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21. 09. 2014
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"Einfach zu haben" Zutatenliste HighSchoolKomödie


15.11.2010 22:26 von:


(TB) "Einfach zu haben" ist der was weiss ich wievielte  Adoleszenzfilm mit dem Schwerpunkt Schule - oder eine "High School Komödie" (HSK).
Diemal sind erneut sämtliche Grundzutaten  der HSK-Einkaufsliste vorhanden:

  • 750 Tonnen: "Happy End"

 

  • 1000 Gramm: Sex, auch mal tragisch - seit Werther immer wieder Adolessenz Thema Nummer Eins (vielleicht auch schon vor Goethe).

 

  • 150 Gramm: Die Rattenfängerin der Schule, quasi die Vorsitzende des wichtigsten Vereins,  meist auch sehr engaiert in der SchülerVertretung und sonstigen Machtpositionen, meist keusch, oder verzogen aus stinkreichem Elternhaus, hat die Gabe zur Manipulation, kollaboriert meist mit dem Lehrpersonal.

 

  • 100 Gramm: Verwirrung um der Verwirrung willen.

 

  • 100 Gramm: Girlie Clique mit besten Freundinnen, die zu besten Feindinnen werden und wieder zurück

 

  • 100 Gramm: Grenzdebile Jungs, weil im Vergleich zu den Mädchen unreifer, nur irgendwie dabei sein müssen, weil es ohne sie auch nicht geht.

 

  • 100 Gramm: Vetrauensleher, cooler Lehrer, strenger Rektor.

 

  • 50 Gramm: Literarischer Bildungsroman des frühen 20. Jahrhunderts, oder älter

 

  • 50 Gramm: Aussenseiter/Insider

 

  • 50 Gramm: Eltern, mal so mal so, plus der distanzierte kleine Bruder

 

  • Und eine Priese "Depression" und Weltschmerz, sowie (NEU!) einige Teeaufgüsse.



Damit lässt sich jede HSK anrühren (sogar die Unerreichten: "Willkommen im Tollhaus" und "Storytelling"), so auch "Einfach zu Haben".

Doch die Zubereitung macht den Unterschied, und die ist in diesem Falle keineswegs so plump wie das in der Regel der Fall ist. Eigentlich geht es in "Einfach zu haben" darum auf dem Schulhof einen Mikrokosmos der desillusionierten US-Gesellschaft zu entdecken. Eine Gesellschaft, die irgendwo zwischen "Tea-Party" und "Yoga-Übung", plötzlich bemerkt, dass sie einen "afroamerikanischen" Anteil hat, von dem sie nicht so genau zu wissen scheint, wo er herkommt, den sie aber dennoch zum knuddeln gern hat. Jedenfalls wenn er als kleiner süßer Lockenkopf daherkommt, nicht als muskelbepacktes Sexobjekt einer literarischen Fantasie.

Olive hat, typisch für die meisten HSK, wie alle Mädchen ihres Alters nur eins im Kopf:  Wie werde ich endlich zur "Altfrau"? Die einen lösen diesen Konflikt ganz neumodisch mit "Tea-Party-Gelöbnis" und "Go down Moses" Gospel unter dem Dach des Schulhofpavillions, so Olives Widersacherin

(Beste Freundin<->Beste Feindin) Marianne, Antipode.

Olive hat ein Problem, es geht das Gerücht sie hätte "es" bereits getan, sie hat es aber nicht, sie will es wohl auch garnicht. Irgendwie gefällt es ihr aber, dass alle glauben, dass sie "es" getan hat. Einer der Schlüsselsätze, jedenfalls in der deutschen Synchronisation, ist: "Gerüchte nützen nie dem von dem Sie handeln, sondern der Gerüchteküche". Darum also geht es wirklich, die beschleunigte Realität des Gerüchts, das sein Dasein nicht nur im Gespräch der Nachbarn beim Einkauf an der Kasse, oder im ewigen Schulhofgeschnatter fristet, sondern auch bei den professionellen Gerüchtenetzwerken, also den "Visagenschmökern" unserer Zeit. All diese Möglichkeiten nutzt Olive geschickt für ein Schulhofgeschäftsmodell, sie lässt sich dafür bezahlen, dass sie es zulässt, dass die Jungs Gerüchte über sexuelle Beziehungen zwischen ihnen und Olive streuen. Die Jungs wollen damit vom dicklichen Mauerblümchen zum Travolta mutieren, oder vom "Schwulen" zum "Hetero" "befördert" werden, weil die Diskrminierung der Mitschüler doch arg nervt. Je länger wir in die Gerüchteküche der HighSchool eintauchen, umso irrealer erscheint eigentlich alles: Olives chronisch verständnisvollen, dabei aber dennoch witzigen Eltern, der Hard.Core.Tea.Party.Typ mit Chlamydien, Marianne, die "Vorsitzende" der Schulhof "Tea-Party", die, natürlich, auch mit den Lehrern kollaboriert, und dabei zum Heftmonster im Sekretariat der Schule wird. "Sex" selbst wird schließlich zu einer virtuellen Angelegenheit, und eigentlich sind alle froh, dass sie ihn eigentlich garnicht haben. Für prüde US-Verhältnisse ist das manchmal schon der reinste "Fake-Porno", der dann aber durch die 750 Tonnen "Happy End", mit hübsch keuscher und nicht stattgefundener SexSzene, bzw. auf die kommende mögliche Ehe vertagte, endet - ach und ja die eigene Mutter war auch mal ein steiler Zahn usw., das kennt man. Ja der Film ist anschaubar, denn in gewisser Weise überführt er die HSK in ein grotesk- charmantes Genre. Was mir persönlich allerdings gefehlt hat war der via "Visagenschmöker" ausgerufene Amoklauf, der dann mit Wasserpistolen stattfand, nein, soweit sind die Amerikaner dann doch noch nicht, und so bleibt "Einfach zu haben" ziemlich seichtes Amusement, allerdings auf einem richtungsweisendem Weg der "HSK", dabei durchaus witzig.

Regie: Will Gluck, Buch: Bert V. Royal

Mit: Emma Stone, Penn Badgley, Amanda Bynes, Dan Byrd, Thomas Haden Church, Patricia Clarkson, Cam Gigandet und andere.

Film in der IMDB

 







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