25. 05. 2012
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Kulturdezernent Quander: Oper hat kein Fünf-Millionen-Defizit
(ehu) Peter F. Raddatz war ein sparsamer Chef von Kölns Oper und Schauspiel. Rund sieben Millionen Euro konnte er zurücklegen, weil er sich beim Geldausgeben bremste. Weil nun die Stadt bei Oper und Schauspiel spart, musste auf diese Rücklage zugegriffen werden, um den laufenden Spielbetrieb zu gewährleisten. So stellten es Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander und Patrick Wasserbauer, Geschäftsführender Direktor von Oper und Schauspiel, am Mittwoch dar. Sie sprangen damit Opernchef Uwe Eric Laufenberg zur Seite. Ihn und dessen "Finanzgebaren" hatte der Kölner Stadt-Anzeiger am Montag auf der Titelseite für das Fünf-Millionen-"Gesamtdefizit" verantwortlich gemacht.
"Da die Rücklagen nicht aufgebraucht sind, kann man nicht von einem Defizit sprechen", stellte Quander klar. Ausdrücklich lobte er die "exzellenten künstlerischen Darbietungen", die Oper und Schauspiel unter "schwierigen Bedingungen" liefern. Mit letzteren meinte er vor allem die aktuelle Haushaltssituation der Stadt und die Sanierung der Oper.
Abgerechnet werden kann erst, wenn der Geschäftsbericht 2010/11 vorliegt
Für die "Mehrausgaben" seien je zur Hälfte politische Entscheidungen und die Programmplanung verantwortlich. "Unterm Strich gab es keine Etat-Überziehung durch die Oper", bilanzierte Quander. Allerdings mit dem Hinweis, dass das Geschäftsjahr 2010/11 noch nicht abgerechnet sei. Trotzdem ein indirekter Freispruch für Laufenberg.
Wassenberg erläuterte dann im Einzelnen, wofür die fünf Millionen Euro ausgegeben wurden. 1,4 Millionen, um eine kurzfristige Kürzung der Zuschüsse bei laufendem Betrieb aufzufangen. 700.000 Euro um die Tariferhöhung für die rund 700 Mitarbeiter zu bezahlen. Dazu hatte sich eigentlich die Stadt verpflichtet, sich dann aber aufgrund der knappen Gelder zurückgezogen. Schließlich habe man in Rücksprache mit der Kämmerei eine Million "im Vorgriff" entnommen.
Für 825.000 Euro zur Expo 2010 nach Shanghai? Der Stadtrat sagte Ja
In die Programmplanung fallen 825.000 Euro, die das Gastspiel der Oper mit Wagners-Ringzyklus bei der Expo 201 in Shanghai kostete. Eine Ausgabe, die allerdings vom Rat bewilligt wurde. Schwerer wiegt da schon die überplanmäßige Million, die die Uraufführung von Stockhausens "Sonntag des Lichts" kostete. Oder die 60.000 Euro, die für die technische Einrichtung des Gerling-Saales als Interim-Spielstätte erforderte. Quander zeigte allerdings grundsätzlich Verständnis, dass es in den Wirren des Übergangs bis zur Fertigstellung der Oper zu unvorhergesehenen Ausgaben kommen kann.
Zwar will sich Quander dafür einsetzen, dass die unterfinanzierten Oper und Schauspiel bald wieder die Zuschüsse bekommen, die nötig sind, um das aktuelle Niveau zu halten. "Es wäre en Schilderbürgerstreich, Oper und Schauspiel für viel Geld zu sanieren, und dann den Etat für den Inhalt zu kürzen." Doch so lange nicht mehr Geld da ist, werden beide sparen müssen. Schauspiel-Chefin Karin Beier hat schon ihre Inszenierung von Gorkis "Die Letzten" gestrichen, bei einem weiteren Stück will sie Sparmaßnahmen prüfen.
Oper und Schauspiel müssen noch mit einem gemeinsamen Topf arbeiten
Das macht ein weiteres Problem deutlich: Zu wessen Lasten gehen Ausgaben von fünf Millionen? Zwar sind seit einigen Jahren Oper und Schauspiel Eigenbetriebe der Stadt. Noch aber können sie nicht komplett über einen eigenen Etat Verfügung, da die Teilung des bisher gemeinsam geführten Etats noch nicht abgeschlossen ist. Schwierigkeiten bereitet etwa die "prozentuale Zuordnung" der Werkstätten wie Schneiderei, Schreinerei oder Schlosserei. Diese sollen auch in Zukunft gemeinsam genutzt werden, um Synergieeffekte zu nutzen.
Opernchef Laufenberg jedenfalls fühlt sich nicht verantwortlich für das "Defizit". "Das ist eine Falschmeldung", empörte er sich und will rechtliche Schritte nicht ausschließen. "Will man mich damit fertigmachen, oder geht‘s um die Oper?". Wenn man die abschaffen wolle, könne man das diskutieren – aber "eine schlechte Oper kann Köln nicht brauchen."

























