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26. 10. 2014
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Kölner Damenteam dreht Film über Transgender


24.08.2010 15:46 von:

Schlagwörter: Köln,ZDF,Kleines Fernsehspiel,Dreharbeiten,Transgender,Genre,Regisseurin,Romeos

In den vergangenen Monaten sind Filme über Transsexuelle (besser Transgender) in Mode gekommen. Allerdings bleiben die filmischen Werke über solche Themen meistens im Klischeehaften stecken. Sie zeigen zwar phantasievolle Kostüme und skurrile Typen, bleiben aber in der Handlung an der Oberfläche. Das wollen die beiden Produzentinnen Janna Velber und Kristina Löbbert vom Kölner Startup Boogiefilm ändern. Ihr neuer Spielfilm "Romeos [AT]" spielt in Köln und zeigt die Geschichte des jungen und rebellischen Lukas (gespielt von Rick Okon). Als er wegen seiner Zivildienststelle nach Köln kommt, wird er in einen Strudel der Gefühle gerissen. Gefangen in einem weiblichen Körper unternimmt er alles, um sich nach außen als Mann zu geben. Ãœber seine alte Schulfreundlin Ine (gespielt von Liv Lisa Fries) lernt er den attraktiven "Macho" Fabio (gespielt von Maximilian Befort) kennen. Auch der hat einige Brüche in seiner Biografie. Eigentlich fühlt er sich zu Männern hingezogen, spielt jedoch vor seiner eigenen Familie den Hetero-Macho mit Tussi-Freundin und derben Hetero-Kumpels. Im Laufe der Handlung kommen sich die beiden Hauptdarsteller aber trotzdem näher und zeigen dabei die Vielschichtigkeit menschlicher Gefühle in einer doch nicht so toleranten Gesellschaft, die klare Rollenbilder bevorzugt und so die Protagonisten von einer Gefühlswallung in die nächste stürzt. Der Film endet mit der Hoffnung, dass die beiden doch als Freunde zusammenfinden, mehr wurde aber nicht verraten.

Der Film, der an verschiedenen Orten in Köln gedreht wurde, ist das Langspieldebüt von Regisseurin Bernardi, Absolventin der renommierten internationalen Filmschule Köln. Sie wurde bereits mit einer Dokumentation über das Leben von Transgender in der Szene bekannt und mehrfach ausgezeichnet. Und schon während ihrer Studienzeit lernte sie die Prodzentin Velber kennen. Beide haben bereits während ihrer ifs-Zeit an Projekten zusammengearbeitet. Und mit einem Budget von rund 650.000 Euro (315.000 Euro kommen von der Filmstiftung NRW) will das Damenteam den Stoff nun auf die Leinwand bringen. 23 Drehtage sind angesetzt, Ende Oktober soll der Schnitt geschafft, im Januar 2011 auch die Postproduktion abgeschlossen sein. "Noch haben wir keinen Verleih, aber wir wollen den Film in die Kinos bringen", erklärte Produzentin Löbbert im heutigen Pressegespräch. Der Stoff dafür liegt bereits seit 2007 vor und hierfür erhielt Bernardi bereits den Kölner Drehbuchpreis 2007. "Der Film passt in unser Förderschema. Das Thema ist schwierig und spannend und zeichnet sich durch seine hohe Authentizität aus", begründete Anna Fantel von der Filmstiftung das finanzielle Engagement ihres Hauses. Als Glück bezeichnen die Verantwortlichen dabei die Besetzung. Mit Okon als Hauptdarsteller und den beiden anderen Jungschauspielerin fand das Besetzungsbüro von Iris Baumüller den passenden "Cast" für ihr Filmprojekt. Besonders für den 21-jährigen Schauspieler Okon, der bereits in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen sein Können unter Beweis gestellt hat, stellt die Rolle eine Herausforderung dar.

Um seine Rolle auch visuell glaubwürdig zu transportieren, halfen die Filmemacherinnen jedoch nach. Mit einer so genannten SXF-Maske wurden dem Hauptdarsteller weibliche Geschlechtsmerkmale aufgetragen, die täuschend echt aussehen. Auch sonst halfen die Maskenbildner mit künstlichen Rundungen um Brust und Hüfte nach. "Für die Rolle war Einiges an Recherche notwendig", räumte der Schauspieler am heutigen Pressegespräch in einer Kneipe im Kölner Stadtteil Ehrenfeld ein. Allerdings habe er sich dabei auch auf seine Intuition verlassen, so Okon weiter. Mit ihrem Werk und den bekannten Jungdarstellern wollen die drei Medienschaffenden aber nicht nur eine Nische bedienen. "Der Film richtet sich nicht nur an eine Randgruppe sondern soll auch heterosexuelle Menschen ansprechen", versicherte Produzentin Velber.

90 Minuten Länge soll der Film haben. Als Ko-Produzent und Finanzier tritt die ZDF-Redaktion "Der kleine Fernsehfilm" auf. Auch hier überzeugte der sensible und authentische Umgang der Regisseurin und Drehbuchautorin mit dem Thema. Bislang, so betonten die drei, gebe es kaum Filme zu diesem Thema, zumal keine, die diese Tiefe besitzen. Der Film lebt dabei von seinem ständigen Wechsel des Erzähltempos. Hektische Sequenzen mit rasch wechselnden Bildfolgen und treibendem Sound (extra komponiert von Claas Berger) und einfühlsame Passagen, die die Gefühlswelt der Protagonisten verbildlichen sollen, lösen einander ab. So soll ein filmisches Werk entstehen, dass als Vorreiter in Sachen Transgender- und Gay-Community gelten kann. Dabei ist es doch eigentlich nur eine "Liebesgeschichte", wie Regisseurin Bernardi meint. Allerdings eine mit Tiefgang.







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