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25. 05. 2012
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Japanisches Schwert: Vor 65 Jahren in Köln gestohlen, jetzt zurückgegeben


07.12.2011 20:07 von:

Schlagwörter: Köln,Schwert,GI,Rautenstrauch-Joest-Museum,Museum für ostasiatische Kunst,Invasi

(ehu) Am Anfang stand die Suche des Enkels nach dem Schicksal seines Großvaters. Am Ende wurde ein japanischen Schwertes gefunden. Gestohlen von einem GI 1945 in Köln. Jetzt kehrte es aus den USA zurück, zurück ins Rautenstrauch-Joest-Museum. Dem hatte es 1909 ein Kölner Ingenieur geschenkt, der lange in Japan gearbeitet hatte. Weil das Museum aber keinen Japan-Experten hat, überließ es dessen Direktor Klaus Schneider „auf dem kleinen Dienstweg“ seiner Kollegin vom Museum für Ostasiatische Kunst „auf dem kleinen Dienstweg“. Da ist es jetzt in der aktuellen Sonderausstellung „Goldene Impressionen“ mit japanischer Malerei zu sehen.

Abraham Raphael, der „Entdecker“ des Schwerts, war persönlich nach Köln gekommen, um die Waffe dem Museum zurückzugeben. Nicht von ungefähr am 7. Dezember, dem Jahrestag des japanischen Überfalls auf Pearl Harbour 1941. Denn an diesem Tag fing alles an. In einer sehr persönlichen Rede erzählte Raphael die Geschichte.

Der Großvater wurde drei Tage nach dem D-Day von deutschen MG-Schützen erschossen

Schon einen Tag nach Pearl Harbour meldete sich Abraham Raphael zur Armee, ließ Frau und einen drei Monate alten Sohn zurück. Er kam nach Europa, fiel drei Tage nach der Invasion in der Normandie. Was genau geschah und wo er begraben wurde, das wusste keiner. Ende der 1990er Jahre hatte Abrahams Vater herausgefunden, in welcher Heereseinheit sein Vater kämpfte. Bei einem Veteranentreffen traf er zwei Ex-Soldaten, die ihm vom Tod ihres Kameraden erzählten. Er wurde drei Tage nach dem D-Day von deutschen MG-Schützen erschossen, die sich angeblich ergeben wollten.

Wenig später schaltete sich Abraham Raphael ein. Er hatte Kameramann gelernt und wollte nun ein Zeugengespräch mit Marvin Dossey, einem der beiden Ex-Soldaten, filmen. Der zeigte ihm das japanische Schwert, dass er als „Kriegssouvenir“ aus einem Bunker in Köln hatte mitgehen lassen, in dem ein Teil der Kölner Museumsbestände gelagert waren. Solche Diebstähle waren damals durchaus üblich.

Viele gespräche waren nötig, damit der GI das 1945 gestohlene Schwert wieder zurück gab

Raphael ließ die Geschichte des Schwerts nicht mehr los. Er forschte nach, nahm Kontakt mit Museumsdirektorin Schlombs auf. Selber Jude, beschäftigte er sich mit der Geschichte des Museums, in der auch Juden eine wichtigen Rolle gespielt hatten. Nun bat er Dossey noch einmal, das Schwert nach Köln zurückzugeben. Vergeblich. Doch Raphael gab nicht auf, es folgte eine „diplomatische Offensive“, in die zahlreiche einflussreiche jüdische Familien eingeschaltet wurden, außerdem ein Freund, der einen Großteil seiner Familie in Auschwitz verloren hatte.

Am Ende hatte Raphael Erfolg. Er saß fast schon zum Rückflug im Flugzeug, wollte aufgeben, als Dosseys Frau ihm mitteilte, dass ihr Mann zur Rückgabe bereit sei. Das gute Ende sieht Raphael als kleine menschliche Friedensmission.

Eine kleine Markierung auf dem Schwert weist es als Besitz des Rautenstrauch-Joest-Museums aus. Woher es genau kommt, soll nun erforscht werden. So viel scheint klar: es stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war wohl auch schon im Einsatz. Darauf deuten kleine Scharten in der Schneide hin, außerdem befinden sich Blutflecken auf einem kleinen Messer, für das es einen extra Platz in der Scheide gibt.

Auch in Kölner Museen werden Kunstwerke auf Herkunft und mögliche Rückgabe überprüft

Das Gegenstück zur Rückgabe des Schwertes ist die „Provenienzrecherche“ in Kölner Museen. Sie soll prüfen, ob Exponate ihren ehemaligen Besitzern von den Nazis „enteignet“ wurden. Solche Stücke sollen den alten Besitzern bzw. deren Nachfahren zurückgegeben werden. Köln erfüllt damit die „Washingtoner Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ aus dem Jahr 1999.

Für diese Forschungsarbeit wurde 2007 auf Antrag der Linken eine Planstelle eingerichtet. Nach einem am Dienstag dem Kulturausschuss vorgelegten Zwischenbericht konnte bei 30 Werken des Wallraf-Richartz-Museums kein Hinweis auf einen „verfolgungsbedingten Verlust“ festgestellt werden. Doch allein in diesem Museum müssen noch über 100 Gemälde und 2.500 Graphiken überprüft werden. Mehrere Gemälde, wie der „Dudelsackspieler“ von Hendrick Terbrugghen, wurden inzwischen zurückgegeben.

 





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