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25. 05. 2012
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Der Wunsch der Künstler nach Freiräumen


27.09.2010 05:44 von:

Schlagwörter: Köln,Clouth,Gentrifizierung,Cap Cologne,Streitberger,Tepel,Kunstwerk,Immobilien,

(js) Ganze Stadtviertel verkommen, Industriegebäude stehen leer. Künstler kommen, erobern die Freiräume, päppeln das Umfeld auf. Das lockt andere an, Menschen mit Geld kommen – und plötzlich stören die Künstler. Gentrifizierung lautet das Modewort für diese Entwicklung. Sie passiert in Hamburg, in Berlin, in New York. Und in Köln. "Kunstlabore in der Stadt" lautete der Titel einer Podiumsdiskussion im Rahmen von plan 2010. Wie geht Köln mit diesen Freiräumen um, war das Thema. Etwas mehr als ein halbes Hundert Kulturinteressierte hatte dazu am Sonntag Vormittag den Weg in die Opernterrassen gefunden.

Der Beginn der Veranstaltung mag für den Umgang des offiziellen Köln mit der freien Kunstszene symbolisch erscheinen. Zunächst stand man vor verschlossenen Türen. Als endlich der Schlüssel per Taxi kam, konnte mit Verspätung angefangen werden. Die Diskussion war dann sehr dicht und überraschend sachlich – wenn auch am Ende keine Lösung stand, sondern lediglich der Appell an Verwaltung und Politik, Kultur ernster zu nehmen, und von Moderator Gerhart Baum, dem ehemaligen Bundesinnenminister, an die Künstler, für ihre Interessen zu kämpfen.

Als roter Faden zog sich das Beispiel der Künstler auf dem Clouth-Gelände durch die Diskussion. Da habe die Stadt doch in den letzten Jahren einiges gelernt, lobte Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger die Kölner Stadtverwaltung. Nach anfänglichen Tabula-rasa-Vorstellungen sei man heute bereit, die Künstler dort zu halten. Zwar wurde ihnen zum März nächsten Jahres gekündigt, doch wurden allen Ersatzateliers besorgt, deren Miete zum Teil auf zwei Euro pro Quadratmeter heruntersubventioniert wird. In drei Jahren – wenn das Gelände dann entgiftet und mit 600 statt 1.000 Wohnheiten und neuen Kunsträumen bebaut sei – könnten die Künstler wieder dort einziehen. "Dann wird die Miete aber kaum unter 4 Euro kosten können", stellte Podiumsdiskutant Streitberger klar. Und warnte zugleich: "Das wird dann wohl eher glattgebügelte Kunst sein". Ob die Forderung der Künstler, bei der Planung der neuen Ateliers beteiligt zu werden und dadurch möglicherweise die Kosten senken zu können, bleibt abzuwarten.

Dass solche Freiräume, die sich Künstler (und andere Bürger) erobern und entwickeln, für eine Stadt und deren Image wichtig seien, darüber herrschte Einigkeit. In Köln gibt es dafür einige Beispiele. Etwa das KunstWerk in Deutz, wo sich rund 150 Künstler nach anfänglichem Widerstand eine ehemalige Gummifadenfabrik angeeignet und endlich einen Erbpachtvertrag erkämpft haben. In grauer Vorzeit gescheitert: die Selbstverwaltung der Stollwerck-Schokoladenfabrik. Noch nicht ganz so lange her ist die Vertreibung der Künstler vom Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk in Nippes. Die Tage der Brachflächen-Idylle des Künstlers Tepel im Schatten des Justizturms an der Luxemburger Straße sind ebenfalls gezählt. Was aus dem jüngsten Fall, dem geplanten autonomen Kulturzentrum an der Wiersbergstraße wird, ist ungewiss. Als erfolgreiche Privatinitiativen wären u.a. die Fuhrwerkswaage in Sürth oder die Moltkerei zu nennen.

Das alles waren oder sind mehr als nur wichtige und preiswerte Arbeitsplätze für Künstler. Es sind zugleich wichtige kulturelle und soziale Zentren. Ute Bartel, Vorstandsmitglied bei CAP Cologne vom Clouth-Gelände) zitierte er Auflistung von acht solcher Kölner "Kulturlabors": Die haben danach von Anfang 2009 bis jetzt zusammen 160 Veranstaltungen angeboten und dazu 40.000 Besucher angelockt. Mehr davon wäre also nicht schlecht. Wo aber gibt es in Köln Immobilien, die zumindest für eine gewisse Zeit "frei" sind? Ulrich Soénius, Geschäftsführer IHK Köln und für die CDU beratendes Mitglied im Kulturausschuss, versprach dazu Immobilienmakler anzusprechen. Gleichzeitig verlangte er von den Künstlern, sich hinsichtlich von Mietdauer flexibel zu zeigen.

Doch ob sich so der "kapitalistische Kreislauf", so ein Zuhörer, der Gentrifizierung durchbrechen lässt, blieb letztlich offen. Will Köln allerdings sein Image als "Kunst- und Kulturstadt" zurückgewinnen, mahnte Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg in Mönchengladbach, keine Strukturen zu zerstören, womit sie auf allgemeine Zustimmung stieß. Ebenso mit der Warnung, in der aktuellen Spardebatte Soziales nicht gegen Kultur und bei der kultur nicht freie Szene nicht gegen Oper und Schauspiel auszuspielen.

Zum Schluss goss Streitberger noch ein bisschen Öl ins Feuer. Zunächst listete er auf, was eine Stadt an Infrastruktur alles leisten müsse, etwa für Verkehr, Wohnen, Grünanlagen, Bildung und Soziales. Und Kultur. Allerdings wundere er sich, dass die Kunst einerseits frei sein wolle, andererseits von der Stadt fordere "Du musst für mich sorgen!". "Jeder hat auch Verantwortung für sich selbst", stellte er fest. Der Protest im Publikum hielt sich in Grenzen.







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