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20. 10. 2014
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"Brooklyn's Finest" und "Precious" - Updates aus den Ghettos


04.04.2010 02:44 von:


(TB) Ich bespreche hier mal zwei Filme gleichzeitig - "Precious" und "Brooklyn's Finest"

Wahrscheinlich gibt es wenige so schlecht eingedeutschte Titel wie "Das Gesetz der Straße", den deutschen Titel von "Brooklyn's Finest" .
Im Englischen kann man den Titel nur als böse Ironie, als bodenlosen Zynismus verstehen, denn was unter dem Titel "Brooklyn's Bestes" als ein Panotikum des Verrats an uns vorbeizieht ist nichts worauf man stolz sein könnte.

Sicher, die Geschichten von Korruption, Verrat, institutionalisierter Heuchelei und Lügen auf der Ebene der Politik, im Zusammenhang mit dem Polizeiapparat, sind tausendmal erzählt worden: "French Connection", "Q&A - Tödliche Fragen", "Bad Lieutenant(Abel Ferrara)", doch "Brooklyn's Finest" gelingt eine Beschleunigung, die eine neue Hoffnungslosigkeit markiert, die die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht nur verwischt, sondern kein Gut mehr zulässt. Im Gegensatz zu Abel Ferraras "Bad Lieutenant"geht es nicht mehr um den einzelnen durchgeknallten Cop, sondern um epidemische, institutionalisierte Probleme innerhalb der New Yorker Polizei, deren Ursachen auf der Ebene der Politik zu finden sind.



Während in "Brooklyn's Finest" ein drastischer, extrem rüder Realismus dominiert, versucht sich "Precious" in poetischer Verdichtung von Grausamkeiten. Man kann sich vorstellen, dass während ihr Vater Precious vergewaltigt, im Haus nebenan das NYPD irgendein CrackNest hochnimmt, nur damit sich einer der korrupten Cops das Geld der Dealer in die Tasche steckt, um ein neues Haus zu kaufen, weil in seinem alten der Schimmel in jeder Ritze steckt und die Gesundheit seiner asthmatischen Frau gefährdert.  "In der Lunge ihrer Frauen sind Spuren von Schimmelpilz gefunden wordern" eröffnet der Arzt dem tiefkatholischen Polizisten Sal, der halb wahnsinnig zwischen religiöser Überzeugung und tatsächlichem Handeln, tief in einen Sog der Hoffnungslosigkeit gerissen wird, hysterisch seinem Ende entgegen taumeld.

Precious ist nicht kriminell, sie ist nicht einmal drogensüchtig, sie ist das vollkommene Opfer, entmündigt, entmachtet, gedemütigt und missbraucht von der eigenen Mutter, dem eigenen Vater, die nichts anderes im Leben zu erwarten haben als den nächsten Scheck von der Fürsorge. Doch Precious hat auch Glück, denn ihr Mathematiklehrer legt ein gutes Wort für sie ein, und als sie zum zweiten Mal von ihrem Vater schwanger wird, landet sie in einem alternativen Bildungsprojekt und erfährt zum ersten Mal, dass sie etwas Wert ist, nur was?

 In "Brooklyns Finest" ist eine der Schlüsselszenen der Moment in dem der altgediente,  ausgebrannte Cop Eddie in den Ruhestand versetzt wird - sein ganzes Berufsleben hat er im Dreck der anderen gewühlt, ist wohl tausendmal auf Familien getroffen aus denen auch Precious stammt, er hat vielleicht sein Leben riskiert, und das ein- oder anderemal eines gerettet, oder gefährdet. Seine Dienstakte ist nicht gut, nicht schlecht - ein normaler Cop in einem unterbezahlten, schlechten Job, in dem in jedem Moment aus einem Schokoriegeldiebstahl ein Raubmord werden kann. Nun war sein letzter Tag, alleine sitzt er einem Beamten gegenüber, gibt seine Waffe, seine Dienstmarke ab, nichts bleibt, ausser Einsamkeit, ausser der letzten Kugel, die er sich selbst in den Kopf schießen will.

 An dieser Stelle begegnen sich Cops und Sozialarbeiterinnen, denn ändern können sie mit ihren "Waffen" nichts, das Ghetto versinkt in beiden Filmen in tiefer Hoffnungslosigkeit, hin und wieder treibt ein Strohhlam vorbei, an den sich die Menschen für einen Moment klammern können, doch zu gross ist die normative Kraft des Faktischen - des Geldes und der Drogen, des Alkohols. So bedeutet in beiden Filmen Menschlichkeit stets beides: Ursache und Ausweg im Drama der Armut. Dies weiss auch Precious, wenn sie mit ihren beiden Kindern am Ende in eine ungewisse Zukunft zieht.


"Precious" Fazit:

Precious ist so ungefähr das Gegenteil des sozial ambitionierten "NewBritishCinema" - es ist kein realistisches politisches Drama ala Ken Loach, sondern, böse formuliert, der poetisch verdichtete Traum einer besseren Welt duch Sozialarbeit. Viel zu leicht und einfach scheint Precious die Schicksalsschläge zu ertragen, zu sich zu finden. Die Ursachen für Precious Elend werden ausschließlich im familiären Umfeld und in mangelnder Bildung gesehen. Da sind die üblichen Verdächtigen von der engagierten Sozialarbeiterin bis zur idealistischen Pädagogin in der Reformschule - das macht zwar Hoffnung und ist rührend, aber auch irgendwie verträumt - so verträumt und harmlos wie Precious selbst, jedenfalls wenn man nach den tatsächlichen Konsequenzen einer solchen Bestandsanalyse fragt. Dennoch - Precious stellt wichtige Fragen, nämlich die nach der Zukunft in einer Gesellschaft, die immer dramatischer in Reich und Arm, ohne irgendetwas dazwischen, zerfällt. Dummerweise erinnert mich Precious an eine CharityGala für Superreiche - irgendwie entlastet der Film eher, als das er nach Konsequenzen fragt.

  • Regisseur:    Lee Daniels
  • Drehbuch:     Geoffrey Fletcher Sapphire (Autor)
  • Mariah Carey    Mrs. Weiss
  • Lenny Kravitz    John
  • Mo'Nique        Mary
  • Paula Patton    Miss Rain
  • Sherri Shepherd    Cornrows
  • Angelic Zambrana    Consuelo
  • Stephanie Andujar    Rita



"Brooklyns Finest" Fazit:

"Brooklyn's Finest" erzählt die Geschichte dreier Cops in Brooklyn: Eddie Dugan hat nur noch ein paar Tage bis zur Pensionierung, ausgerechnet in seiner letzten Woche muss er einen neuen anlernen. Tango ermittelt undercover in Brookylns Drogenszene. Sal ist Mitglied eines Spezialkommandos, welches die Umschlagplätze überwacht um das Drogengeld zu beschlagnahmen. Brooklyns Finest ist ein absolut sehenswerter Cop Film, der dieses Genre an seine momentan möglichen Grenzen im MainstreamKino heranführt. Kein anderer "MainstreamCopThriller" ist derart "rotten". Man hat den ganzen Film über das Gefühl es werde niemals Tag, es sei immer Nacht. Dramaturgisch haben wir ein gleichberechtigtes Dreieck mit den Protagonisten Eddie, Sal, Tango, die sich ohne es selbst zu bemerken aufeinander zu bewegen, sich dann auch tatsächlich räumlich begegnen. Dieses Dreieck entwickelt eigentlich einen Episodenfilm, dessen Zentrum irgendwo im NYPD liegen muss. Nicht "Pulp Fiction" sondern "Short Cuts" stand hier Pate. Insbesondere die verschachtelte Story, die ein namenloses Räderwerk erzeugt, Kettenreaktion auf Kettenreaktion folgen lässt, beeindruckt hinsichtlich ihrer Stringenz, Dynamik und Präzision. Gut und Böse existieren nicht mehr, gut öder böse nivellieren sich vor dem Hintergrund des kapitalistischen Existenzkampfes, der nur Verlierer kennt.

"Brooklyn's Finest" - das ist wahrscheinlich der "Markenname" des reinsten Cracks in der Stadt, zu einem anderen Ergebnis kann man eigentlich nicht kommen.

  • Regisseur    : Antoine Fuqua
  • Drehbuch: Brad Kane, Michael C. Martin
  • Wesley Snipes    Caz
  • Ethan Hawke    Sal
  • Will Patton    Lieutenant Bill Hobarts
  • Vincent D'Onofrio    Carlo
  • Richard Gere    Eddie Dugan
  • Don Cheadle    Tango
  • Lili Taylor        Angela
  • Robert John Burke    Trooper Scarborough

 







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