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25. 05. 2012
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Aufregung um Kostenschätzungen für Sanierungsvarianten


16.08.2010 22:39 von:

Schlagwörter: Köln,Opernquartier,Schauspielhaus,Sanierungsvariante,Machbarkeitsstudie,2010,Kri

Die beiden Sanierungsvarianten für die Ertüchtigung von Oper und Schauspiel in Köln werden deutlich teurer als ursprünglich geplant. Im April dieses Jahres hatte die Bürgerinitiative "Mut zur Kultur" mehr als 50.000 Unterschriften gegen den geplanten Neubau des Kölner Schauspielhauses gesammelt und damit die Politik zu einer Rücknahme ihres eigenen Beschlusses gebracht. Nach den Berechnungen des Münchener Fachplanungsbüros theopro sollen die Kosten für die beiden Sanierungsvarianten bei 280 Millionen (für die "Beier-Variante") bzw. 300 Millionen Euro (für die Variante der Initiative "Mut zur Kultur") liegen. Schon die reinen Baukosten für die Sanierung von Oper und Schauspiel lägen demnach bei einem Betrag jenseits der Viertel Milliarde, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Samstagsausgabe. Die Stadt selbst betonte in ihrer heutigen Pressemitteilung, dass diese Zahlen noch von den Fachplanern der Stadtverwaltung geprüft werden müsse. Weil das noch einige Zeit in Anspruch gebe es derzeit auch noch keine schlussgezeichnete Vorlage für den Stadtrat. Die soll nach dem Willen derVerantwortlichen nicht nur geprüft sondern auch mit den bisherigen Berechnungen der Verwaltung vergleichbar gemacht werden, betonte die Stadt.

Nach derzeitigem Planungsstand sollen diese Zahlen bereits zum Ende der Sommerferien (also in spätestens zwei Wochen) vorliegen. Anschließend sollen die beiden involvierten Stadtvorstände Prof. Georg Quander (Kultur) und Bernd Streitberger (Städtebau) eine Bewertung abgeben, bevor die Vorlage den politischen Fraktionen übermittelt wird, hieß es dazu weiter. Nach dem Willen der Stadtspitze soll das Thema Sanierung der städtischen Bühnen auf der Ratssitzung am 7. Oktober wieder auf die Tagesordnung rücken. Zuvor sollen die neuen Zahlen nach der Gegenrechnung durch die Fachverwaltung noch auf der nächsten Sitzung des Runden Tisches diskutiert werden. Angesetzt ist dafür der 1. September 2010. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass es um das weitere Vorgehen in Sachen Bühnen der Stadt heftige Auseinandersetzungen geben werde. So zitierte Kölner Stadt-Anzeiger in einem Online-Artikel vom heutigen Montagmittag den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters mit den Worten: "Die Bürgerinitiative hat uns in ein Desaster geführt." Unterdessen forderten die Vertreter der rot-grünen Ratsmehrheit eine modulare Sanierung bzw. eine Änderung des Raumkonzepts. Das allerdings wird von Roters eher kritisch gesehen. Als eher unwahrscheinlich wird die erneute Diskussion eines Neubauprojekts angesehen. Darin sind sich nach dem Bericht der Kölner Tageszeitung die großen Parteien einig.

Die von der Stadtspitze kritisierte Bürgerinitiative reagierte am heutigen Montag mit einer offiziellen Stellungnahme. Den Vorwurf der Täuschung wiesen die Initiatoren des Bürgerbegehrens entschieden zurück. "Unsere Studie schloss zum Zeitpunkt des Workshops, also unmittelbar vor der entscheidenden Ratssitzung mit 230 Millionen Euro ab, ohne den Neubau der Opernterrassen mit 220 Millionen Euro", erklärte die Initiative auf ihrer Seite. Nach den Berechnungen der Münchener Fachplaner sollen die Baukosten mit 253 Millionen Euro gerade einmal zehn Prozent von der ursprünglich berechneten Summe abweichen. "Eine Treffergenauigkeit, die die Verwaltung bislang nicht erreicht hat", so das Argument der Bürgerinitiative mit dem Verweis auf Kostensteigerungen bei anderen Kulturbauten wie dem Kulturzentrum am Neumarkt. Besonders scharf kritisierten die Gescholtenen ihrerseits Kulturdezernent Quander. Der habe entgegen der getroffenen Verabredung die Kostenangaben an die Öffentlichkeit weitergereicht. "Wir halten dieses Vorgehen eines zum Wohl der Stadt Köln verpflichteten Dezernenten für verantwortungslos."


Kommentar: Tragödie und Drama in einem

Nun ist die Katze aus dem Sack. Oper und Schauspiel werden teuer, deutlich teurer als ursprünglich erwartet. Die nun genannten Zahlen zu den Kosten für die beiden Sanierungsvarianten zeigen, dass die Hoffnung auf deutliche Einsparungen gegenüber der Neubaulösung trügerisch waren. Oder waren sie es doch nicht? So wird die günstigste Sanierungsvariante inzwischen fast genau so teuer wie der ursprünglich anvisierte Neubau mit seinem festgelegten Kostendeckel von knapp 300 Millionen Euro. Ob diese Grenze aber tatsächlich eingehalten worden wäre, steht ebenso wenig fest wie die Einhaltung des nun ermittelten Kostenrahmens. Die von vielen erhoffte deutliche Korrektur wird es aber nicht geben.

So wenig wie die öffentlich geäußerte Entrüstung der Stadtspitze ist auch die Relativierung der Mehrkosten durch die Initiative hilfreich. Den Mitarbeiterinnen einer Kindertagesstätte oder den Empfängern von Sozialleistungen dürfte nur schwer zu vermitteln sein, warum eine Differenz von mehr als 20 Millionen Euro bei den voraussichtlichen Baukosten nur "peanuts" sein sollen. Den Befürwortern der Neubaulösung musste schon im April klar gewesen sein, dass die Sanierungsvarianten keineswegs zum Nulltarif zu haben sind. Das Drama um die Hochkultur in Köln geht also in die nächste Runde. Es liegt an den Beteiligten, ob sie daraus eine Tragödie machen.







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