25. 05. 2012
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Hochkultur soll in die Stadtviertel
In den elf Bürgerzentren der Domstadt werden voraussichtlich bereits nach den Sommerferien erste konkrete Projekte vorangetrieben, „um die hohe Kunst in die Stadtteile zu tragen“, erklärte Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander heute während einer Pressekonferenz im Bürgerzentrum Stollwerck.
Gerade die jüngsten Diskussionen um die hohen Kosten von Spitzenkultur
haben ihn dazu bewogen, die Basis der potentiellen Nutzer von
Kunstformen wie Schauspiel, Oper oder Orchester verbreitern zu wollen.
Sozialdezernentin Marlis Bredehorst, unter deren Sozialamt die
Bürgerzentren betrieben werden, hatte die Idee zu dieser Form der
Zusammenarbeit. Sie basiert auch auf der Vorstellung, mit der
Bereitstellung solcher Angebote neue Bevölkerungsschichten an die
„Hochkultur“ heranzuführen. Die Idee der Vernetzung beider Dezernate
und ihrer Angebote ist damit eine klassische „win-win“-Situation.
Hinzu kommt, dass „alles das, was die Politik derzeit neu entdeckt, in
den Bürgerzentren bereits stattfindet“. Insbesondere das vielfältige
bürgerschaftliche Engagement wird in den elf Bürgerzentren quer durch
alle sozialen Schichten hindurch praktiziert. Zudem könnte die
Kooperation zu einer neuen „Kultur der Zusammenarbeit“ innerhalb der
Stadtverwaltung führen. „Die gab es nämlich bisher noch nicht“, so
Bredehorst weiter.
Erste Angebote der Kölner Kulturinstitutionen Schauspielhaus, Oper und
Gürzenich-Orchester liegen bereits vor. So plant das
Gürzenich-Orchester ein gestaffeltes Kinder- und Jugendangebot in vier
Kölner Bürgerzentren. Die Idee ist ein „Improvisations-Workshop“ zum
Thema „Bilder einer Ausstellung“, einem Werk des Komponisten Modest
Mussorgsky. In Gruppen von bis zu 15 Kindern und Jugendlichen zwischen
8 und 16 Jahren sollen in den kommenden Herbstferien kreative Ideen bei
der musikalischen Improvisation klassischer Werke ausprobiert werden.
Krönung dieses Angebots ist der Besuch der Generalprobe des Orchesters
in der Philharmonie am 21. Oktober dieses Jahres. Gleich vier Ideen für
eine mögliche Zusammenarbeit in der Zukunft brachte das Schauspielhaus
ein. Mehrere Theaterstücke, die bereits im „Erfrischungsraum“ des
Schauspielhauses inszeniert wurden, sollen dabei in den Bürgerzentren
aufgeführt werden.
Zu den genannten Werken zählen u.a. Harold Pinter’s
„Alte Zeiten“ und das „Ein-Mann-Stück“ „Welche Droge passt zu mir?“ von
Kai Hensel. Daneben denkt Ulrike Köhler vom Schauspielhaus an szenische
Lesungen, theaterbegleitende Workshops und eine Präsentation des
hauseigenen Jugendtheaterclubs mit Training- und Castingstunden. Oliver
Binder von der Kölner Oper schließlich stellte die erste Projektidee
seines Hauses vor – die Aufführung von Antonio Sallieris Oper „La
cifra“. Die Premiere dieses Stücks soll bereits im Juni 2006 aufgeführt
werden und wird in der kommenden Spielzeit im Herbst ins offizielle
Opernprogramm übernommen. Die Aufführungen werden dezentral in den
interessierten Bürgerzentren aufgeführt. 5 Bürgerzentren haben hierzu
konkretes Interesse bekundet, zwei Veranstaltungen sind bereits fest
eingeplant.
Im weiteren Verlauf sollen aber auch die Kölner Museen und in einem
dritten Schritt auch die vielen vom Kulturamt betreuten freien Künstler
an die Bürgerzentren vermittelt werden. „Kultur- und Sozialpolitik sind
dabei zwei Seiten einer Medaille“, so Quander mit Blick auf die
vergangenen Diskussionen weiter. Beide Dezernate sind bestrebt, die Initiative angesichts der
angespannten Finanzlage der Stadt möglichst kostenneutral zu halten.
Anfallende Unkosten z.B. für den externen Aufbau von Bühnen und Technik
soll, so sieht es der Plan vor, über ein Einnahmemodell hereingeholt
werden. Die Eintrittspreise für die verschiedenen Angebote vom Workshop
bis zur externen Uraufführung stehen zwar noch nicht fest, sollen aber
bezahlbar bleiben. Der Leiter des Bürgerzentrums Stollwerck Reinhardt
Eggert denkt dabei an eine Preisspanne zwischen 5 und 10 Euro pro
Veranstaltung. Eine Vorgabe der Stadt soll es, so versicherten
Bredehorst und Quander unisono, aber nicht geben.

























