treppenstufen. Denn eigentlich hat man nach einer halben Stunde alles gesehen, könnte nach Hause gehen. Verpasst würde dann allerdings die kurze Demonstration, bei der alle Aktivisten hinter drei Michelin-Männchen durch die Halle ziehen, und nach 80 Minuten das Schlussbild, bei dem sich alle in einer „Arena“ versammeln, versteckt hinter weißen Clownsmasken, die sie dann ablegen.

Verpasst hätte man vor allem die Lieder von Schorsch Kamerun. Über Kopfhörer ist er zu hören. Und hinter Glas zu sehen mit seinen drei Instrumentalisten in einem gelb erleuchteten Kasten, wie er immer wieder Hände und Gesicht an die Scheibe drückt. Als suche er Kontakt mit den vor der Trennscheibe stehenden Zuschauerhörern.

Als Zückerchen fürs Kölner Publikum gibt's die Namen von bekannten Stadtteilen

Zu den Texte hat haben ihn, so heißt es, die vorangegangenen Gesprächen mit den 50 Kölner Laien-Akteuren inspiriert, die die verschiedenen Szenarien bespielen. So tauchen dann als Lokalbezug die Namen von Kölner Stadtteilen auf. Kamerun sinniert mit einschmeichelndem Sprechgesang von den Mühen der Ebene, vom Fisch, der an Land stirbt, von der Punktejagd, zu der das Bachelor- und Masterstudium zwingt, den Grenzen des Wachstums, von revolutionären Organisationsformen und der Durchlüftung des Systems. Unabhängigkeit ist keine Lösung für moderne Babys, weiß er, denn die wollen einfach Fun.

Einmal schlängelt sich der Schauspieler Martin Reinke durch die Besucher, beklagt die permanente Selbstüberforderung und die Tatsache, dass man zum Komantschen wird – aber ohne Winnetou und deshalb auch nicht ins Fernsehen kommt. Das alles hat etwas von der Imbissbuden-Philosophie eines Dittsche, wenn auch mit mehr Aufwand inszeniert und verspielter formuliert.

„Der entkommene Aufstand“ – weitere Termine: 9. bis 11. ,13., 14., 17. bis 21.12., jeweils 20 Uhr, Expo XXI, Gladbacher Wall, Karten an der Opernkasse: Mo-Fr 10-19.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de. Weitere Informationen finden sie unter: www.schauspielkoeln.de.







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