25. 05. 2012
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Wer erzählt, bestimmt die Sicht
(ehu) Tel Aviv gilt als die weltoffenste und lebensfreudigste Stadt Israels. Eine junge Deutsche will sich ihr eigenes Bild davon machen. Sie sammelt Eindrücke und Begegnungen, führt darüber Tagebuch. Doch ist ihre Sicht der Dinge die richtige? Plötzlich und gewalttätig findet der Rollentausch statt: Aus den Objekten der Beobachtung werden handelnde Subjekte. Und das Theaterstück "Tel Aviv" wandelt sich von einem Städeporträt in eine Auseinandersetzung über die "richtige" Sicht auf die Welt.
Im Theater der Keller hatte "Tel Aviv" unter der Regie von Tobias Herzberg mit viel Beifall seine Uraufführung. Es ist die Dramatisierung (von Krystian Lada) des gleichnamigen Debüt-Buches von Katharina Hacker, die von 1990 bis 1996 in Israel lebte und unter anderem in Kölns Partnerstadt Tel Aviv unterrichtete.
Das reale Geschehen findet sich nur in den Fernsehnachrichten wieder
Um die ich-bezogene Position der Erzählerin (Ileana Tautu) von Anfang an kenntlich zu machen, greift der Regisseur zu deutlicher Symbolik: Während sich seine Hauptfigur fast permanent mit einer Live-Kamera selber filmt, läuft auf einem Monitor im Hintergrund eine – tonlose – Nachrichtensendung mit Meldungen über Selbstmordattentate und Piratenüberfälle. Aus Manuskriptseiten klebt die Autorin an der Wand des von ihr bewohnten, karg eingerichteten Zimmers ihre "Geschichte" zusammen. Als Protagonisten darin hat sie sich das Pärchen Idith (Tanja Haller) und Avner (Anton Weber) ausgeguckt. Und damit ihr die Geschichte gefällt, greift sie immer wieder in das Leben der beiden ein.
Die Position des Beobachtens wechselt abrupt und ebenso symbolisch: Idith durchtrennt das Kabel der Kamera, mit Avner wird die Deutsche gefesselt und muss nun dem Geschehen zusehen, ohne eingreifen zu können. Ihre Manuskripte werden entfernt, jetzt schreiben Idith und Avner Geschichte. Und Selbstmordattentate, Erinnerungen an den Holocaust und die Historie Tel Avivs finden nicht mehr nur auf dem Monitor statt.
Was ist nun die richtige Sicht auf Geschichte und Gegenwart? "Tel Aviv" gibt darauf keine Antwort. Doch weil der Regisseur – durchaus zu Recht – keine Stellung beziehen kann und will, bleibt die Inszenierung unentschlossen, zieht sich bisweilen zäh dahin. Doch das variationsreiche, auch witzige Engagement der Schauspieler kann diese Mängel meistens überspielen.
"Tel Aviv" – weitere Termine: 19.-21.4., 29. und 30.4., 1.-3.5., Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), www.offticket.de. Bestellungen per Mail:
tickets@theater-der-keller.de, im Internet unter: www.theater-der-keller.de.

























