25. 05. 2012
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Sommertheater um das geplante Jüdische Museum auf dem Rathausplatz
Der sah einen massiven Entwurf vor, der
sich mit einer überbauten Grundfläche von 1700 Quadratmeter den
heutigen Rathausvorplatz weitgehend verschwinden lässt. Auch
Oberbürgermeister Fritz Schramma schien zunächst überzeugt, mit dem
Entwurf die beste Lösung erreicht zu haben. Sein Baudezernent Bernd
Streitberger klang noch ein wenig euphorischer und zeigte sich „sehr
sehr glücklich“. Doch nach Protesten von Anwohnern und negativen
Medienkommentaren der Lokalpresse merkte auch Schramma kritisch die
„Massigkeit“ des Entwurfs an. Seine Fraktion stellte daraufhin erneut
die Standortfrage und sorgte für Redebedarf in den Rathausfraktionen.
In einer gemeinsamen Presseerklärung haben heute SPD, Grüne und FDP das
„Lavieren“ des Stadtoberhaupts kritisiert und sich für den Standort
„Rathausplatz“ ausgesprochen.
Dabei berufen sich alle auf den Wortlaut des mehrheitlichen
Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2006. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit
des Rates unterstützt, lediglich gegen die Stimmen von CDU und Kölner
Bürger-Bündnis. Oberbürgermeister Fritz Schramma enthielt sich der
Stimme. „Fast hätte ich Ihrem Antrag zustimmen können. Aber das mache
ich heute nicht, deshalb enthalte ich mich an dieser Stelle“, erklärte
Schramma damals. Gleichzeitig betrachtete er den Wettbewerb aber auch
als Chance. Diese „ist in der Tat für uns einzigartig, auch in
Zusammenhang mit der archäologischen Zone, die im Zuge der Regionale
entstehen soll“, so Schramma in der Ratsdebatte vor zwei Jahren.
In dem damals beschlossenen Antrag heißt es unter anderem auch, dass
„wegen der besonderen Bedeutung des Vorhabens und der Standortfrage“
eine „breite öffentliche Debatte“ stattfinden soll. Dabei soll auch das
Areal des südlich des Platzes gelegenen Kaufhaues Kutz einbezogen
werden, heißt es im Beschlusstext weiter. Ab dem 16. Juli dieses Jahres
sollen die Pläne öffentlich ausgestellt werden, wie das städtische
Presseamt am gestrigen Donnerstag bekannt gab. „Ich halte die
Beteiligung der Bürger an der Frage, wie künftig der Rathausvorplatz
genutzt wird, für unverzichtbar“, erklärte Schramma am Dienstag dieser
Woche. Gleichzeitig zeigte sich das Stadtoberhaupt „überrascht“ über
die intensive Diskussion seitens der Bürgerschaft.
Rot – Grün – Gelb steht für den Neubau
Unverständnis und Irritation herrscht dagegen auf Seiten des
Kernbündnisses (SPD und Grüne) wegen des Umschwenkens des
Stadtoberhaupts. Prof. Hans-Georg Bögner, kulturpolitischer Sprecher
der SPD-Fraktion und langjähriger Kenner der Kölner Kulturszene hält am
Neubau fest. „Ich bin von dem Entwurf mit der angebotenen Lösung
begeistert“, erklärte der SPD-Politiker gegenüber Köln Nachrichten. Das
Verhalten Schrammas findet Bögner „eigenartig, um es nett zu
umschreiben. An der Größe selbst findet Bögner nicht Kritikwürdiges.
„Der jetzige Platz ist ja kein schöner Ort, sondern eine schräge
Ebene“, so Bögner weiter. Aus Sicht seiner Fraktion müsse lediglich
sichergestellt sein, dass die Finanzierung des Museumsbaus aus privaten
Mitteln erfolgt. Dieses Versprechen hatte der Vorsitzende des
Trägerverein Konstantin Graf von und zu Hoensbroech zuletzt bei der
Präsentation der Siegerergebnisse abgegeben.
Wie Bögner war auch der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion Ralph Sterck
Mitglied im Preisgericht. Auch er sprach sich bereits in der
vergangenen Woche für die Umsetzung einer städtebaulichen Lösung auf
dem Rathausplatz aus. Auch er übt Kritik an Schramma. „Wenn er nun die
Auswahl der Jury kritisiert, ohne seine Chance an einer Mitwirkung
genutzt zu haben, ist das schlechter Stil“, erklärte Sterck. Wie Bögner
wies auch Sterck auf die bereits mehr als 15 Jahre andauernde
Diskussion um eine mögliche Bebauung auf dem Rathausplatz hin. So hat
ein 2001 durchgeführtes Experten-Symposium sich eindeutig für den
Standort vor dem Rathaus ausgesprochen „wegen seiner Authentizität
seiner jüdischen Vergangenheit“, wie der FDP-Politiker ausführte. Wie
schon Kulturdezernent Prof. Georg Quander mahnte aber Sterck kleinere
Änderungen an. So müsse der Abstand zum Wallraf-Richartz-Museum
eingehalten und die Gebäudehöhe zur historischen Rathauslaube hin
reduziert werden, so Sterck.
Grünen-Fraktionschefin Moritz äußerte sich ähnlich. Die erfahrene
Kommunalpolitikerin hat in ihrer Zeit als Kommunalpolitikerin über 100
Architekturwettbewerbe mitgemacht. „Das war eine sehr gute Jury. Die
intensiven Beratungen hatten ein hohes fachliches Niveau. Ich denke,
dass wir das beste Ergebnis prämiert haben“, erklärte Moritz gegenüber
Köln Nachrichten. Zwar habe ihre Partei nach der Ratsentscheidung keine
Veranstaltung zu diesem Thema gemacht, trotzdem wäre es Aufgabe des
Stadtvorstands gewesen, eine öffentliche Veranstaltung durchzuführen.
Die aber hat es nicht gegeben. „Jetzt beklagt er sich über sich
selbst“, kommentierte Moritz die Bedenken des ersten Bürger der Stadt.
Regelrecht „von den Socken“ sei sie gewesen, als nach den Debatten um
die zunächst anonymisierten Architektenentwürfe der Sieger der Jury
genannt wurde. „Ich traue denen zu, dass sie das optimal lösen werden“,
erklärte die Grünen-Ratsfrau, die sich die anderen beiden Projekte des
Architekturbüros in München und Dresden selbst angeschaut hat. Sollte
statt der nun geplanten Bruttogeschossfläche durch Veränderungen an den
Entwürfen weniger Nutzfläche zur Verfügung stehen, könne man die auch
auf dem Grundstück des Kaufhauses Kutz errichten. „Büros müssen nicht
auf den Platz“, argumentiert Moritz.
CDU stellt sich hinter Schramma
Während für die drei Parteien, die im Stadtrat über eine ausreichende
Stimmenanzahl (50 von 91 stimmberechtigten Mitglieder inklusive
Oberbürgermeister) verfügen, sich scheinbar einig sind, stellte sich
die CDU-Fraktion hinter ihren Oberbürgermeister. Demnach böten sich
neben dem Rathausplatz auch andere Orte an, wie zum Beispiel das
benachbarte Grundstück des ehemaligen Kaufhauses Kutz oder auf dem
Areal des Hauses Neuerburg. „Ein Museumsbau mit den im
Architektenentwurf vorgeschlagenen Dimensionen würde das Stadtbild an
diesem zentralen Platz maßgeblich verändern“, begründete Granitzka
seinen Vorschlag. Stattdessen sprachen sich Fraktionschef und
Fraktionsgeschäftsführer Josef Müller dafür aus, mit einem
Alternativstandort den seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden Platz zu
einer „Kultur- und Erholungsfläche für die Bürgerinnen und Bürger“
auszubauen. Auch die CDU selbst sprach sich wenige Tage zuvor für den
Erhalt der Platzfläche aus. Die Bebauung des Platzes will die
stellvertretende Parteivorsitzende Gisela Manderla hingegen lediglich
auf die notwendigen „Schutzbauten“ der frühmittelalterlichen Relikte
beschränken. In Kürze wolle man dazu auf der eigenen Internetseite eine
Online-Befragung durchführen. Interessant: In der damaligen Debatte
sprach der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU Karl Klipper
von einer überbauten Fläche von lediglich 1100 Quadratmeter. Schon das
wurde damals als zu massiv angesehen. Neben Schramma enthielt sich auch
der Vorsitzende des Kulturausschusses Dr. Lothar-Theodor Lemper der
Stimme.
Weiteres Vorgehen / Verwaltung muss Überstunden machen
Während Schramma auch Verständnis für die Kritik an der Kopplung der
Planungsverfahren für die Archäologische Zone und den Museumsbau
äußerte, legte sich der Stadtrat bereits 2006 in dieser Sache
mehrheitlich fest. Er strebt eine gemeinsame Realisierung beider
Projekte an. Nun wird die Verwaltung eine überarbeitete Entwurfsplanung
vorlegen müssen. Davon wird auch abhängen, ob die Stadt nach den
förmlichen nun auch konkrete Förderanträge an das Land
Nordrhein-Westfalen stellen kann. Die Archäologische Zone soll nach
Angaben Schrammas knapp 15 Millionen Euro kosten, 80 Prozent oder knapp
zwölf Millionen Euro sollen aus Städtebaufördermitteln aus dem
Landeshaushalts finanziert werden. Eine weitere Voraussetzung dafür ist
auch die so genannte A-Qualifizierung des Projekts im
Regionale-2010-Ausschuss, der so genannte „A-Stempel“. Der wird
vonseiten der Verantwortlichen für September erwartet. Doch ob der
finanzielle Rahmen tatsächlich eingehalten werden kann, wird in
informierten Kreisen bezweifelt. Mindestens zwei Millionen Euro mehr
werde das Projekt kosten, war bereits während der Vorstellung des
Siegerentwurfs zu hören. Wann der konkrete Bauantrag für den Museumsbau
gestellt werden kann, hängt zudem davon ab, ob die Finanzierung durch
den privaten Trägerverein gewährleistet ist.
Das Investitionsvolumen für das „Haus der Jüdischen Kultur“ (so der
offizielle Name) wird von Experten auf ebenfalls rund 15 Millionen Euro
geschätzt. Bei einem erwarteten Besucheraufkommen von 500.000 Besuchern
pro Jahr wollen die Initiatoren des Museumsprojekts den Betrieb aus
eigenen Mitteln bestreiten.

























