Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Preisgericht entscheidet über Jüdisches Museum


25.01.2009 21:47 von:

Schlagwörter: KÖln,Rathausvorplatz,Haus der Jüdischen Kultur,Innenstadt,Preisgericht,Museum

Der Entwurf des Saarbrücker Planungsbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirsch erhielt nahezu ungeteilte Zustimmung für ihren Entwurf. Nur ein nicht genanntes Jurymitglied sprach sich gegen den Entwurf als Siegerbeitrag aus. Insgesamt wurden fünf Entwürfe mit Preisen ausgezeichnet, vier weitere wurde als so genannte „Ankäufe“ mit einer besonderen Anerkennung gewürdigt. Die Bebauung des Entwurfs sieht einen Bau vor, der sich an der Traufkante des nördlich gelegenen Spanischen Baus orientiert. Den Zuschlag erhielt er Entwurf, weil er in nahezu idealer Weise die Archäologische Zone mit den gefundenen Überresten der frühmittelalterlichen Synagoge und der Mikwe miteinander verbindet, so das Urteil der Jury. Das Saarbrücker Planungsbüro hat bereits in Dresden und München vergleichbare Vorhaben realisiert.

Erleichterung bei den Stadtverantwortlichen

Die Verantwortlichen von Stadt und Trägerverein zeigte sich mit dem Ergebnis hochzufrieden. „Ich bin sehr sehr glücklich“, bekannte Kölns Baudezernent Bernd Streitberger. Auch Oberbürgermeister Fritz Schramma zeigte sich erleichtert, dass bei diesem zentralen Projekt der Regionale 2010 und der darüber liegenden Bebauung fast einstimmiges Einvernehmen erzielt wurde. Kölns Stadtoberhaupt plädierte zudem dafür, die bis dahin fertig gestellte U-Bahn-Station „Alter Markt“ mit dem Zusatz „Archaölogische Zone – Jüdisches Museum“ zu ergänzen und durch einen unterirdischen Durchbruch einen direkten Zugang durch den bereits vorhandenen historischen Rathauskeller direkt in die Archäologische Zone zu ermöglichen. Das erwartete hohe Besucheraufkommen würde sich dann zu einem Großteil auf die öffentlichen Verkehrsmittel verteilen, hoffen die Verantwortlichen. Einzig Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander erklärte, dass keiner der eingereichten Beiträge einen „perfekten“ Entwurf darstelle. Allerdings war auch er von dem Ergebnis und der Entscheidung der hochkarätig besetzten Jury überzeugt.

Trägerverein wiederholt sein Versprechen: Keine öffentlichen Gelder

Die Diskussionen um den Bau des jüdischen Museums sind ebenfalls nicht neu. Dabei waren von den Verantwortlichen unterschiedliche Töne zu vernehmen. So wiederholte der Vorsitzende des Trägervereins Benedikt Graf von und zu Hoensbroech, seine bereits gegebenes Versprechen, den Bau des mit rund 15 Millionen Euro veranschlagten Museums komplett aus eigenen Mitteln finanzieren zu wollen. Auch der anschließende Betrieb soll sich aus Eigenmitteln tragen. Allerdings deutete ein anderer Vereinsvertreter gegenüber Köln Nachrichten an, dass möglicherweise doch Fördertöpfe insbesondere zur Unterstützung kultureller Einrichtungen in Anspruch genommen werden könnten. Entsprechend früherer Aussagen sollen die jährlichen Unterhaltungskosten in Höhe von rund einer Million Euro ebenfalls mit Bordmitteln bestritten werden können. Die Initiatoren rechnen mit 500.000 Besuchern pro Jahr. Bei einem kalkulierten Eintrittspreis in Höhe von fünf Euro würde das Museum damit einer der wenigen Kulturbetriebe sein, die sich selbst tragen könnten, so die Hoffnung der Vereinsoberen.

Kritik der Anwohner

Doch nicht überall gab es Zustimmung für den Entwurf. „Der Platz ist damit weg“, findet der Sprecher der Eigentümergemeinschaft An Farina, Gerald Utikal. Zusammen mit einer ortsansässigen Geschäftsfrau sprachen sich beide an diesem Abend gegen die ihrer Meinung nach viel zu „klotzige“ Bebauung des Platzes aus. Diese Meinung vertreten auch die anderen Anwohnerinnen und Anwohner, die Utikal als Sprecher der Eigentümergemeinschaft vertritt. Seine Ablehnung der Entwürfe will Utikal allerdings nicht als grundsätzliche Ablehnung des Jüdischen Museum verstanden wissen. Sie sprechen sich lediglich gegen die jetzt vorgelegten Planungen zur Überbauung aus, wie Utikal betonte. Von der heutigen Platzfläche zwischen Rathaus, Unter Goldschmied und dem Wallraf-Richartz-Museum wird in der Tat wenig übrig bleiben. Rund 1700 Quadratmeter Grundfläche werden unter den Schutzbauten und dem eigentlichen Museumsbau verschwinden. Nur vor dem Rathaus selbst bleibt ein eingefasster Freiraum übrig. Die Straße zwischen dem Jüdischen Museum und dem Wallraf-Bau soll den derzeitigen Planungen zufolge eine Fußgängerzone werden.

Zeitplan soll eingehalten werden

Befürworter des Projektes hingegen wenden ein, dass die Platzfläche erst nach dem letzten Weltkrieg entstanden sei. Historisch habe es hier immer Gebäude gegeben, so das Argument. Mit dem Ergebnis dieses Architektenwettbewerbs sind die Tage der Freifläche wohl gezählt. Oberbürgermeister Schramma zeigte sich zum Ende seiner Ausführungen zuversichtlich, den Terminplan für die Regionale 2010 einhalten zu können. Und auch das Ergebnis der derzeit unter einem Zelt stattfindenden Ausgrabungen habe keinen Einfluss auf die überirdische Bebauung, wie der Projektleiter der Archäologischen Zone Dr. Sven Schütte versicherte.

  Kommentar
 

Die Würfel scheinen gefallen, der Rathausvorplatz wird mit einem Jüdischen Museum bebaut und die Realisierung beider Projekte – Archäologische Zone und Jüdisches Haus der Kultur – schreitet mit unvermindertem Tempo voran. Die Freifläche vor dem Kölner Rathaus, die bereits jetzt durch das Zelt eingeschränkt ist, wird zukünftig praktisch wegfallen. Eine weitere Wunde des Zweiten Weltkriegs, so argumentieren die Befürworter, wird geschlossen. Und dem Anspruch Kölns, neben vielen anderen Highlights, nun der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen auch einen angemessenen baulichen Ausdruck zu verleihen, wird ebenfalls entsprochen. Niemand wird der Jüdischen Gemeinde verwehren wollen, nach der Synagoge in der Roonstraße, einen weiteren Ort des Gedenkens an die reiche und nachhaltige Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft in Köln einrichten zu wollen. Und der Platz vor dem Rathaus, Ort eben dieses historisch belegten Zentrum Jüdischer Kultur in Köln, scheint wie kein anderer Ort genau dafür geeignet zu sein. So weit so gut.

Die kritischen Zwischentöne – insbesondere aus dem Umfeld der Anwohner – lassen aber aufhorchen. So ist derzeit keineswegs klar, ob das Museum trotz aller optimistischer Kalkulationen tatsächlich völlig ohne öffentliche Mittel auskommen wird. Kulturbetriebe, selbst solche, die sich besonders hoher Beliebtheit erfreuen, sind in den aller seltensten Fällen finanziell selbsttragende Einrichtungen. In Köln müssen alle städtischen Museen bezuschusst werden. Dem Steuerzahler kann es egal sein, ob die Gelder nun aus Fördertöpfen von Stadt, Land oder Bund stammen, es bleiben Steuergelder. Auch die Frage der Verkehrssituation wird mit Sicherheit noch zu Diskussionen führen. Ob der Großteil der Gäste des Jüdischen Museums tatsächlich die neue Stadtbahn nutzen, ist heute nicht mehr als eine Hoffnung. Und ob die Schätzungen der Museumsinitiatoren (500.000 Gäste pro Jahr) tatsächlich eintreten, ist ebenfalls nur Spekulation. Schließlich dürfte es auf dem Platz auch aus einem anderen Grund noch zu Problemen kommen. In anderen Städten werden vor ähnlichen Einrichtungen Sicherheitskontrollen durchgeführt. Ob das im Umfeld des Historischen Rathauses und seiner zahlreichen Hochzeitsgesellschaften tatsächlich reibungslos ablaufen wird, wird ebenfalls bezweifelt. Es bleiben also viele Fragen, die heute keineswegs geklärt sind.








Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse