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21. 04. 2014
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My Son, My Son, What Have You Done


24.11.2009 15:49 von:

Schlagwörter: Kino, Werner Herzog, David Lynch, Prognose, Willem Dafoe, San Diego,

(TB) Sie haben es getan, und meiner bescheidenen Meinung nach war es unvermeidbar, David Lynch ist Produzent und Werner Herzog ist Regisseur von "My Son, My Son, What Have Ye Done". Werner Herzog ist ein Regisseur der mit Filmen wie "Fitzgeraldo", "Cobra Verde", "Nosteferato" oder "Aguirre, der Zorn Gottes" tief in die Abgründe menschlicher Obsessionen eingedrungen ist. Auch in seinen Dokumentarfilmen wie "Little Dieter Needs to Fly" oder "Encounters at the End of the World" zeigt Herzog Extreme, Entdeckungen oder Menschen die in besondere Situationen geraten.

Sein bevorzugter Schauspieler war Klaus Kinski, jener unvergessene Meister des Wahnsinns, der in atemloser Brutalität nichts als sich selbst spielte und so die ihm zugedachten Rollen mit einer tiefen und reissenden Emotionalität ausstattete, die man liebt oder hasst.

  David Lynch machte es eben so, "sein Kinski" war z.B. Hopper in "Blue Velvet". Da wo die Bilder Herzogs einen manisch-poetischen Realismus heraufbeschwören, wie in der Flussfahrt in Fitzgeraldo, da begibt sich Lynch, der Maler, durch Licht und Farbe in einen Reigen traumatisch-glatter Oberflächen in denen sich die Abgründe der Protagonisten in tausenden Spiegelscherben brechen, bis die Reflecktionen das abgefilmte Setting zu überlagern scheinen. Lynchs Kino ist formal und inhaltlich höchst komplex, bisweilen scheinbar verwirrend, es ist genuine, es übersetzt eine vorgefundene Realität immer in eine extrem künstliche detailreiche Innenwelt. "Inland Empire" ist so nicht nur ein Titel, sondern eine Begrifflichkeit, die abstrakte Heimat und Fluchtpunkt des Lynchen Kinos zugleich ist.  

Die Filme beider Regisseure handeln von einer quälenden Heimatlosigkeit der Protagonisten, niemals steht etwas still, ständig bewegen sich die Helden auf einen Nukleus zu, der scheinbar tief im Inneren der traumatischen Welt der Protagonisten verborgen ist, und sogleich verschwindet, wenn sie sich ihm nähern. Da wo Lynch mithilfe poetischer Abstraktion Bilder für die Innenwelten sucht und findet, da zeigt Herzog in seinen poetisch-realistischen, manchmal expressionistischen Frames die Dynamik der Verzweiflung, wenn seine Helden an den aberwitzigen Zielen, die ihnen von ihren Obsessionen aufgezwungen werden, letztlich scheitern.

Wenn dies die formalen Grundlagen der beiden sind, dann kann man annehmen, dass, mit ein wenig Glück, diese Zusammenarbeit wirklich fruchtbar sein muss.

Herzog hat nicht die geringsten Probleme damit in "My Son, My Son, What Have Ye Done" mit angloamerikanischen Bildoberflächen und Schnitten zu spielen, die auf den ersten Blick weicher scheinen als in seinen europäischen, poetisch-realistischen Filmen. Ja Herzog gelingt es die amerikanischen Oberflächen in seine Sprache zu integrieren, ohne die geringsten Abstriche zu machen. Der Lichtsetzung allerdings ist anzusehen, dass hier eine Kooperation, oder Diskussion stattfand, denn vor allem dieses schimmernde, scheinbare "Selbstleuchten" der Gegenstände, das Diffuse, was zu einer brillianten Klarheit wird, die dauernde nur vermutete Dunkelheit der Bilder, dies ist im besten Sinne von Lynch mitinspiriert.
Ach ja - worum geht es eigentlich in "My Son, My Son, What Have Ye Done" ? Zwei Polizisten werden zu einem Einsatz in die endlosen Vorstadtbezirke San Diegos gerufen. Es stellt sich heraus, daß Brad McCullum (Michael Shannon) seine Mutter mit einem Schwert erschlagen hat. Als die Polizisten Havenhurst (Willem Dafoe) und Rice (Michael Peña) an den Tatort kommen, erschließt sich in komplexen Rückblenden welche bizarren Verwicklungen und Wendungen Brad zu seiner Tat getrieben haben. Ingrid Gudmundson (Chloë Sevigny) die Verlobte Brads berichtet den Polizisten was geschah, während dieser sich mit zwei Geiseln im Haus gegenüber verschanzt hat.

"My Son, My Son, What Have Ye Done" ist eine bizarre Tragödie. Man darf gespannt sein - der Film wird voraussichtlich erst 2010 in die Kinos kommen, lief bereits in Toronto, und wird in ausgewählten Kinos der USA im Dezember 2009 zu sehen sein. Mit der abschließenden Kritik warten wir also noch ein wenig (leider).

 





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