25. 05. 2012
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Stadt bestellt Kunst, will sich aber vorm Bezahlen drücken
(js) Ist die diskutierte Schließung der artothek, um das Halbmilliarden-Loch in der Stadtkasse zu stopfen, vom Tisch? Bei seiner Sitzung am 13. Juli beschloss der Kölner Rat das spätgotische Bürgerhaus Haus Saaleck, seit 1973 Sitz der artothek, einem Investor in Erbpacht über 99 Jahre gegen einen Zins von rund 50.000 Euro jährlich zu überlassen. Bedingung in der öffentlichen Ausschreibung waren: Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes und Erhalt der artothek in den bisherigen Räumen, dafür soll die Stadt, so heißt es, monatlich eine Miete von 1400 Euro zahlen. Die oberen drei Etagen beherbergten früher den Personalrat der Stadt, stehen aber seit Jahren leer. Ob der Investor viel Freude an seinem neuen Besitz hat, bleibt abzuwarten: Das Haus weist zahlreiche Risse auf, die vom U-Bahn-Bau direkt vor der Haustüre herrühren könnten.
Dieser Beschluss weckt Hoffnungen bei Jürgen Th. Weghmann, Vorsitzender der "Freunde der artothek Köln". Der findet die Pläne, die artothek einzusparen, "hirnrissig". Er hat inzwischen einen Protestbrief an Oberbürgermeister Jürgen Roters und die kulturpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen geschrieben. Was ihn zusätzlich empört, ist die Tatsache, dass damit auch das ehrenamtliche Engagement seines Vereins als überflüssig erachtet würde. Der bringt seit 15 Jahren jährlich 15- bis 20.000 Euro auf. Mit diesem Geld werden unter anderem Jahresgaben und kleine Kataloge gedruckt, auch die Digitalisierung der zur Ausleihe bereitstehenden Kunstwerke wurde damit finanziert.
Sollte die artothek also erhalten bleiben, dann aber wahrscheinlich nicht in direkter Trägerschaft der Stadt. Denn die Spar-"Task Force" hält für den Fall, dass "eine Schließung der artothek mit den kulturpolitischen Interessen nicht vereinbar" ist, noch eine Alternativlösung in petto: Die Rückgliederung in die Zuständigkeit der Stadtbibliothek, wozu die artothek schon einmal gehörte. Personal- und Sachkosten müsste dann natürlich auch der neue Träger zahlen. Diesem gegenüber verhielte sich die Stadt dann nicht anders als etwa Bund und Länder gegenüber den Kommunen: Dem letzten werden die Kosten aufgebürdet. Ein Verstoß gegen das Konnexitätsprinzip "Wer bestellt, zahlt" und sonst von der Stadt zurecht beklagt, wenn sie zahlen muss, was etwa ein Bundesgesetz verlangt. 2010 würde die Stadt nach ihren Berechnungen in diesem Fall 62.451 Euro sparen , bis zum Jahr 2013 noch einmal 124.902 Euro – dann aufzubringen von der ebenfalls klammen Stadtbibliothek.

























