25. 05. 2012
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Kulturdezernent sieht Kampagne gegen den Projektleiter der Archäologischen Zone
(js) "Da versucht jemand, das Projekt Archäologische Zone zu skandalisieren", weist Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander die Vorwürfe aus den letzten Tagen zurück. Danach sei das Regionale-2010-Projekt gefährdet. Die Rede ist unter anderem von Planungsfehlern, Finanzierungslücken, Informationsmängeln und unzureichender Außendarstellung. Quander vermutet eine "Kampagne" gegen sich und vor allem Projektleiter Dr. Sven Schütte, dessen Absetzung indirekt gefordert wird. Oberbürgermeister Jürgen Roters hatte vor einigen Tagen ebenfalls alle Vorwürfe zurückgewiesen und gleichzeitig eine schnelle fachliche Beurteilung angeordnet. Diese legte der Kulturdezernent am Freitag vor.
Unverständlich ist für ihn demnach, dass sich Land und Regionale-Büro über unzureichende Information beklagten, zumal dies über die Medien und nicht im direkten Kontakt geschehen sei. Stattdessen – so Quander – fänden seit September 2008 regelmäßig alle 14 Tage "Bauherren-Jourfixe" mit Architekten und Planern sowie Vertretern von Stadt, Land und Regionale statt. Allerdings hätten Ministerium und Regionale nur an ein oder zwei von den insgesamt 42 Sitzungen teilgenommen. Trotzdem müssten sie ausreichend und aktuell informiert sein, da regelmäßig ausführliche Protokolle verschickt werden. Diese müsse man allerdings lesen. Von daher sei der Vorwurf unzureichender Information "absurd". Er habe aber Land und Regionale angeschrieben und um Verbesserungsvorschläge gebeten.
Für Verzögerungen bei der Planung und Durchführung machte Quander vor allem den Förderverein für das Jüdische Museum verantwortlich. Der habe sich "nach vollmundigen Zusagen" Mitte 2009 völlig überraschend zurückgezogen. Das habe Zeit und Geld gekostet, zumal der Verein bis heute nicht seinen Anteil am Architektenwettbewerb und den Planungskosten bezahlt habe. Dies sei ein hoher sechsstelliger Betrag. Die daraufhin erforderlichen Neuplanungen, in denen die Stadt das Jüdische Museum nun aus eigener Kraft stemme, habe der Rat dann endlich im April dieses Jahres genehmigen können. Dies sei allerdings mit einem Finanzierungsvorbehalt verbunden. Insgesamt fehlen noch 22 Millionen Euro. Die alte Landesregierung habe noch Hilfe zugesagt, bei der neuen sehe man sich aber "eher auf sich alleine gestellt". Doch man prüfe umfassende Fördermöglichkeiten. Quander geht weiter davon aus, dass das Projekt wie vorgesehen 2013 beendet werden kann.
Das Fehlen einer Ausstellungskonzeption für die Ausgrabungen und das geplante Jüdische Museum – auch dies einer der Vorwürfe – sei der Tatsache geschuldet, dass die Hälfte des Geländes noch gar nicht untersucht worden sei. Fast täglich fände man Neues. Erst vor wenigen Tagen etwa einen mittelalterlichen Schlüssel, der durchaus zur Synagoge gehören könnte, die beim Pogrom von 1349 von den Kölnern in Brand gesteckt wurde. Solche Entdeckungen beeinflussten natürlich die künftige Ausstellungskonzeption. Eine Agentur arbeite zur Zeit an einer neuen Öffentlichkeitskampagne, doch sei die Ausgrabungsstätte vor dem Rathaus ebenso schon jetzt ein Publikumsmagnet wie die regelmäßigen Ausstellungen neuer Fundstücke im Prätorium und die Führungen über das Grabungsgelände. Hier seien bis jetzt 360.000 Besucher gezählt worden, am Grabungsgelände mit ausführlichen Informationstafeln ständen täglich 800 bis 1200 Interessierte.
Ausdrücklich in Schutz nahm Quander den Projektleiter Dr. Sven Schütte. "Er hat hervorragende wissenschaftliche Arbeit geleistet. Vor ihm wollte keiner glauben, dass unter dem Rathausplatz noch so viel zu entdecken ist." Trotz seiner fachlichen Qualifikation dürfte Schütte allerdings nicht zu den beliebtesten Mitarbeitern der Stadt gehören. So wurde er 2003 suspendiert, als im Stadtmuseum ein Streit um anonyme Beschuldigungen gegen den Direktor Werner Schäfke eskalierte. Schütte klagte, gewann, und die Stadt musste die Suspendierung aufheben. Später klagte er gegen die Ernennung von Renate Kaymer zur neuen Stadtkonservatorin. Schütte hatte sich ebenfalls um das Amt beworben und sah sich benachteiligt. Diesmal verlor er vor Gericht. Vor kurzem machte er Schlagzeilen, weil er in einem Brief an die Staatskanzlei gegen die Verleihung des Bundesverdienstkreuz an den ausscheidenden Direktor des Römisch-Germanischen-Museums, Hansgerd Hellenkemper, polemisierte.
Daraufhin distanzierten sich die derzeitigen Kölner Museumschefs und -chefinnen von Schütte, nannten seinen Brief "widerwärtig und denunziatorisch" und unkollegial. Sie weigern sich, künftig in den monatlichen Museumsdirektoren-Konferenzen mit ihm zusammenzuarbeiten. "Eine verständliche Reaktion", so Quander, aber man könne sich seine Kollegen nicht aussuchen. Ob Schütte am nächsten Direktorentreff im November teilnehmen wird, ließ Quander offen. Er müsse erst die Stimmung ausloten.

























