25. 05. 2012
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Preisgericht entscheidet über Jüdisches Museum
Der Entwurf des Saarbrücker Planungsbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirsch
erhielt nahezu ungeteilte Zustimmung für ihren Entwurf. Nur ein nicht
genanntes Jurymitglied sprach sich gegen den Entwurf als Siegerbeitrag
aus. Insgesamt wurden fünf Entwürfe mit Preisen ausgezeichnet, vier
weitere wurde als so genannte „Ankäufe“ mit einer besonderen
Anerkennung gewürdigt. Die Bebauung des Entwurfs sieht einen Bau vor,
der sich an der Traufkante des nördlich gelegenen Spanischen Baus
orientiert. Den Zuschlag erhielt er Entwurf, weil er in nahezu idealer
Weise die Archäologische Zone mit den gefundenen Überresten der
frühmittelalterlichen Synagoge und der Mikwe miteinander verbindet, so
das Urteil der Jury. Das Saarbrücker Planungsbüro hat bereits in
Dresden und München vergleichbare Vorhaben realisiert.
Erleichterung bei den Stadtverantwortlichen
Die Verantwortlichen von Stadt und Trägerverein zeigte sich mit dem
Ergebnis hochzufrieden. „Ich bin sehr sehr glücklich“, bekannte Kölns
Baudezernent Bernd Streitberger. Auch Oberbürgermeister Fritz Schramma
zeigte sich erleichtert, dass bei diesem zentralen Projekt der
Regionale 2010 und der darüber liegenden Bebauung fast einstimmiges
Einvernehmen erzielt wurde. Kölns Stadtoberhaupt plädierte zudem dafür,
die bis dahin fertig gestellte U-Bahn-Station „Alter Markt“ mit dem
Zusatz „Archaölogische Zone – Jüdisches Museum“ zu ergänzen und durch
einen unterirdischen Durchbruch einen direkten Zugang durch den bereits
vorhandenen historischen Rathauskeller direkt in die Archäologische
Zone zu ermöglichen. Das erwartete hohe Besucheraufkommen würde sich
dann zu einem Großteil auf die öffentlichen Verkehrsmittel verteilen,
hoffen die Verantwortlichen. Einzig Kölns Kulturdezernent Prof. Georg
Quander erklärte, dass keiner der eingereichten Beiträge einen
„perfekten“ Entwurf darstelle. Allerdings war auch er von dem Ergebnis
und der Entscheidung der hochkarätig besetzten Jury überzeugt.
Trägerverein wiederholt sein Versprechen: Keine öffentlichen Gelder
Die Diskussionen um den Bau des jüdischen Museums sind ebenfalls nicht
neu. Dabei waren von den Verantwortlichen unterschiedliche Töne zu
vernehmen. So wiederholte der Vorsitzende des Trägervereins Benedikt
Graf von und zu Hoensbroech, seine bereits gegebenes Versprechen, den
Bau des mit rund 15 Millionen Euro veranschlagten Museums komplett aus
eigenen Mitteln finanzieren zu wollen. Auch der anschließende Betrieb
soll sich aus Eigenmitteln tragen. Allerdings deutete ein anderer
Vereinsvertreter gegenüber Köln Nachrichten an, dass möglicherweise
doch Fördertöpfe insbesondere zur Unterstützung kultureller
Einrichtungen in Anspruch genommen werden könnten. Entsprechend
früherer Aussagen sollen die jährlichen Unterhaltungskosten in Höhe von
rund einer Million Euro ebenfalls mit Bordmitteln bestritten werden
können. Die Initiatoren rechnen mit 500.000 Besuchern pro Jahr. Bei
einem kalkulierten Eintrittspreis in Höhe von fünf Euro würde das
Museum damit einer der wenigen Kulturbetriebe sein, die sich selbst
tragen könnten, so die Hoffnung der Vereinsoberen.
Kritik der Anwohner
Doch nicht überall gab es Zustimmung für den Entwurf. „Der Platz ist
damit weg“, findet der Sprecher der Eigentümergemeinschaft An Farina,
Gerald Utikal. Zusammen mit einer ortsansässigen Geschäftsfrau
sprachen sich beide an diesem Abend gegen die ihrer Meinung nach viel
zu „klotzige“ Bebauung des Platzes aus. Diese Meinung vertreten auch
die anderen Anwohnerinnen und Anwohner, die Utikal als Sprecher der
Eigentümergemeinschaft vertritt. Seine Ablehnung der Entwürfe will
Utikal allerdings nicht als grundsätzliche Ablehnung des Jüdischen
Museum verstanden wissen. Sie sprechen sich lediglich gegen die jetzt
vorgelegten Planungen zur Überbauung aus, wie Utikal betonte. Von der
heutigen Platzfläche zwischen Rathaus, Unter Goldschmied und dem
Wallraf-Richartz-Museum wird in der Tat wenig übrig bleiben. Rund 1700
Quadratmeter Grundfläche werden unter den Schutzbauten und dem
eigentlichen Museumsbau verschwinden. Nur vor dem Rathaus selbst bleibt
ein eingefasster Freiraum übrig. Die Straße zwischen dem Jüdischen
Museum und dem Wallraf-Bau soll den derzeitigen Planungen zufolge eine
Fußgängerzone werden.
Zeitplan soll eingehalten werden
Befürworter des Projektes hingegen wenden ein, dass die Platzfläche
erst nach dem letzten Weltkrieg entstanden sei. Historisch habe es hier
immer Gebäude gegeben, so das Argument. Mit dem Ergebnis dieses
Architektenwettbewerbs sind die Tage der Freifläche wohl gezählt.
Oberbürgermeister Schramma zeigte sich zum Ende seiner Ausführungen
zuversichtlich, den Terminplan für die Regionale 2010 einhalten zu
können. Und auch das Ergebnis der derzeit unter einem Zelt
stattfindenden Ausgrabungen habe keinen Einfluss auf die überirdische
Bebauung, wie der Projektleiter der Archäologischen Zone Dr. Sven
Schütte versicherte.
Die Würfel scheinen gefallen, der Rathausvorplatz wird mit einem
Jüdischen Museum bebaut und die Realisierung beider Projekte –
Archäologische Zone und Jüdisches Haus der Kultur – schreitet mit
unvermindertem Tempo voran. Die Freifläche vor dem Kölner Rathaus, die
bereits jetzt durch das Zelt eingeschränkt ist, wird zukünftig
praktisch wegfallen. Eine weitere Wunde des Zweiten Weltkriegs, so
argumentieren die Befürworter, wird geschlossen. Und dem Anspruch
Kölns, neben vielen anderen Highlights, nun der ältesten jüdischen
Gemeinde nördlich der Alpen auch einen angemessenen baulichen Ausdruck
zu verleihen, wird ebenfalls entsprochen. Niemand wird der Jüdischen
Gemeinde verwehren wollen, nach der Synagoge in der Roonstraße, einen
weiteren Ort des Gedenkens an die reiche und nachhaltige Geschichte
dieser Glaubensgemeinschaft in Köln einrichten zu wollen. Und der Platz
vor dem Rathaus, Ort eben dieses historisch belegten Zentrum Jüdischer
Kultur in Köln, scheint wie kein anderer Ort genau dafür geeignet zu
sein. So weit so gut.
Die kritischen Zwischentöne – insbesondere aus dem Umfeld der Anwohner
– lassen aber aufhorchen. So ist derzeit keineswegs klar, ob das Museum
trotz aller optimistischer Kalkulationen tatsächlich völlig ohne
öffentliche Mittel auskommen wird. Kulturbetriebe, selbst solche, die
sich besonders hoher Beliebtheit erfreuen, sind in den aller seltensten
Fällen finanziell selbsttragende Einrichtungen. In Köln müssen alle
städtischen Museen bezuschusst werden. Dem Steuerzahler kann es egal
sein, ob die Gelder nun aus Fördertöpfen von Stadt, Land oder Bund
stammen, es bleiben Steuergelder. Auch die Frage der Verkehrssituation
wird mit Sicherheit noch zu Diskussionen führen. Ob der Großteil der
Gäste des Jüdischen Museums tatsächlich die neue Stadtbahn nutzen, ist
heute nicht mehr als eine Hoffnung. Und ob die Schätzungen der
Museumsinitiatoren (500.000 Gäste pro Jahr) tatsächlich eintreten, ist
ebenfalls nur Spekulation. Schließlich dürfte es auf dem Platz auch aus
einem anderen Grund noch zu Problemen kommen. In anderen Städten werden
vor ähnlichen Einrichtungen Sicherheitskontrollen durchgeführt. Ob das
im Umfeld des Historischen Rathauses und seiner zahlreichen
Hochzeitsgesellschaften tatsächlich reibungslos ablaufen wird, wird
ebenfalls bezweifelt. Es bleiben also viele Fragen, die heute
keineswegs geklärt sind.

























