25. 05. 2012
Seite drucken
Kulturzentrum am Neumarkt: Erster Bauabschnitt an Nutzer übergeben
Genau genommen ist ein Teil des Gebäudes sogar schon bezugsfertig. Das
machten die Verantwortlichen am heutigen Montag mit einer
Schlüsselübergabe für den ersten Bauabschnitt deutlich.
Ein Festakt war dabei nicht geplant, es ging eher unspektakulär zu. Bei
einem Pressetermin wurden die Journalisten und Kamerateams über einen
Seiteneingang geführt. Da die Bauarbeiten, insbesondere der
Innenausbau, am neuen Kulturzentrum noch bis Herbst kommenden Jahres
andauern sollen, sollen die vielen Baugerüste und Absperrungen am
Südeingang nicht den Eindruck erwecken, der Zeitplan verzögere sich.
Mit den ersten 3700 Quadratmeter Büro(nutz)fläche wird der nach Osten
gewandte Büroflügel aber bereits in Kürze die ersten Nutzer aufnehmen.
Fenster, Heizung, Verputzung und Anschlüsse, sogar ein parkettartiges
Laminat wurde bereits verlegt. Jetzt müssen nur noch die Tische, Stühle
und Aktenschränke herbei geschafft werden.
Und so zeigten die Verantwortliche trotz trüber Witterung ein erfreutes
Gesicht. Dr. Dagmar Teube, stellvertretende Direktorin des Museums
Schnüttgen, des Rautenstrauch-Joest-Museums sowie des Museumsdienstes
können schon bald ihre neuen Räume beziehen. Als erste werden Teile der
Museumsverwaltung des Schnütgen in die vierte der insgesamt fünf
Büroetagen einziehen. Der Umzug soll noch Anfang Dezember dieses Jahres
vonstatten gehen, wie Tube. Bereits kurze Zeit später, offiziell wurde
als Termin der Jahreswechsel genannt, zieht der Museumsdienst nach. Im
kommenden Frühjahr will dann auch das Rautenstrauch-Joest-Museum mit
dem Umzug seiner Verwaltung vom bisherigen Standort Ubierring in das
neue Domizil einziehen. Neben den 3700 Quadratmetern Büronutzung soll
in dem insgesamt über 23.000 Quadratmeter Bruttogeschoss- und mehr als
15.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassenden Komplex auch tatsächlich
„ein echtes Kulturzentrum entstehen“, wie Prof. Dr. Klaus Schneider,
Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums, bei der kurzen Zeremonie vor
Betreten des neuen Gebäudes ausführte. Den größten Anteil an den reinen
Ausstellungsflächen nimmt dabei das Völkerkundemuseum ein. Alleine
schon der Riesen-Reisspeicher, der im überglasten Foyer des Zentrums
aufgebaut wird, gibt einen ersten Eindruck, wie das Haus zukünftig mal
aussehen könnte. Entbehren sollen die späteren Besucher hingegen
nichts. Dort wo derzeit noch am Verbindungsbau zwischen dem
altehrwürdigen Museums Schnütgen und der neuen Immobilie ein
eingeschossiger Verbindungstrakt errichtet wird, haben die
Verantwortlichen etwas ganz Spezielles vor. Die nach Norden angrenzende
Seite des Neubaus soll mit Milchglasscheiben ausgestattet sein. Dieser
werden dann in der Dunkelheit von Innen angestrahlt werden, wie Teuber
erläuterte. Auf der südliche Seite schließen die Westfassade des
romanischen Kirchenbaus, der alte Schnütgen-Verwaltungstrakt sowie eben
jener Zwischenbau an. Im Erdgeschoss soll es gastronomische Nutzung
geben, bei schönen Wetter sollen Stühle und (bei Bedarf) Heizstrahler
aus dem derzeit noch kargen Platz ein „urbanes Kleinod“ entstehen
lassen, wie Teube vorschwärmte.
Viel Platz für die vielen Schätze und Sammlungen
Aber nicht Gastronomie oder Architekturfragen standen im Mittelpunkt
der Diskussionen unter den ersten Besuchern. Vielmehr erläuterten die
betroffenen Kulturverantwortlichen ihre Pläne für die weitere Zeit.
Auch das mögliche Programm nach der Eröffnung scheint sich bereits
jetzt abzuzeichnen. Der größte Einzelnutzer, das
Rautenstrauch-Joest-Museum, wird im Rahmen seiner ersten
Dauerausstellung die altamerikanische Sammlung des Ehepaars Ludwig
präsentieren. Auch für das Museum Schnütgen bieten die neuen Flächen
endlich die lange herbei gesehnte Vergrößerung. „in Zukunft können wir
wesentlich mehr Exponate ausstellen. Im Falle Schnütgen kommt
allerdings hinzu, dass bereits jetzt die Verwaltung des Museums an
mindestens drei Standorten in Köln zur Miete arbeitet. „Die Mieten für
dieser Flächen können wir demnächst einsparen“, weiß Teube. Entworfen
hat das Gebäude mit einer Vorlauf- und Planungszeit von zwölf und einer
reinen Bauzeit von zwei Jahren das Osnabrücker Architekturbüro
Schneider + Sendelbach. Die Kosten für die Herstellung des Museumsbaus
werden von Land und Kommune getragen, sie beliefen sich nach der
ursprünglichen Planung auf 61 Millionen Euro, davon 38 Millionen vom
Land. Der Innenausbau ist hingegen Sache der Kommune. Bereits im
Spätsommer musste die Verwaltung einräumen, dass sie wesentlich mehr
Geld für den Innenausbau benötigen: Einem entsprechender
Beschlussvorschlag der Verwaltung zufolge dem die Ratsmitglieder
widerwillig
Auch für den Museumsdienst bedeutet der Standortwechsel an den Neumarkt
neue Chancen. Mit der Konzeption eines so genannten Junior-Museums und
weiterer Werkstatträume soll auch der Fachbereich unter Leitung von Dr.
Matthias Haarmann mehr Platz für eigene Aktivitäten handeln. Vor allem
bei der Arbeit mit Kindern habe man Flächenbedarf ermittelt, hieß es
dazu weiter. Was den ehrgezeigen Zeitplan angeht, ist zumindest
Haarmann gelassen. Er könne sich auch vorstellen, erst in den ersten
Januarwochen des kommenden Jahres in die neuen Räume einzuziehen.
Schließlich müsste bei einem Umzug auch der komplette Museumsdienst auf
einmal an den neuen Standort gehen. Das bevorstehende
Weihnachtsgeschäft ist auch für den Museumsdienst mit seiner
Buchungsabteilung Thema. Das wolle man auf keinen Fall durch einen
Umzug gefährden, hieß es dazu abschließend.
Weitere Nutzer der Immobilie sind neben den bereits genannten auch die Volkshochschule VHS und die Kölner Kunsthalle.

























