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25. 05. 2012
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Sommertheater um das geplante Jüdische Museum auf dem Rathausplatz


03.07.2008 22:00 von:


Der sah einen massiven Entwurf vor, der sich mit einer überbauten Grundfläche von 1700 Quadratmeter den heutigen Rathausvorplatz weitgehend verschwinden lässt. Auch Oberbürgermeister Fritz Schramma schien zunächst überzeugt, mit dem Entwurf die beste Lösung erreicht zu haben. Sein Baudezernent Bernd Streitberger klang noch ein wenig euphorischer und zeigte sich „sehr sehr glücklich“. Doch nach Protesten von Anwohnern und negativen Medienkommentaren der Lokalpresse merkte auch Schramma kritisch die „Massigkeit“ des Entwurfs an. Seine Fraktion stellte daraufhin erneut die Standortfrage und sorgte für Redebedarf in den Rathausfraktionen. In einer gemeinsamen Presseerklärung haben heute SPD, Grüne und FDP das „Lavieren“ des Stadtoberhaupts kritisiert und sich für den Standort „Rathausplatz“ ausgesprochen.

Dabei berufen sich alle auf den Wortlaut des mehrheitlichen Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2006. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit des Rates unterstützt, lediglich gegen die Stimmen von CDU und Kölner Bürger-Bündnis. Oberbürgermeister Fritz Schramma enthielt sich der Stimme. „Fast hätte ich Ihrem Antrag zustimmen können. Aber das mache ich heute nicht, deshalb enthalte ich mich an dieser Stelle“, erklärte Schramma damals. Gleichzeitig betrachtete er den Wettbewerb aber auch als Chance. Diese „ist in der Tat für uns einzigartig, auch in Zusammenhang mit der archäologischen Zone, die im Zuge der Regionale entstehen soll“, so Schramma in der Ratsdebatte vor zwei Jahren.

In dem damals beschlossenen Antrag heißt es unter anderem auch, dass „wegen der besonderen Bedeutung des Vorhabens und der Standortfrage“ eine „breite öffentliche Debatte“ stattfinden soll. Dabei soll auch das Areal des südlich des Platzes gelegenen Kaufhaues Kutz einbezogen werden, heißt es im Beschlusstext weiter. Ab dem 16. Juli dieses Jahres sollen die Pläne öffentlich ausgestellt werden, wie das städtische Presseamt am gestrigen Donnerstag bekannt gab. „Ich halte die Beteiligung der Bürger an der Frage, wie künftig der Rathausvorplatz genutzt wird, für unverzichtbar“, erklärte Schramma am Dienstag dieser Woche. Gleichzeitig zeigte sich das Stadtoberhaupt „überrascht“ über die intensive Diskussion seitens der Bürgerschaft.

Rot – Grün – Gelb steht für den Neubau

Unverständnis und Irritation herrscht dagegen auf Seiten des Kernbündnisses (SPD und Grüne) wegen des Umschwenkens des Stadtoberhaupts. Prof. Hans-Georg Bögner, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und langjähriger Kenner der Kölner Kulturszene hält am Neubau fest. „Ich bin von dem Entwurf mit der angebotenen Lösung begeistert“, erklärte der SPD-Politiker gegenüber Köln Nachrichten. Das Verhalten Schrammas findet Bögner „eigenartig, um es nett zu umschreiben. An der Größe selbst findet Bögner nicht Kritikwürdiges. „Der jetzige Platz ist ja kein schöner Ort, sondern eine schräge Ebene“, so Bögner weiter. Aus Sicht seiner Fraktion müsse lediglich sichergestellt sein, dass die Finanzierung des Museumsbaus aus privaten Mitteln erfolgt. Dieses Versprechen hatte der Vorsitzende des Trägerverein Konstantin Graf von und zu Hoensbroech zuletzt bei der Präsentation der Siegerergebnisse abgegeben.

Wie Bögner war auch der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion Ralph Sterck Mitglied im Preisgericht. Auch er sprach sich bereits in der vergangenen Woche für die Umsetzung einer städtebaulichen Lösung auf dem Rathausplatz aus. Auch er übt Kritik an Schramma. „Wenn er nun die Auswahl der Jury kritisiert, ohne seine Chance an einer Mitwirkung genutzt zu haben, ist das schlechter Stil“, erklärte Sterck. Wie Bögner wies auch Sterck auf die bereits mehr als 15 Jahre andauernde Diskussion um eine mögliche Bebauung auf dem Rathausplatz hin. So hat ein 2001 durchgeführtes Experten-Symposium sich eindeutig für den Standort vor dem Rathaus ausgesprochen „wegen seiner Authentizität seiner jüdischen Vergangenheit“, wie der FDP-Politiker ausführte. Wie schon Kulturdezernent Prof. Georg Quander mahnte aber Sterck kleinere Änderungen an. So müsse der Abstand zum Wallraf-Richartz-Museum eingehalten und die Gebäudehöhe zur historischen Rathauslaube hin reduziert werden, so Sterck.

Grünen-Fraktionschefin Moritz äußerte sich ähnlich. Die erfahrene Kommunalpolitikerin hat in ihrer Zeit als Kommunalpolitikerin über 100 Architekturwettbewerbe mitgemacht. „Das war eine sehr gute Jury. Die intensiven Beratungen hatten ein hohes fachliches Niveau. Ich denke, dass wir das beste Ergebnis prämiert haben“, erklärte Moritz gegenüber Köln Nachrichten. Zwar habe ihre Partei nach der Ratsentscheidung keine Veranstaltung zu diesem Thema gemacht, trotzdem wäre es Aufgabe des Stadtvorstands gewesen, eine öffentliche Veranstaltung durchzuführen. Die aber hat es nicht gegeben. „Jetzt beklagt er sich über sich selbst“, kommentierte Moritz die Bedenken des ersten Bürger der Stadt. Regelrecht „von den Socken“ sei sie gewesen, als nach den Debatten um die zunächst anonymisierten Architektenentwürfe der Sieger der Jury genannt wurde. „Ich traue denen zu, dass sie das optimal lösen werden“, erklärte die Grünen-Ratsfrau, die sich die anderen beiden Projekte des Architekturbüros in München und Dresden selbst angeschaut hat. Sollte statt der nun geplanten Bruttogeschossfläche durch Veränderungen an den Entwürfen weniger Nutzfläche zur Verfügung stehen, könne man die auch auf dem Grundstück des Kaufhauses Kutz errichten. „Büros müssen nicht auf den Platz“, argumentiert Moritz.

CDU stellt sich hinter Schramma

Während für die drei Parteien, die im Stadtrat über eine ausreichende Stimmenanzahl (50 von 91 stimmberechtigten Mitglieder inklusive Oberbürgermeister) verfügen, sich scheinbar einig sind, stellte sich die CDU-Fraktion hinter ihren Oberbürgermeister. Demnach böten sich neben dem Rathausplatz auch andere Orte an, wie zum Beispiel das benachbarte Grundstück des ehemaligen Kaufhauses Kutz oder auf dem Areal des Hauses Neuerburg. „Ein Museumsbau mit den im Architektenentwurf vorgeschlagenen Dimensionen würde das Stadtbild an diesem zentralen Platz maßgeblich verändern“, begründete Granitzka seinen Vorschlag. Stattdessen sprachen sich Fraktionschef und Fraktionsgeschäftsführer Josef Müller dafür aus, mit einem Alternativstandort den seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Platz zu einer „Kultur- und Erholungsfläche für die Bürgerinnen und Bürger“ auszubauen. Auch die CDU selbst sprach sich wenige Tage zuvor für den Erhalt der Platzfläche aus. Die Bebauung des Platzes will die stellvertretende Parteivorsitzende Gisela Manderla hingegen lediglich auf die notwendigen „Schutzbauten“ der frühmittelalterlichen Relikte beschränken. In Kürze wolle man dazu auf der eigenen Internetseite eine Online-Befragung durchführen. Interessant: In der damaligen Debatte sprach der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU Karl Klipper von einer überbauten Fläche von lediglich 1100 Quadratmeter. Schon das wurde damals als zu massiv angesehen. Neben Schramma enthielt sich auch der Vorsitzende des Kulturausschusses Dr. Lothar-Theodor Lemper der Stimme.

Weiteres Vorgehen / Verwaltung muss Überstunden machen

Während Schramma auch Verständnis für die Kritik an der Kopplung der Planungsverfahren für die Archäologische Zone und den Museumsbau äußerte, legte sich der Stadtrat bereits 2006 in dieser Sache mehrheitlich fest. Er strebt eine gemeinsame Realisierung beider Projekte an. Nun wird die Verwaltung eine überarbeitete Entwurfsplanung vorlegen müssen. Davon wird auch abhängen, ob die Stadt nach den förmlichen nun auch konkrete Förderanträge an das Land Nordrhein-Westfalen stellen kann. Die Archäologische Zone soll nach Angaben Schrammas knapp 15 Millionen Euro kosten, 80 Prozent oder knapp zwölf Millionen Euro sollen aus Städtebaufördermitteln aus dem Landeshaushalts finanziert werden. Eine weitere Voraussetzung dafür ist auch die so genannte A-Qualifizierung des Projekts im Regionale-2010-Ausschuss, der so genannte „A-Stempel“. Der wird vonseiten der Verantwortlichen für September erwartet. Doch ob der finanzielle Rahmen tatsächlich eingehalten werden kann, wird in informierten Kreisen bezweifelt. Mindestens zwei Millionen Euro mehr werde das Projekt kosten, war bereits während der Vorstellung des Siegerentwurfs zu hören. Wann der konkrete Bauantrag für den Museumsbau gestellt werden kann, hängt zudem davon ab, ob die Finanzierung durch den privaten Trägerverein gewährleistet ist.

Das Investitionsvolumen für das „Haus der Jüdischen Kultur“ (so der offizielle Name) wird von Experten auf ebenfalls rund 15 Millionen Euro geschätzt. Bei einem erwarteten Besucheraufkommen von 500.000 Besuchern pro Jahr wollen die Initiatoren des Museumsprojekts den Betrieb aus eigenen Mitteln bestreiten.







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