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3. 09. 2014
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Plastic Planet


10.02.2010 15:08 von:

Schlagwörter: Plastic Planet, Werner Boote, Dokumentarfilm, Umwelt

Weltweit werden im Jahr fast 240 Millionen Tonnen Kunststoffe aus rund „nur“ 4 Prozent der weltweiten Erdölproduktion hergestellt. „In Europa werden heute etwa 60 Millionen Tonnen Plastik produziert. das sind etwa 25% der globalen Zahlen.“ (John Taylor, Präsident von Plastics Europe, Zitat aus „Plastic Planet“)

  Die Kunststoffindustrie macht 800 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Allein in Europa verdienen mehr als eine Million Menschen ihr tägliches Brot in der Plastikindustrie. Jeder Industriezweig ist heute auf Kunststoff angewiesen. (zitiert aus „Plastic Planet“)

(TB) Manchmal, so könnte man meinen, ist eigentlich alles nur Plastik. Ein Material der totalen Künstlichkeit, ein Material aus dem sich ein schier unendlicher Formenreichtum herstellen lässt, und schließlich ein Material was uns schon vor der Geburt umgibt. Allerlei nützliche Dinge lassen sich aus Plastik herstellen. Das Plastik nimmt die Form von Gegenständen an, die eigentlich aus einem anderen Material zu sein scheinen. Dabei ist Plastik natürlich nur ein laienhafter Sammelbegriff für eine mittlerweile unglaublich große Anzahl an Kunststoffen:

  • Acrylester-Styrol-Acrylnitril
  • Fluorkautschuk
  • High Impact Polystyrene
  • Polyamid
  • Polybutylenterephthalat
  • Polyetherimid
  • Polytetrafluorethylen

Diese Stoffe wiederum lassen sich in Gruppen einteilen:

  • Thermoplast
  • Duroplast
  • Elastomer
  • Teilkristalline Faser

Doch Plastik ist längst mehr als ein einfacher Stoff, Plastik ist zum Synonym des kapitalistischen Lifestyle geworden. Schnell hergestellt, billig, unendlich formbar, infantiel das Material der Massenproduktion und gleichzeitig ein Symbol für alles unechte, gefakte nur kurzeitig haltbare. Mit einem Wort: Plastik, das sind wir doch eigentlich alle, und seit der Plastinator GUNTHER VON HAGENS durch die Lande zieht, um in seinen "Körperwelten" die plastinierten Körper Verstorbener zu präsentieren, wissen wir auch wo unsere letzte Reise hingeht - wir werden selbst zu Plastik, zum Ewigen Plastinat auf dem "Plastic Planet".

„Plastic Planet“ ist im Stile einer investigativen Doku durchaus unterhaltsam. Regisseur Werner Boote stellt seine eigenen Platikerfahrungen in den Mittelpunkt des Films, er macht sich auf um in "Plastic Planet" die "Spur des Kunststoffes" zu verfolgen. Während des Films werden die Gefahren und Nachteile die die Kunststoffproduktion und der Kunsstoffkonsum mit sich bringt eingehend erläutert, ohne die Vorteile zu verschweigen.

"Plastic Planet" ist kein ideologischer, "grüner" Film. "Plastic Planet" versucht vielmehr  Hintergründe darzustellen, ohne schnelle und einfache Lösungen anzubieten. Als eines der Hauptprobleme des Kunststoff gilt seine lange Haltbarkeit, damit haben wir ein ernstzunehmendes Müllproblem. Millionen Tonnen Plastikmüll fahren bereits in den Strömungen der Weltmeere des "Plastic Planet" gleichsam Karussell. Schadstoffe gelangen in die Nahrungskette. Chemikalien lösen sich aus dem Kunststoff, gehen in den menschlichen Körper über, sind dort aktiv. Dadurch können sie gravierende Gesundheitsschäden verursachen, von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen. Das alles wissen wir seit langem, und doch wird fleissig weiter produziert - warum?

 

Werner Boote begibt sich in "Plastic Planet" selbst vor die Kamera, und da wo er das tut, erinnert er zwar ein wenig an einen "braven" Michael Moore, doch dies hat eher damit zu tun, dass Moores Filme eben eine zeitlang Mode waren. Inhaltlich ist Boote mit seinem Film Moore um Lichtjahre voraus. Da wo Moore nur sich selbst inszeniert und Allgemeinwahrheiten postuliert, erarbeitet Boote mit quirlieger und beinahe kindlicher Neugier ein Themenspektrum, und versteht es dabei fundierte Informationen zu erarbeiten. Dies ist bisweilen ein wenig zu didaktisch, zu nett und gutmenschlich. Im Endeffekt gelingt Werner Boote mit "Plastic Planet" aber ein schneller, guter und informativer Dokumentarfilm für das Kino, den man sich anschauen sollte.

  • Regie und Drehbuch Werner Boote
  • Produzenten Thomas Bogner, Daniel Zuta
  • Ausführende Produzenten Tom Gläser, Ilann Girard
  • Kamera Thomas Kirschner
  • Schnitt Ilana Goldschmidt, Cordula Werner, Tom Pohanka
  • Musik The Orb

Kinostart in diesem unseren Plastikland: 25.02.2010









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