25. 05. 2012
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Opernquartier: Friede, Freude, Eierkuchen
(js) "Die Beteiligung der Öffentlichkeit bringt uns voran – und oft mit besseren Lösungen als vermutet", lobte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters. Und er setzte noch einen oben drauf: "Hier liegen realistische und pragmatische Lösungen vor." Sein Lob galt der Arbeitsgruppe, die in kürzester Zeit zwei Machbarkeitsstudien für die Sanierung von Oper und Schauspiel erarbeitet hatte. Am Sonntag wurden diese bei der ersten Sitzung des "Runden Tischs" zum Opernquartier der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben den knapp vierzig Diskutanten von Stadtverwaltung, Politik, Oper, Schauspiel , Kulturinitiativen und der Bürgerinitiative "Mut zur Kultur" hatten knapp 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger den Weg in die Piazetta des Rathauses gefunden.
Nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren von "Mut zur Kultur", bei dem sich über 50.000 Menschen für eine Sanierung statt Abriss des Schauspielhauses ausgesprochen hatten, hatte der Rat diesem am 13. April stattgegeben. Roters hatte seinerzeit einen Runden Tisch versprochen. Bei diesem gab es nun den Einblick in die "Werkstatt" des bislang Erreichten. In drei Arbeitskreisen waren Sanierungsmöglichkeiten, juristische Fragen zu Ausschreibung und Denkmalschutz sowie zur Neugestaltung des gesamten Opernquartiers behandelt worden.
Danach wird die Sanierung von Oper und Schauspiel europaweit neu ausgeschrieben, dies soll parallel zur Erarbeitung der Machbarkeitsstudie geschehen. Mit den Erben von Wilhelm Riphahn, Architekt von Oper, Schauspiel und Opernterrasse, ist man sich weitgehend über nötige und mögliche Änderungen einig, auch die übergeordneten Denkmalschützer des Landschaftsverbandes-Rheinland haben keine wesentlichen Einwände mehr. "Gravierende Eingriffe" werden dort nicht zu vermeiden sein, wo es um aktuelle Feuerschutz- und Energiesparmaßnahmen sowie um barrierefreie Zugänge geht.
Der Theaterplaner und Architekt Reinhold Daberto hatte in enger Zusammenarbeit mit den Bühnen und "Mut zur Kultur" die zwei nun vorgestellten Machbarkeitsstudien erarbeitet. Dabei war die eine für die Bürgerinitiative so überzeugend, dass sie "ihre" faktisch zurückzog. "Wir sind damit sehr zufrieden, die Bühnen kommen gut damit zurecht", erklärte Initiativen-Sprecher Jörg Jung. Vom Tisch ist damit zum Beispiel ein Aufbau für Büroräume auf dem Schauspielhaus, der zudem auf die Bedenken der Riphahn-Erben und Denkmalschützer gestoßen war. "Wir sind überzeugt, dass wir so mit 200 Millionen Euro statt der ursprünglich für den abgespeckten Neubau veranschlagten 300 Millionen auskommen", sagte Jung.
Nach der "V6" genannten Studie wird der "Hinterhof" an der Krebsgasse sowohl unterkellert und überbaut. Dadurch werden Lagerräume und Proberäume gewonnen. Das Schauspielhaus wird einen in der Größe variablen Zuschauerraum erhalten. In den Opernterrassen sollen Studiobühne und Kinderoper ihr neues Zuhause finden, letztere ist dabei unterirdisch von der Oper aus zu erreichen. Auch der Platz vor dem Schauspielhaus könnte unterkellert werden, "da müssen wir aber aufpassen, dass wir uns auf kein finanzielles Abenteuer einlassen", warnte Jung im Anschluss an die Veranstaltung.
Problematisch bleibt der Umbau der Zuschauerraum-Decken in beiden Häusern, die modernen akustischen Bedingungen nicht genügt. Hier muss noch nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht werden. Bei der Neugestaltung des Opernquartiers waren sich Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger und die Bürgerinitiative ebenso wie OB Roters einig, endlich die Tieferlegung der Nord-Süd-Fahrt zu beerdigen, um so Energien und Geld für die Gestaltung des Offenbachplatzes freizusetzen. Im Blickpunkt ist auch das im Besitz der Stadt, aber langfristig verpachtete Parkhaus Krebsgasse/Am Alten Posthof. Hier könnte ein Stockwerk abgerissen und durch Büroräume ersetzt werden.
Ein "Runder Tisch" im klassischen Sinne war diese Veranstaltung allerdings nicht. Nicht nur wegen der rechteckigen Form, die Hierarchien statt Gleichberechtigung erleichtert. Sondern auch, weil die wesentlichen Entscheidungen im Vorfeld schon gefallen waren, es kaum noch Möglichkeiten gab, Wünsche und Einsprüche geltend zu machen. So konnten etwa die Vertreter des Tanzes zwar ihren Unwillen darüber äußern, dass es für Tanz nicht genug Raum in beiden Häusern gebe, dies wurde aber mit Hinweis auf zu hohe Kosten und mögliche Planungsverzögerungen abgewiesen. Jung versprach, dass sich Kölns Bürger auch finanziell an der Neugestaltung des Offenbachplatzes, worauf ihn Streitberger warnte: "Überschätzen Sie sich nicht!". Und endlich gab es auch noch eine Klarstellung vom Oberbürgermeister: "Am Schluss entscheidet der Rat!" Das soll möglichst bald nach den Ferien geschehen. Und im September wird der Runde Tisch zum zweiten Mal tagen.

























